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05.04.2015

16:28 Uhr

Der moderne Mann

Wie wird man zum Grillmaster? – Teil 2

Herr K. hat einen neuen Grill. Jetzt will er das Brutschel-Handwerk beim „Grilling Campus“ lernen. Lehrmeister ist ein echter Europameister. Am Ende liegt Herr K. halbnackt am Lagerfeuer. Wie konnte das nur passieren?

Herr K. schreibt auf Handelsblatt Online über den Alltag des modernen Manns. Anregungen bitte an:  herr.k@handelsblatt.com

Herr K. – der moderne Mann

Herr K. schreibt auf Handelsblatt Online über den Alltag des modernen Manns. Anregungen bitte an: herr.k@handelsblatt.com

Die Herren sitzen im Halbkreis und stellen sich vor: „Ja, hallo, ich bin der Heinz-Rüdiger und eher der Fischtyp, suche aber auch Tipps zu Duroc und Angusrind“, sagt Heinz-Rüdiger, der werktags CEO eines von ihm selbst gegründeten Hidden Champions im Bereich Messebau ist.

Schon ist die Reihe an Herrn K., der sich wie in einer Therapiegruppe der anonymen Fleischfetischisten fühlt, aber nun Teil eines fünfstündigen „Grilling Campus“ ist: „Meine Frau hat mir das hier geschenkt, weil wir uns gerade erst einen Genesis S-330 gekauft haben und ich mit 'nem Gasgrill noch keinerlei Ahnung habe und immer Angst hätte, damit einen meteoritengroßen Trichter in die Nachbarschaft zu sprengen.“

Niemand lacht. Ist ja auch keiner der 14 Teilnehmer zum Spaß hier, und natürlich sind es nur Männer. Es gibt offenbar auch reine Frauen-Brutzel-Events. Aber Herr K. kennt keine einzige, die sich wie Heinz-Rüdiger freiwillig in einer mitgebrachten Plastikschürze (Aufschrift: "Hier grillt der Boss") am Wochenende mit dem fachgerechten Ausnehmen und Würzen einer Meeräsche befassen wollte. Er selbst ist ja auch nur hier, weil ihm seine Frau diesen „exklusiven Grillkurs in entspannter Runde“ (99 Euro pro Person) mit sanftem Druck schmackhaft gemacht hat. 

Nun also steht ein echter „Grill-Europameister“ vor ihnen und weiht sie in die Geheimnisse von Bratfett und Garzeiten ein. Wie um alles in der Welt wird man „Grill-Europameister“? Muss man dazu innerhalb einer Stunde ein freilaufendes Damwild reißen, tranchieren und in 500 Seniorenteller verwandeln?

Herr K. hat das vorher gegoogelt und festgestellt, dass man bei den Deutschen Meisterschaften auch in Disziplinen wie „Hohe Rippe mit Beilage“ antreten kann.  Bei Herrn K. würde es allenfalls für „Dicke Lippe ohne Salat“ reichen. Aber er kann sich nicht einmal über den ganzen Quatsch lustig machen in dieser Herrenrunde. 

Früher hieß ein Fachorgan für Männer noch „Playboy“ und beeindruckte mit ... also ... die Interviews sollen toll gewesen sein. Heute heißt das Magazin für angewandte Fleischeslust „Beef“. Es protzt ebenfalls mit einem ausklappbaren Poster, aber darauf sind heute großflächig tätowierte Mitglieder des Regensburger Kochklubs „Gourmet Terror“ zu sehen, die da Vincis Abendmahl nachstellen. Darunter steht: „Nehmt hin, das sind meine Steaks, die ich für euch gegeben habe.“ Das steht da wirklich. 

„Liest hier irgendjemand ,Beef'?“, fragt Herr K., als die Teilnehmer seines Grillkurses am Ende ihr selbst präpariertes Beer Butt Chicken verspeisen (fragen Sie jetzt bitte nicht nach Details). 13 Hände schießen in die Höhe.  Heinz-Rüdiger fragt mit glasigen Augen: „Hast du die Schweineschwanz-Pralinen schon probiert?“ In diesem Augenblick beschließt Herr K., sich sehr zu betrinken. 

Als seine Frau ihn abholt, liegt er halb nackt am Lagerfeuer und lallt was von „Rindvieh in Rotwein“. Aber es sollte noch schlimmer kommen (Fortsetzung nächste Woche).

Als Herr K. Abitur machte, waren Computer noch etwas für die komischen Typen aus der Informatik AG. Damals kriegten die kein Mädchen ab, heute kontrollieren sie Hidden Champions im Bereich Business Solutions mit Standorten auf drei Kontinenten. Es gab noch keine Smartphones, kein Internet, keine Generation Y, nur Kassettenrecorder, Wählscheibentelefone und sogar die DDR. Patchwork war allenfalls Omas Auslegeware. Herr K. ist - beruflich wie privat - bisweilen irritiert von dieser sich rasant verändernden Welt, will sich aber nichts anmerken lassen. Er ist jetzt in einem Alter, in dem es um letzte Fragen geht: Woher komme ich? Wohin gehe ich? Und wie viel Bonusmeilen gibt's auf dem Weg dorthin? Diese Kolumne will künftig die Antworten liefern.

Anregungen für Herrn K. bitte an: herr.k@handelsblatt.com oder folgen Sie Herrn K. auf Twitter: @herrnK

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