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07.12.2015

11:53 Uhr

Der Werber-Rat

Bahnfahren auf dem Trittbrett

VonFranziska von Lewinski

Der Edeka-Spot mit dem einsamen Großvater sorgte für Zwiespalt im Netz. Nun schickt die Deutsche Bahn den Opa auf eine Reise. Dass den Erfolg auch andere Firmen nutzen, ist eine Begleiterscheinung in der Werbebranche.

Die Deutsche Bahn reagiert auf den Spot und bietet dem Opa eine Alternative an. dpa

Weihnachtswerbung mit einsamen Rentner wird zum Internethit

Die Deutsche Bahn reagiert auf den Spot und bietet dem Opa eine Alternative an.

„Lieber Opa, warte nicht, bis sie zu dir kommen.“ Mit dieser Headline springt die Deutsche Bahn gekonnt auf den aktuellen Edeka-Weihnachtsspot auf, in dem ein Opa an Weihnachten vergeblich auf seine Familie wartet. Dort greift er zum letzten Mittel und täuscht seine eigene Beerdigung vor. Alle kommen, und es wird ein harmonisches Weihnachtsessen im Kreis der Familie.

Franziska von Lewinski ist Vorstand der Agentur Fischer-Appelt.

Franziska von Lewinski

Franziska von Lewinski ist Vorstand der Agentur Fischer-Appelt.

Die Deutsche Bahn empfiehlt dem Großvater die andere Fahrtrichtung, um seine Familie zu treffen. Und erzählt damit die Werbestory aus Sicht eines anderen Unternehmens weiter.

Auch die Medien machen mit und porträtieren beispielsweise den Darsteller aus dem Edeka-Spot, einen 83-jährigen Briten.

Für mich ist das der beste Beweis, dass Werbung mit Relevanz, Timing und Emotion in der Lage ist, Diskurse anzuregen. Das Trittbrettfahren zu Echtzeit-Anlässen oder Weiterspinnen anderer Kampagnen zog sich 2015 wie ein roter Faden durch die Werbelandschaft. Egal ob Valentinstag, Sportereignis, Medienversprecher oder Promi-Fauxpas. Alles, was bei drei nicht auf dem Baum war, fand seine Fortsetzung auf Facebook, Twitter Co. Die Keksmarke Oreo und Sixt liefern das Vorbild.

Bei der Bahn und Edeka trifft jedoch Meister auf Meister. Denn oft ist das Aufspringen eher plump und beliebig. Die Deutsche Bahn hingegen veröffentlicht ihren Opa-Beitrag kurz vor Feierabend auf Facebook und Twitter.

Knapp, auf den Punkt und visuell klar erkennbar, sitzt der Edeka-Opa im Bordrestaurant und fährt zu seiner Familie. Zum Sparpreis natürlich, der unter dem Bild verlinkt ist. So viel Augenzwinkern und Tempo - Hut ab, Deutsche Bahn! Jetzt fehlt nur noch das gemeinsame Weihnachtsbraten-Angebot in allen ICEs in Kooperation mit Edeka, gekocht nach Opas Rezept natürlich. Ich bin gespannt, wie Trittbrettfahren in der Werbung im nächsten Jahr aussieht. Guten Appetit!

Die Autorin: Franziska von Lewinski ist Vorstand der Agentur Fischer-Appelt. Sie ist eine von sechs Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

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