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14.10.2013

19:43 Uhr

Der Werber-Rat

Auf den Schreck erst mal eine rauchen...

VonInes Imdahl

Abschreckende Bilder auf Zigarettenpackungen sollen bald dafür sorgen, dass aus Rauchern Nichtraucher werden. Doch junge Menschen wird das nicht von Zigaretten fernhalten. Sie wollen sich abgrenzen.

Eine Frau raucht ihre Zigarette: Die Stärke der emotionalen Abschreckung ist nach Auffassung der Gesetzgeber an die Größe und Anzahl unästhetischer Bilder gekoppelt. dpa

Eine Frau raucht ihre Zigarette: Die Stärke der emotionalen Abschreckung ist nach Auffassung der Gesetzgeber an die Größe und Anzahl unästhetischer Bilder gekoppelt.

Seit Jahrhunderten beschäftigen sich Gelehrte damit, wie Menschen bewegt werden können, bestimmte Dinge zu tun oder zu lassen. Platon war der Ansicht, dass Menschen richtig handeln, wenn sie die Wahrheit in vollem Umfang erkannt hätten. Auf das Rauchen bezogen bedeutet das, dass Menschen, die die Schädlichkeit begreifen, quasi automatisch aufhören zu rauchen. Die Aufklärung setzt auf die Vernunft als Urteils- und Entscheidungsgrundlage. Und wo Visionen und Vernunft nicht weiterhelfen, kommen gerne Verbote ins Spiel.

Spätestens seit Freud aber ist klar: Das Handeln der Menschen ist niemals rein kopfgesteuert. Das Unbewusste bestimmt mit. Und die Erkenntnisse zur Neurologie bestätigen Freuds Feststellungen: Wir wissen längst nicht immer, was wir tun.

Ines Imdahl ist Psychologin und Inhaberin der Marktforschungsagentur Rheingold Salon.

Ines Imdahl ist Psychologin und Inhaberin der Marktforschungsagentur Rheingold Salon.

Mit neuen Bestimmungen für Zigarettenpackungen wird nun durch abschreckende Bilder versucht, die Menschen vom Rauchen abzuhalten. Psychologisch gesehen steckt wohl die Auffassung dahinter, viel hilft viel. Viel rationale Aufklärung und viel abschreckende Emotion. Die Menschen sollen lernen, wie gefährlich das Rauchen ist. Die allermeisten wissen das bereits. Sie wissen auch, wie gefährlich Fast Food und Alkohol sind, handeln aber nicht danach.

Die Stärke der emotionalen Abschreckung ist nach Auffassung der Gesetzgeber an die Größe und Anzahl unästhetischer Bilder gekoppelt. Aber lassen sich Menschen durch solche Bilder bewegen? Bereits vor über 20 Jahren gab es Abschreckfilme zum Thema Rauchen in der Schule. Danach gingen die Schüler auf den Schreck erst mal eine rauchen. Zu viel Druck kann bei jungen Menschen ins Gegenteil umschlagen. Sie suchen Abgrenzungen gegenüber Eltern und Staat. Große Antirauchkampagnen bieten ideale Rebellionsflächen. Das, was sehr verboten ist, ist auch attraktiv.

Um Menschen zu bewegen, muss man verstehen, was ihnen am Rauchen Spaß macht. Unbewusst hilft Rauchen, Emotionen abzufackeln, ohne sie anderweitig ausleben zu müssen. Durch angenehme Oraldramaturgien, die an kindliches Saugen und Nuckeln erinnern, liefert es zusätzliche Beruhigungen. Aufklärung und Abschreckung sind schwache Argumente dagegen. Da muss man schon etwas mehr Spaß bieten.

Die Autorin:

Ines Imdahl ist Psychologin sowie Inhaberin und Geschäftsführerin des Rheingold-Salons.

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