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12.02.2016

16:29 Uhr

Der moderne Mann

Weshalb man „Bachelor“ schauen darf

VonHerr K.

„Der Bachelor“ und „Germanys Next Topmodel“ – zwei Sendungen, die Herrn K. so gar nicht interessieren. Er findet sie sogar frauenverachtend. Seine Familie ist da ganz anderer Meinung und erteilt ihm prompt eine Lektion.

Herr K. schreibt auf Handelsblatt Online über den Alltag des modernen Manns. Anregungen bitte an:  herr.k@handelsblatt.com

Herr K. – der moderne Mann

Herr K. schreibt auf Handelsblatt Online über den Alltag des modernen Manns. Anregungen bitte an: herr.k@handelsblatt.com

Eigentlich hält sich Herr K. für einen Frauenversteher. Er hilft ebenso gern in Mäntel wie mit Argumenten für mehr Chancengleichheit. Er hält gern Türen auf und hat bereits an einem Gender-Awareness-Seminar im Bayerischen Wald teilgenommen. Von der Kursleiterin bekam er damals vier von fünf möglichen Smileys auf seinen Abschluss-Aufsatz gestempelt, was seinen Kollegen Koslowski zu der Bemerkung hinriss: "Sie Bällebad-Feminist!"

Aber dann sieht Herr K. seine Frau und seine 16-jährige Tochter abends vor dem Fernseher sitzen, sie schauen "Bachelor", und all sein Verständnis für die gesellschaftspolitischen Belange moderner Frauen zerfällt vor seinem inneren Auge zu Asche.

"Bachelor" - man muss das der Info-Elite der Handelsblatt-LeserInnen vielleicht erst erklären - ist ein TV-Format auf RTL, das über etliche Folgen einer schlichten Spielregel folgt: 20 irgendwie ausgehungert wirkende junge Damen kämpfen um die Gunst eines Mannes, der gut aussehend, erfolgreich und weitgehend alleinstehend ist. Weitgehend, denn der diesjährige Bachelor zum Beispiel hat bereits eine kleine Tochter, woraufhin manchen der paarungsfreudigen Kandidatinnen nicht nur die Gesichtszüge entgleisten.

"Ist das euer Ernst?", will Herr K. von seiner Frau wissen, die nur antwortet: "Wieso, das müsste euch Männern doch gefallen. Hahn im Korb und so!" Dann wollen die beiden bis zur nächsten Werbepause erst mal nicht mehr gestört werden.

Herr K. findet, dass "Bachelor" ein ähnlich altbackenes Frauenbild vermittelt wie "Germany’s Next Topmodel", das unter der bewährten Schreckensherrschaft von Heidi Klum ebenfalls gerade in die nächste Staffel startet. Beide Shows sagen letztlich: Frauen müssen sich klein machen, um Erfolg zu haben. "Und… wär‘ das so weit weg von der Realität?", fragt seine Tochter in die nächste Kosmetikreklame hinein.

"Frauenverachtender geht’s ja wohl nicht", entrüstet sich Herr K. "Die großflächig tätowierte Denise kocht gern. Die Steuerfachangestellte Saskia ist vor allem blond. Und die 23-jährige Bankangestellte Sandra hat den Bachelor bereits im Nahkampf überwältigt. Das sind doch alles billige Trulla-Karikaturen."

"Ja, klar", sagt seine Frau, "aber lustige." Und weil Herr K. ratlos schaut, erklärt sie ihm das jetzt mal: "Die etwas schlaueren Zuschauerinnen genießen diese Show, weil sie sich dabei eben etwas schlauer fühlen können als all die Sandras und Saskias. Und die Doofen identifizieren sich mit den wildgewordenen Friseusen, die hier wenigstens hübsche Kleider tragen dürfen." Seine Tochter flankiert: "Um es in deiner Sprache zu sagen: Win-win." Dann lachen sie beide. Herr K. fragt jetzt lieber nicht, zu welcher Fan-Fraktion sich seine Frau und Tochter zählen.

Er schaut unschlüssig. Vielleicht haben sie ihm gerade wieder eine Lektion erteilt. In der Art: "Entspann dich, man muss sich nicht über jeden Quatsch empören! Manchmal reicht lachen."

Als Herr K. Abitur machte, waren Computer noch etwas für die komischen Typen aus der Informatik AG. Damals kriegten die kein Mädchen ab, heute kontrollieren sie Hidden Champions im Bereich Business Solutions mit Standorten auf drei Kontinenten. Es gab noch keine Smartphones, kein Internet, keine Generation Y, nur Kassettenrecorder, Wählscheibentelefone und sogar die DDR. Patchwork war allenfalls Omas Auslegeware. Herr K. ist - beruflich wie privat - bisweilen irritiert von dieser sich rasant verändernden Welt, will sich aber nichts anmerken lassen. Er ist jetzt in einem Alter, in dem es um letzte Fragen geht: Woher komme ich? Wohin gehe ich? Und wie viel Bonusmeilen gibt's auf dem Weg dorthin? Diese Kolumne will künftig die Antworten liefern. Anregungen für Herrn K. bitte an: herr.k@handelsblatt.com oder folgen Sie Herrn K.auf Twitter: @herrnK

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