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01.06.2015

20:30 Uhr

Der Werber-Rat

Aus Freude am Grüßen

Es ist jedes Jahr immer wieder spannend, wer zum Geburtstag gratuliert – und über vor allem welchen Kanal: Facebook, SMS, WhatsApp, Anruf, E-Mail oder Brief? Hier ein paar Vorschläge fürs digitale Zeitalter.

Im Netz gratuliert man viel schneller als im analogen Leben. Reuters

Glückwünsche über Facebook

Im Netz gratuliert man viel schneller als im analogen Leben.

Am heutigen Montag hat Heidi Klum Geburtstag. Ihre Fans werden sie auf ihrer Facebook-Seite mit Glückwünschen überhäufen. Im Netz gratuliert man schneller als im analogen Leben. Es ist jedes Jahr spannend, wer über welchen Kanal zum Geburtstag gratuliert. Letztes Jahr gratulierte mir mein Bruder über Facebook zum Geburtstag. Das war’s. Der erwartete Anruf kam nicht. Meine Enttäuschung war groß. Gewiss: Die anderen Einträge auf der Facebook-Pinnwand freuten mich und wurden sogar mit „Gefällt mir“ belohnt. Aber warum macht es einen Unterschied?

Weil jeder Kanal sich anders anfühlt. Das ist eigentlich absurd. Denn oft nutzen wir das gleiche Endgerät, um Nachrichten abzurufen oder auf diesen Geburtstagsgrüße zu versenden. Die Gratulation eines Geschäftspartners über Xing freut einen. Aber wenn der beste Freund nur über Xing gratuliert, wird er als treulos oder zumindest stillos eingestuft. Denn jeder weiß, der Xing-Reminder hat ihn erinnert. Die SMS oder WhatsApp-Nachricht des besten Freundes ist wiederum ok.

Franziska von Lewinski ist Vorstand der Agentur Fischer-Appelt.

Franziska von Lewinski

Franziska von Lewinski ist Vorstand der Agentur Fischer-Appelt.

Ganz weit oben im Medien-Knigge rangiert die persönliche Kommunikation. Also in jeden Fall zum Hörer greifen? Selbst wenn man nicht durchkommt oder besetzt ist – ein „verpasster Anruf“ dokumentiert den Versuch.

Was ist richtig, was ist falsch? Einen Knigge zur richtigen Nutzung des Smartphones und Benimmregeln für den Umgang mit E-Mails gibt es schon. Was fehlt, ist ein Kompendium darüber, wie man digital gratuliert.

Wir müssen erspüren, was angebracht ist. Gleiches gilt für Markenkommunikation. Wenn man einen Geburtstagsgruß per Newsletter bekommt, gespickt mit einem Gutschein, freut man sich. Aber möchte man eine SMS bekommen? Marken sollten noch viel kreativere Ideen des Glückwünschens nutzen. Warum nicht als Finanzinstitut einen Glücks-Euro auf das Konto überweisen mit Verwendungszweck „Alles Gute zum Geburtstag“. Oder für Bahncard-Inhaber einen Fünf-Euro-Gutschein für das Bordbistro?

Heute mache ich den Test: Wird mir jemand über Twitter gratulieren? Das ist noch nie passiert. Bei den Gratulationen auf Facebook schaue ich genau hin, wer sich meldet. Und am wichtigsten: Wird mein Bruder diesmal anrufen?

Die Autorin: Franziska von Lewinski ist Vorstand der Agentur Fischer-Appelt. Sie ist eine von sechs Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

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