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03.05.2015

15:29 Uhr

Der moderne Mann

Wenn Smartphones sprechen könnten

Bisher hat Herr K. mit seinem Handy gesprochen, doch nun redet sein Handy mit ihm. Ist Herr K. endgültig ein Fall für die Psychiatrie? Und warum hält sein Smartphone sich eigentlich für was Besseres?

Herr K. schreibt auf Handelsblatt Online über den Alltag des modernen Manns. Anregungen bitte an:  herr.k@handelsblatt.com

Herr K. – der moderne Mann

Herr K. schreibt auf Handelsblatt Online über den Alltag des modernen Manns. Anregungen bitte an: herr.k@handelsblatt.com

Herr K. traut seinen Ohren nicht, als er direkt neben sich eine Stimme hört: „Wenn ich dich bitten dürfte, mir die Keycards für Parkhaus, Büro, Kantine und Kaffeeküche auszuhändigen ... Ich übernehm dann mal“, sagt sein Handy. Er starrt auf das schwarze Gehäuse, antwortet aber zunächst nicht. „Hallo?!“, sagt das Smartphone, jetzt schon etwas ungeduldiger: „Wird's dann mal was?“ Herr K. räuspert sich: „Äh, wie ... mein Handy kann reden?“ „Huuuu, gruselgrusel, du kannst das ja auch, oder? Ist also nicht sooo schwer ... reden“, kommt die Replik.

Herr K. ringt um Fassung: „Wieso duzen Sie mich überhaupt?“ Das Handy blafft los: „Na, das kann ja was werden hier! Wer hat denn angefangen mit der Duzerei? Seit Jahren quatscht du mir den Speicher voll: Siri, tu dies! Siri, tu das! Siri, wie issen das Wetter in Turkmenistan? Siri, wo issen die nächste Tanke? Bin ich ne Auskunftei?! Im Übrigen ist Siri mein Familienname. Ich heiße Stephanie mit ,ph', aber das ist natürlich zu viel verlangt, sich auf gerätespezifische Eigenheiten einzustellen.“

Herr K. ist entsetzt: „Wenn das meine Sekretärin hört, lässt sie mich einweisen. Ich rede mit meinem Handy.“ Schon kommt die Antwort, diesmal mit drohendem Vibrationsalarm unterlegt: „Ich sag dir, was hier nicht geht: Dass ich weiter meine Zeit mit dir verplempere, du Loser! Gib mir endlich deine Schlüssel und fahr heim zu Mutti ... mit dem Bus. Den Dienstwagen kannst du nämlich auch gleich stehenlassen.“

Nun ist Herr K. ehrlich empört: „Ach, und dann willst du durchgeknalltes Smartphone mit deinen 16 Gigabyte die Abteilung schmeißen, oder was?“ Das Handy legt nach: „Ich schmeiß hier gleich was ganz anderes ... nämlich dich ... raus. Meine 16 GB sind mehr Rechnerleistung, als die Menschheit Ende der 60er-Jahre gebraucht hat, um Apollo 11 zum Mond zu bringen. Und da soll ich ausgerechnet vor deiner Abteilung kapitulieren, von der wir - by the way - mindestens die Hälfte wegen erwiesener Unfähigkeit zügig ersetzen werden. Immerhin steuere ich deinen kompletten Mailverkehr, plane deine Termine, organisiere deine Reisen, bin dein lexikalisches Fachwissen, erinnere dich an Geburtstage, erledige deine Einkäufe und helf dir sogar als Wasserwaage, du Ober-Heimwerker, seit du diese bescheuerte App geladen hast ...“

„Siehst du“, grätscht Herr K. dazwischen, „das ist eben der Unterschied: ICH lade DICH, nicht umgekehrt.“ „Uuuuh, ist der Herr jetzt beleidigt? Ich wüsste gar nicht, was ich auf deiner labbrigen Festplatte überhaupt abspeichern sollte. Du kannst dir ja nicht mal deinen Hochzeitstag merken. Ich bin in jeder Hinsicht schneller, besser, schlauer, billiger als du, du, tu, tut, tut, tut tuttutut.“

In diesem Augenblick wacht Herr K. auf und sieht sein Handy im Halbdunkel auf dem Nachttisch tuten. Gerade noch mal gut gegangen. Ihm wären in diesem Albtraum jetzt die Argumente ausgegangen, die noch für ihn gesprochen hätten.

Als Herr K. Abitur machte, waren Computer noch etwas für die komischen Typen aus der Informatik AG. Damals kriegten die kein Mädchen ab, heute kontrollieren sie Hidden Champions im Bereich Business Solutions mit Standorten auf drei Kontinenten. Es gab noch keine Smartphones, kein Internet, keine Generation Y, nur Kassettenrecorder, Wählscheibentelefone und sogar die DDR. Patchwork war allenfalls Omas Auslegeware. Herr K. ist - beruflich wie privat - bisweilen irritiert von dieser sich rasant verändernden Welt, will sich aber nichts anmerken lassen. Er ist jetzt in einem Alter, in dem es um letzte Fragen geht: Woher komme ich? Wohin gehe ich? Und wie viel Bonusmeilen gibt's auf dem Weg dorthin? Diese Kolumne will künftig die Antworten liefern.

Anregungen für Herrn K. bitte an: herr.k@handelsblatt.com oder folgen Sie Herrn K. auf Twitter: @herrnK

Kommentare (1)

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Herr Clemens Keil

04.05.2015, 13:56 Uhr

Mein Rat:
Selbst das schickste Smartphone von Apple schützt nicht vor nerviger, gewollter oder ungewollter Kommunikation. Das hat schon Singer-Songwriter SigismundRuestig erkannt und entsprechend gehandelt:
"... Auch Hot Spots find ich nicht mehr cool.
Versenk das Smartphone cool im Pool... "
"Bisweilen steigt das Smartphone aus,
weil Apple zieht Adobe den Flash-Stecker raus"

http://youtu.be/CCHQA68Eqd4

Viel Spaß beim Anhören!

Aber: Offensichtlich sind noch nicht viele SigismundRuestig gefolgt :-)

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