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22.07.2015

20:51 Uhr

Der Werber-Rat

Beobachtung aus dem Weltall

VonTorben Bo Hansen

Von Toastscheiben mit Jesus-Antlitz bis hin zu Herzen auf dem Pluto – wenn Menschen versuchen, Beobachtungen einen Sinn zu geben, ist das Ergebnis manchmal absurd. Für die Kommunikation ist das eine wichtige Erkenntnis.

Ein Herz und eine Burg? Beobachter erkennen teils seltsame Dinge auf der Oberfläche des Pluto. ap

Der Pluto

Ein Herz und eine Burg? Beobachter erkennen teils seltsame Dinge auf der Oberfläche des Pluto.

Als Wissenschaftler Fotos der aktuellen Pluto-Mission veröffentlichten, war es wieder zu beobachten: das Phänomen „Sinn-Zuschreibung“. Kaum waren erste Bilder des Zwergplaneten im Umlauf, wurde auch schon wild über die Bedeutung des „Herzens“ und der „Burg“ spekuliert. Ersteres eine Eis-Ebene, deren Umriss eine unvollständige Herzform erahnen lässt, und das zweite eine – vermutlich – eingesackte Bergspitze, die vage an die Gestalt einer Burg mit Burggraben erinnert; beide befeuern Fantasie und Forendiskussionen weltweit.

Frei nach Paul Watzlawick gilt nicht nur für Menschen, sondern auch für Planeten und sonstige Himmelskörper: Sie können nicht nicht kommunizieren. Natürlich kennt man es vom Rorschachtest und Bleigießen, dass allen möglichen und unmöglichen Formen Bedeutungen zugeschrieben werden. Aber da ist man immerhin auch gefordert, eine Interpretation abzugeben.

Dass Menschen diese Aufforderung gar nicht brauchen, sondern schlicht ihrer Natur folgen, wenn sie versuchen, Beobachtungen einen Sinn zu geben, zeigen ja regelmäßig auch die absurdesten Erscheinungen. Von Toastscheiben mit dem vermeintlichen Abbild der Jungfrau Maria bis zum Antlitz von Showstars auf schimmelnden Käsescheiben. Laut Forrest Gump soll ja der Smiley als Matschabdruck auf einem T-Shirt entstanden sein.

Torben Bo Hansen ist Mitinhaber der Agentur Philipp und Keuntje.

Der Autor

Torben Bo Hansen ist Mitinhaber der Agentur Philipp und Keuntje.

Beachtenswert ist das, weil es uns Kommunikatoren daran erinnert, dass sich ein Teil der Interpretation immer unserem Einfluss entzieht. Was wir gestalten – vom Produkt, über Packungsdesign bis hin zur Werbung oder dem Callcenter, beziehungsweise Service-Kontakt – vermittelt immer auch etwas, das wir nicht so gezielt steuern können. Die Bedeutung liegt im Auge des Betrachters. Das ist nicht schlimm, wenn uns nur bewusst ist: Die Menschen verstehen immer, was wir kommunizieren – nur oft nicht so, wie es gemeint war. Das ist nicht nur auf dem Pluto so.

Der Autor: Torben Bo Hansen ist Mitinhaber der Agentur Philipp und Keuntje. Er ist einer von sechs Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

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