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06.06.2013

15:15 Uhr

Der Werber-Rat

Auf zur Partnertherapie!

VonStefan Kolle

Wie in einer Ehe sind manche Beziehungen zwischen Kunden und Agenturen so zerrüttet, dass es am Ende kracht. Ein aktuelles Beispiel ist die Zusammenarbeit von Saturn mit den Werbern von Scholz & Friends.

Scholz & Friends Anzeige für Saturn: Der Horror hat ein Ende. Pressebild

Scholz & Friends Anzeige für Saturn: Der Horror hat ein Ende.

Vergangene Woche sorgte eine Anzeige für Furore in Marketingkreisen. Scholz & Friends verabschiedete sich darin von ihrem Kunden, dem Elektronikriesen Saturn, nach siebenjähriger Zusammenarbeit. Abgebildet waren Horror-Figuren aus den Saturn-Kampagnen der letzten Jahre, Aliens oder der Monsterrocker Alice Cooper, darüber die doppeldeutige Zeile „Der Horror hat ein Ende“.

Nun sind die Kollegen von Scholz & Friends durchweg integre, seriöse Menschen, die Agentur selbst eine der besten des Landes. Dass die Agentur am Ende dieser Kundenbeziehung offenbar kein anderes Ventil mehr findet, als auf - immerhin intelligente - Art nachzutreten, stimmt nachdenklich. Wie zerrüttet muss eine Beziehung sein, dass es so weit kommt?

Stefan Kolle ist Geschäftsführer der Agentur Kolle Rebbe.

Stefan Kolle ist Geschäftsführer der Agentur Kolle Rebbe.

Hat der Kunde hinter dem Rücken von Scholz & Friends schon die neue Agentur beschäftigt? So wenig, wie man als Kunde von seiner Ex-Agentur einen bösen Abschiedsgruß bekommen möchte, so wenig möchte man als Agentur so von seinem Kunden behandelt werden.

Auch wir haben das schale Gefühl einer subjektiv ungerechten Trennung schon erlebt. Von Abschiedsanzeigen haben wir jedoch immer abgesehen. Ein bisschen ist das wie eine Twitter-Meldung nach einer Ehekrise - wahrscheinlich befreiend, aber eigentlich eher privat. Demi Moore und Ashton Kutcher können das machen. Als Agentur setzt man sich aber dem Ruf aus, ein nicht kontrollierbarer Dienstleister zu sein.

Interessant ist, dass Scholz & Friends in Blogs und Foren viel Zustimmung bekam. Tenor: „Endlich traut sich mal einer.“ Das zeigt, dass ausgerechnet in der Kommunikationsbranche Sprachlosigkeit ein Problem zu sein scheint. Offenbar kennen viele das Gefühl der Ohnmacht dem Kunden gegenüber. Umgekehrt gibt es viele Kunden, die glauben, von ihrer Agentur nicht richtig verstanden zu werden. Die große Frage ist, warum wir nicht in der Lage sind, solche Probleme zu lösen, bevor sie eskalieren. In der Beziehung untereinander müssen viele wohl erst noch lernen, sich richtig auszudrücken.

Der Autor ist einer von fünf Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Der Autor:

Stefan Kolle ist Geschäftsführer Kreation der Agentur Kolle Rebbe in Hamburg. Er ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

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