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30.11.2012

09:13 Uhr

Der Werber-Rat

Alles wiederholt sich

VonUli Mayer-Johanssen

Soziale Medien haben die Kommunikation revolutioniert. Aber viele Unternehmen machen die gleichen Fehler wie bei der Printwerbung und setzen leichtfertig ihre Glaubwürdigkeit aufs Spiel.

Bei Produktbeurteilungen, die Konsumenten Orientierung geben sollen, gelten mittlerweile laut Expertenmeinung 20 bis 30 Prozent als gefälscht. AFP

Bei Produktbeurteilungen, die Konsumenten Orientierung geben sollen, gelten mittlerweile laut Expertenmeinung 20 bis 30 Prozent als gefälscht.

Mit dem Siegeszug der Neuen Medien wurden Unternehmen völlig neue Instrumente an die Hand gegeben, um mit Kunden zu kommunizieren. Sinnvoll genutzt haben dies bislang allerdings nur wenige. Das Handelsblatt kritisierte vor kurzem, dass Unternehmen online vor allem tricksen und bluffen. 640.000 Milliarden Euro werden mittlerweile im Internet umgesetzt. Allein 25 Millionen Deutsche sind bei Facebook aktiv. 80 Prozent der Verbraucher informieren sich online vor einem Kauf.

Kein Wunder, dass die Anzahl der Freunde und „Like“-Klicks auf Facebook zur echten Währung wurde. Leider führte das bei vielen Unternehmen zu einer Entwicklung, die langfristig mehr schadet als hilft. Und so ist es mittlerweile kein Geheimnis mehr: Freunde oder Twitter-Follower werden gekauft und Klickraten künstlich nach oben getrieben. Bei Produktbeurteilungen, die Konsumenten Orientierung geben sollen, gelten mittlerweile laut Expertenmeinung 20 bis 30 Prozent als gefälscht.

Uli Mayer-Johanssen ist Gründerin und Chefin der Markenagentur Meta-Design in Berlin.

Uli Mayer-Johanssen ist Gründerin und Chefin der Markenagentur Meta-Design in Berlin.

Diese Entwicklung hat fatale Folgen, denn die ohnehin werbekritischen Verbraucher misstrauen dem Internet zunehmend. Die ungebremste Gier nach Quantität produziert zwar beeindruckende Fanzahlen, aber keine überzeugten Markenfans. Wiederholt sich im Internet, was wir offline längst hinter uns geglaubt haben?

Der Aufstieg etwa von Youtube-Stars wie „Daaruum“ oder „Herr Tutorial“ ist nicht verwunderlich, denn sie geben glaubwürdig und authentisch ihre Meinung zu Produkten ab. Content ist King und das kommt gerade bei jungen Konsumenten gut an.

Ein anderes Internetphänomen ist der Ex-Schalke-Fußballer Hans Sarpei, dem auf Facebook 264.000 Fans folgen. Von ihm können Unternehmen - was Social Media angeht -nur lernen. Sarpei schafft es immer wieder mit verblüffend selbstironischen und authentischen Kommentaren, seine Fans in Dialoge zu verwickeln. Karstadt kaufte Sarpei prompt als Berater ein.

In den USA ist Content-Marketing längst Standard, in Deutschland müssen Unternehmen schnell umschalten, wenn sie ihre Marken nicht nachhaltig durch falsche Internetstrategien beschädigen wollen, denn Lügen haben kurze Beine, auch im digitalen Zeitalter.

Die Autorin:

Uli Mayer-Johanssen ist Gründerin und Chefin der Markenagentur Meta-Design in Berlin. Sie ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

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