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22.10.2012

11:28 Uhr

Der Werber-Rat

Apokalyptiker haben Hochkonjunktur

VonBodo Hombach

In der Krise mangelt es nicht an Schwarzsehern und Besserwissern. Doch reden ohne zu handeln, bringt wenig. Bodo Hombach schreibt, warum man erst den Fuß auf der Bremse haben muss.

„Die Energiewende droht am Hupkonzert der Untergangspropheten zu scheitern“, warnt Bodo Hombach. dpa

„Die Energiewende droht am Hupkonzert der Untergangspropheten zu scheitern“, warnt Bodo Hombach.

„Den Unbedenklichen, die niemals zweifeln / begegnen die Bedenklichen, die niemals handeln. / Sie zweifeln nicht, um zur Entscheidung zu kommen, sondern / um der Entscheidung auszuweichen. Ihre Köpfe / benützen sie nur zum Schütteln. Mit besorgter Miene / warnen sie die Insassen sinkender Schiffe vor dem Wasser.“ (Bertolt Brecht)

Mein Fahrlehrer drückte das Gleiche mit anderen Worten aus: „Wenn ich dich einmal dabei erwische, dass du auf die Hupe drückst, ohne vorher den Fuß auf der Bremse zu haben, fliegst du raus.“ Ich war zu verdattert, um ihn sofort zu verstehen. Heute gehört er für mich zu den namenlosen Weisen im Lande.

In der Krise mangelt es nicht an Schwarzsehern und Besserwissern. Apokalyptiker haben Hochkonjunktur. Sie lassen den Finger nicht mehr von der Hupe und geben gleichzeitig Gas. Sie haben alles schon immer gewusst und würden so gerne recht behalten.

Das lassen sie sich einiges kosten, vor allem Zeit und Mühe. Sie besprechen das Problem, anstatt es zu lösen. Sie sind mit der Ankündigung der Katastrophe so sehr ausgelastet, dass sie zu ihrer Verhinderung nichts beitragen können.

Autor Bodo Hombach ist Jurymitglied für die Verleihung des Deutschen Wirtschaftsbuchpreises und Präsident der Bonner Akademie für Forschung und Lehre praktischer Politik.

Autor Bodo Hombach ist Jurymitglied für die Verleihung des Deutschen Wirtschaftsbuchpreises und Präsident der Bonner Akademie für Forschung und Lehre praktischer Politik.

Zurzeit droht die Energiewende am Hupkonzert der Untergangspropheten zu scheitern. Sie fallen aus allen Wolken, dass man den nachhaltig produzierten Strom auch im Lande verteilen muss. Sie rufen Wehe, dass Wind- und Solarstrom teuer ist. Wenn schon einen Paradigmenwechsel, bitteschön zum Nulltarif.

Hupen gehört auch zum Handwerk der Medien. Dort ist es das aufgeregte Schnattern in den Talkshows. Emphatisches Warnen vor dem Asteroiden, der auf die Erde zurast, macht sich besser als Kindern gefahrlos über die Straße zu helfen. Und welch ein Hochgefühl, den faulen Griechen gegen ihre Todesangst den Selbstmord zu verordnen!

Was kann man tun? Wer den gefährdeten Fußgänger wirklich retten will, der hat den Fuß auf der Bremse, bevor er ihn per Hupe warnt. Er will nicht sein Recht behaupten und Sieger bleiben. Er will, dass der Schwächere überlebt. Das könnte eines Tages auch ihm das Leben retten.

Aber auch Bremsen kann gefährlich sein, dann nämlich, wenn man Tempo braucht, um überhaupt noch manövrieren zu können. Die Titanic war verloren, als der Kapitän „Volle Kraft zurück!“ befahl. Das nahm den Druck vom Ruder, ein Ausweichen wurde unmöglich. Besonnen, abwägend und angemessen reagieren ist Tugend, die es gegen Überzeugungstäter und fidele Vereinfacher massiver zu verteidigen gilt.

Der Autor: Bodo Hombach ist Hochschullehrer und ehemaliger WAZ-Chef. Er ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Kommentare (5)

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vandale

22.10.2012, 13:58 Uhr

Es gibt sicherlich einen Unterschied zwischen Schwarzsehen und Schwarzsehen.
Wenn man aus (öko)religiösen Gründen den Strom mit gänzlich ungeeigneten Methoden wie der Verbrennung von Lebensmitteln, Wind und Sonne zu gewinnen sucht, so ist dies eher ein Leugnen der Realität als alles andere.

Es gibt Dinge wo eine kühne Vision zum Desaster führen muss. Man denke an den "Grossen Sprung" des Mao Tse Tung der Millionen Hungertote forderte, oder auch an die Weltkriege die gegen eine enorme zahlenmässige Uebermacht nicht zu gewinnen waren.

Vandale

Radiputz

22.10.2012, 14:16 Uhr

Ein etwas lahmer Kommentar, klingt wie Rufen im finstern Wald, die Orientierung ist verloren aber marschiert wird, wohin auch immer und sei es weglos durchs Unterholz ins die Mergelgrube.
Spaß beiseite, diejenigen die Entscheidungen treffen, so oder so, sind wenige, die davon betroffen sind, aber nicht entscheiden können, weil sie nicht die entsprechenden Positionen haben, sind viele.
Sollen die vielen "das Maul halten", einfach schweigen und wider eigenes bessere Wisssen, die Entscheider einfach fahren lassen ohne halt zu rufen, auf die Bremse zu treten und zu hupen? Ich glaube nein.
Übrigens die Metapher vom Fahrschüler und vom Fahrlehrer ist gar nicht so schlecht. Der Fahrschüler kann hupen und der Fahrlehrer auf die Bremse treten, denn er hat neben dem Fahrschüler noch eine eigene, die er, wenn Gefahr im Verzug ist, auch betätigen muß, wenn er ein guter Fahrlehrer ist.

Account gelöscht!

22.10.2012, 14:25 Uhr

Die Amerikaner wuerden sagen.Right on
Ich folge seit meinem kurzen Aufenthalt in der Republik ein wenig den Kommentaren.
Dort sind natuerlich die Professionellen Spaet 68er vertreten,die an den US kein gutes Haar lassen.
Der Untergang dieses Landes wird in der nahen Zukunft prophezeit.Was das bedeutet wissen die wenigsten.
Die gruenen Gurus leben in einer Traumwelt.
Die Bedenkentraeger wollen alles nur keine Aenderung.
Die Welt aendert sich aber.
Falls es noch nicht bemerkt wurde
Internet
Soziale Netzwerke
Erneuerbare Energien
Megacities
Sind auf dem Vormarsch.
Diese Aenderungen sind zu akzeptieren und zu verarbeiten.
Wer es nicht macht faellt einfach durch den Rost.
Die Jungen haben das schon bemerkt.
Stagnation ist der Rueckschritt.

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