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25.07.2014

19:42 Uhr

Der Werber-Rat

Als positives Beispiel vorangehen

VonRaphael Brinkert

Es braucht keine Ad-hoc-Äußerungen wie „Keine WM in Russland und Katar“ seitens der Politik. Wer die Menschenrechte nicht anerkennt, darf kein Austragungsort der Fußball-WM sein.

Ballübergabe: Fifa-Präsident Sepp Blatter (l.) und Russlands Präsident Wladimir Putin stimmten zum Endspiel der Fußball-WM in Brasilien die Welt schon auf das nächste WM-Spektakel 2018 in Russland ein. Doch Kritiker stellen das nun in Frage. dpa

Ballübergabe: Fifa-Präsident Sepp Blatter (l.) und Russlands Präsident Wladimir Putin stimmten zum Endspiel der Fußball-WM in Brasilien die Welt schon auf das nächste WM-Spektakel 2018 in Russland ein. Doch Kritiker stellen das nun in Frage.

Korruptionsvorwürfe, potenzielle Unruhen, lokale Arbeits- und Klimabedingungen – kaum ist der Schlusspfiff in Brasilien erfolgt, fordern einige deutsche Politiker bereits die Überprüfung der Vergabe der Fußball-WM nach Russland 2018. Gleiches gilt bereits seit Monaten für Katar 2022, wenn auch mit unterschiedlicher Argumentation.

Während vier Jahre vor dem Anstoß in Russland die Begründung von der aktuellen Tragödie um den Abschuss von Flug MH17 und den politischen Folgen überschattet wird, führen Gegner von Katar Korruptionsvorwürfe bei der Vergabe, Arbeits- und Klimabedingungen vor Ort sowie den Umgang mit Homosexualität an. Kritik, wie es sie bereits ähnlich bei den Winterspielen von Sotschi 2012 sowie der Fußball-WM in Brasilien gab. Allen Unkenrufen zum Trotz waren beide Veranstaltungen für Sportler, Sponsoren, Besucher und Fans perfekt organisiert und umgesetzt. Und auf den Punkt fertig gebaut, was man von vielen deutschen Großprojekten nicht behaupten kann.

Raphael Brinkert ist Mitinhaber der Agentur Jung von Matt/Sports.

Raphael Brinkert ist Mitinhaber der Agentur Jung von Matt/Sports.

Sind wir also berechtigt, uns als Gegner von ausländischen Austragungsorten sportlicher Großveranstaltungen aufzustellen, nur weil die Lebensgewohnheiten in 209 Fifa-Mitgliedstaaten und 204 IOC Olympiamannschaften auf der ganzen Welt nicht zwangsläufig mit denen von 80 Millionen Bürgern in Deutschland vereinbar sind? Ein Land, in dem sich noch kein aktiver National- oder Bundesligaspieler getraut hat, sich öffentlich zu seiner Homosexualität zu bekennen?

Als Gesellschaft sollten gerade wir die Menschenrechte der Vereinten Nationen vorleben und tagtäglich als positives Beispiel vorangehen. Mit Einsicht, Verständnis und Nachsicht – für uns, also auch für andere Länder und Kulturen. Beim Sport, aber auch bei allen anderen Unternehmungen. Seitens der Politik sollten wir dagegen keine Ad-hoc-Äußerungen wie „Keine WM in Russland und Katar“ bekommen, sondern die konkrete Umsetzung der Integration der Menschenrechte, dem größten gemeinsamen Nenner der Vereinten Nationen, als elementaren Bestandteil der Vergaberichtlinien sportlicher Großveranstaltungen einfordern. Das heißt: Wer die Menschenrechte nicht anerkennt, wird zukünftig kein Austragungsort der Olympischen Spiele oder der WM.

Der Autor:
Raphael Brinkert ist Mitinhaber der Agentur Jung von Matt/Sports. Er ist einer von sechs Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

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