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16.12.2014

08:31 Uhr

Der Werber-Rat

Botschafter aus Papier

VonArmin Jochum

Im Internet kann man inzwischen fast alles kaufen, aber meist nur Standardware. Echtes Kunsthandwerk gibt es nur offline: Mit Kreativität und Ehrgefühl wird sogar eine kleine Visitenkarte zum großen Markenbotschafter.

Mit schlauem Einsatz von Farbe, Schrift und Papier können Visitenkarten zum Markenbotschafter werden. dpa

Mit schlauem Einsatz von Farbe, Schrift und Papier können Visitenkarten zum Markenbotschafter werden.

Ich fand, es wäre mal wieder höchste Zeit für eine vorweihnachtliche Schwärmerei. Unbedingt! Also setzte ich mich in meine Schreibstube unter der Treppe. Aber nicht lange.

„Wenn Du die Visitenkarten nicht rechtzeitig fertig bekommst, bestelle ich sie mir im Internet!“ Mit dieser handfesten Drohung verließ meine Frau das Kleinstbüro. Und ich wusste: Jetzt galt es vor allem, klare Prioritäten zu setzen. „Visitenkarten aus dem Internet“, murmelte ich vor mich hin. Klar. Mittlerweile kommt ja alles aus dem Internet. Natürlich auch Visitenkarten.

Unlängst begegnete mir allerdings ein bemerkenswert kunstvoll gefertigtes Exemplar. Es wurde mir von einem weit in der Welt herumgekommenen, brillanten Wunderknaben überreicht. Henning Müller-Dannhausen ist Werbetexter ohne wirklich festen Wohnsitz. Zuletzt schrieb er für internationale Agenturen in Asien große Autokampagnen. Am Ende unseres Gesprächs überreichte er mir seine Visitenkarte. Ich war begeistert.

Wann hatte ich zuletzt ein Stück Papier erhalten, das auf so wenigen Quadratzentimetern so viel Markenbotschafter war? Da war das Papier: ganz besonders. Die Schrift, in diesem Falle ein Ausdruck der Sprache, kluger Einsatz von Farbe: Die Karte war ringsum an der Kante mit grüner Farbe bedruckt. Wie geht das denn?

Armin Jochum ist Vorstand Kreation und Co-Gründer der Agentur Thjnk.

Armin Jochum ist Vorstand Kreation und Co-Gründer der Agentur Thjnk.

Ich hielt das Kärtchen ein ganze Weile in der Hand: Ich hätte mir keine bessere Zusammenfassung unseres zweistündigen Gesprächs vorstellen können. Die Karten stammen von einer kleinen Berliner Druckerei. Martin Z. Schröder geht seiner Berufung mit größter Leidenschaft nach.

Ein unermüdlicher Kämpfer in Sachen Qualität und letzte Bastion eines heutzutage rar gewordenen Ehr-und Verantwortungsgefühls für einen gesamten Berufsstand. Diese Karten sind nicht nur Botschafter von Werten und Qualitätsanspruch eines global stationierten Kreativen, sie zeigen auch, wie viel man mit schlauem Einsatz von Farbe und Papier bewegen kann.

Natürlich finden Sie den famosen Druck-Handwerker auch im Internet. Und natürlich kann man dort auch allerlei Wunderbares bestellen. Visitenkarten allerdings nur nach persönlichem Werkstattgespräch. Wenn meine Frau das wüsste!

Der Autor:

Armin Jochum ist Vorstand Kreation und Co-Gründer der Agentur Thjnk. Er ist einer von sechs Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

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