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08.03.2004

06:54 Uhr

Der Stahlbaron Alexej Mordaschow kauft sich inzwischen sogar in den USA ein

Putins gelehriger Bisnesmen

VonMathias Brüggmann

Die Zeiten des blutroten Schnees sind vorbei. Zu Sowjetzeiten war die Stadt Tscherepowez eine der schmutzigsten des Riesenreichs. Seit jedoch das örtliche Stahlkombinat privatisiert und mit rund einer Milliarde Dollar modernisiert wurde, ist winters der Schnee nur noch grau; wie in allen Städten zwischen Petersburg und der Pazifikküste.

MOSKAU. Verantwortlich für diesen Fortschritt zeichnet Alexej Mordaschow, den sie in Russland schon einen „guten“ Oligarchen nennen. Vor allem ist der hoch gewachsene Mann mit der akkurat weggefönten Elvistolle ein Musterschüler: Schulabschluss mit lauter Einsern, Lenin- Stipendiat an der Hochschule, Komsomol-Aktivist, einer, der sich selbst im Nachhinein „einen korrekten Jungen“ nennt. Heute, im Reich des Kreml-Herrschers Putin, ist er Vorzeigeunternehmer. Einer ganz nach dem Geschmack des Staatschefs, der von seinen „Bisnesmeny“ mehr soziale Verantwortung, volle Steuerzahlung und vor allem politische Unterordnung verlangt.

Und so sagt der Chef des zweitgrößten russischen Stahlkonzerns Sätze wie: „Ohne Kontakt zur Politik geht es zwar nicht.“ Aber: „Geschäftsleute sollen sie nicht dominieren.“ Dabei spricht der „Putin- Oligarch“, wie ihn das Moskauer Magazin „Profil“ nennt, so schnell, dass er ganze Worte verschluckt. Im Denken ist er immer schon eine Ecke weiter.

Vor allem aber provoziert der aus kleinen Verhältnissen in Tscherepowez stammende Manager weder die Kremlführung noch das verarmte Volk, indem er seinen Reichtum zur Schau stellt – im Gegensatz zu vielen seiner Milliardärskollegen. Zu tief sitzt dafür die Erinnerung an die Kindheit im russischen Norden: „400 Gramm Wurst und 200 Gramm Butter pro Kopf und Monat – das war die ganze Freude. Meine erste Jeans bekam ich in der 9. Klasse und habe sie sehr lange geschont.“ Der heute in dunkelblauen Nadelstreifen Gehüllte sagt das weder mit Sozialromantik noch mit Arroganz. Immerhin hat der Fan russischer Banja-Schwitzbäder große Teile der reichlich sprudelnden Gewinne in sein Severstal-Werk reinvestiert. Das heißt schon etwas, stieg doch der Gruppenumsatz im vorigen Jahr um 36,2 Prozent auf 3,8 Milliarden Dollar, der Vorsteuerprofit sogar um 76,4 Prozent auf 995 Millionen.

Mordaschow demonstriert soziale Wärme, statt in Tscherepowez alle Sozialobjekte des Kombinats zu verkaufen, finanziert er Kulturpaläste, Werkswohnungen und ein Erstliga-Eishockeyteam weiter, ganz wie einst das Kombinat. Das alles lässt das Putin-Russland gnädig darüber hinwegsehen, dass Mordaschow mit einem geschätzten Privatvermögen von 3,5 Milliarden Dollar nach der jüngsten Milliardärserhebung der Zeitschrift „Forbes“ der siebtreichste Russe ist.

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