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01.04.2016

16:22 Uhr

Der Werber-Rat

Braucht Fußball Demokratie?

Der Montagsspieltag sorgt für Kontroversen bei den Fußball-Fans. Sie monieren die Kommerzialisierung des Sports. Doch daran etwas ändern können sie nicht. Denn Fußball ohne Kommerzialisierung bleibt ein Wunschdenken.

Die Bundesliga ist nicht nur reiner Sport, sondern auch ein Milliardengeschäft. dpa

Kommerzialisierter Fußball

Die Bundesliga ist nicht nur reiner Sport, sondern auch ein Milliardengeschäft.

An der Fanbasis regt sich Widerstand. Die kürzlich veröffentlichten Pakete im Zuge der Vergabe der Medienrechte für die Bundesliga ab der Saison 2017/2018 sorgen für Missstimmung unter den Fußballfans. Eine weitere Zerstückelung des Spielplans ist geplant. Ein Testballon: Am 2. Mai wird mit dem Spiel Werder Bremen gegen den VfB Stuttgart eine heilige Kuh geschlachtet und ein Montagabend-Spiel angepfiffen. Damit geht der Klassenkampf zwischen Kommerz und Kultur in die nächste Runde.

In den kommenden Wochen ist mit Protesten gegen den DFB, die DFL und eigentlich alle zu rechnen. Irgendwer wird schließlich die Verantwortung dafür tragen. Aber: Nicht irgendwer – wir alle entscheiden das. Als Konsumenten, Fans und Mitglieder der Vereine. Wir haben die Macht. So weit die Theorie. Die Praxis zeigt jedoch: Aktive Mitbestimmung findet häufig nur an Stammtischen oder in der Kurve statt.

Analog zur Politik wird eben nicht bei Mitgliederversammlungen oder – noch besser – am Ticketschalter Haltung bezogen. Stattdessen sind es Diskussionen in den sozialen Medien oder PR-Aktionen, die vor allem dem Selbstzweck dienen. „Das ist nicht mehr unser Fußball“ ist eine oft bemühte Floskel.

In den Stadionbesuchen schlägt sich diese Einstellung allerdings nicht nieder. Fußball ohne Kommerzialisierung bleibt ein Wunschdenken. Der ökonomisierte Profifußball boomt. Das muss er auch - angesichts der rasant steigenden Wirtschaftskraft anderer europäischer Ligen. Aussteigermodelle à la HFC Falke, als Abspaltung des HSV, oder der FC Manchester of United müssen noch beweisen, dass ihr Modell überlebensfähig ist. Wie schnell ein Fan-Spin-off an seine Grenzen stößt, hat Austria Salzburg gezeigt, das Insolvenz anmelden musste. Professioneller Fußball muss finanziert und geführt werden. Fußball ist eben keine Basisdemokratie.

Der Autor: Christoph Metzelder ist Mitinhaber der Agentur Jung von Matt/Sports.

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