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04.07.2013

07:10 Uhr

Der Werber-Rat

Bedroht Konsumverzicht die Werber-Existenz?

VonStefan Kolle

Konsumverzicht rettet die Umwelt und macht glücklich, sagen seine Verfechter. Was aber sagt der Werbefachmann? Wie passen eigentlich Konsumdesinteresse und Werbung zusammen?

Ist es nicht cooler, Dinge nicht zu besitzen? Car-Sharing Angebote boomen derzeit. Reuters

Ist es nicht cooler, Dinge nicht zu besitzen? Car-Sharing Angebote boomen derzeit.

Vor einiger Zeit sagte ein Experte im ZDF, globale Umweltprobleme ließen sich nicht durch grüne Technologie allein beseitigen. Denn auch grüne Technologie führe zu Wachstum, und Wachstum erhöhe den Verbrauch von Ressourcen, ganz gleich, wie grün er sei. Die Lösung führe nur über Konsumverzicht.

Andere führen das Thema ins Feld, wenn es um ein glücklicheres Leben geht. In den Buchhandlungen findet man immer mehr Werke, die verraten, wie man mit weniger Kram glücklicher wird. Konsumverzicht, so scheint es, entwickelt sich zum In-Thema.

Die Menschen stellen sich zunehmend die Sinnfrage. Brauchen wir immer mehr von allem? Dürfen wir Dinge kaufen, unter deren Produktion Menschen leiden? Ist es nicht cooler, Dinge nicht zu besitzen? Es gibt Beispiele, die zeigen, dass es auch anders geht. So floriert die Shared Economy: Car- und Bike-Sharing boomen, Online-Tauschbörsen wachsen. Wer sich fragt, ob er wirklich jedes Jahr ein neues Handy braucht, kann sich ein fair produziertes Smartphone – ein sogenanntes Fairphone – kaufen.

Stefan Kolle ist Geschäftsführer der Agentur Kolle Rebbe.

Stefan Kolle ist Geschäftsführer der Agentur Kolle Rebbe.

Nun klingt Konsumverzicht in den Ohren von Werbeleuten ein wenig unangenehm. Wenn der Konsument dankend verzichtet, was wird dann aus ihnen? Tatsächlich ist die Entwicklung jedoch nicht nur eine Herausforderung, sondern auch eine Chance. Je mehr sich die Prioritäten der Verbraucher von „Hauptsache billig” zu „Hauptsache gut” verschieben und je mehr sie unterscheiden zwischen dem, was sie wollen, und dem, was sie brauchen, desto größer die Chancen für Boutique-Brands, die handwerklich hervorragend gefertigte, haltbare Dinge herstellen. Vom Fairphone bis zu italienischen Modedesignern, die sich zur sogenannten Slow-Wear-Philosophie bekennen.

Sie alle leben und produzieren noch in einer Nische. Wir Werbeleute können dazu beitragen, dass sie mehr Beachtung finden. Ohne Kommunikation wird es keinen nachhaltigen Konsum geben. Wer heute beginnt, sich auch aus kommunikativer Sicht mit dem Thema des Konsumverzichts zu beschäftigen, wird am Ende die Nase vorn haben. Selbst wenn er sich zur Zeit noch als realitätsferner Träumer belächeln lassen muss. Das ging den Umweltschützern vor 30 Jahren auch nicht anders.

Der Autor:

Stefan Kolle ist Geschäftsführer Kreation der Agentur Kolle Rebbe in Hamburg. Er ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Kommentare (5)

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Justizius

04.07.2013, 09:28 Uhr

Die krank- und krampfhafte Konsummentalität auf dieser Welt führt ja nur zum Verbrauch unserer Natur. Ob die Leute es brauchen oder nicht; es wird gekauft, hingelegt, vergessen und weggeschmissen.

Dafür ist mir unsere Umwelt zu schade.

Der Artikel spricht ein Thema an, welches schon viel öfter hätte thematisiert werden müssen, nämlich, dass sich um die eigentliche Leistungserstellung in Produktions- und Dienstleistungsunternehmen eine Scharr von externen Dienstleistern (WP-Berater, Steuerberater, Werbeagenturen, Rechtsanwälte etc.) tummelt, die ansonsten nichts zu tun hätte. Also fast völlig überflüssig ist.

Die Kosten dieser teuren Dienstleistungen belasten auch in hohem Maße die Kalkulationen der Unternehmen und müssen von den Konsumenten mitbezahlt werden.

In diesem Land wird also Arbeit künstlich geschaffen. Ansonsten wäre die Arbeitlosenzahl schon bei weit über 20 Mio. Erwerbspersonen.

Gast

04.07.2013, 09:30 Uhr

Ja Konsumverzicht ist genau das, was den ganzen arbeitslose Jugendlichen in Südeuropa helfen wird.
Vielleicht sollte der Autor in Griechenland oder Spanien die unter 30 Jährigen arbeitslosen mal fragen ob es nicht "cooler" ist Dinge nicht zu besitzen? Vielleicht sollte man auch fragen wie glücklich die dort alle sind. Die müssten ja ziemlich glücklich sein nach der Theorie. Man muss wirklich schon alles haben und keine Sorgen kennen um sich solche Fragen zu stellen.

Account gelöscht!

04.07.2013, 09:53 Uhr

Sorry, aber welche Konsumgüter werden denn in Griechenland produziert?

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