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10.07.2013

20:50 Uhr

Der Werber-Rat

Buffett überholt Apple

VonFrank Dopheide

Den größten Respekt unter US-Managern genießt nicht mehr Apple, sondern Warren Buffett. Wie schafft es ein Investmentguru in Zeiten der Finanzkrise so beliebt zu sein? Seine Rezepte.

Warren Buffett: „Ich trage teure Anzüge. Aber an mir sehen sie billig aus“. ap

Warren Buffett: „Ich trage teure Anzüge. Aber an mir sehen sie billig aus“.

Haus von 1958, geht jeden Tag ins Büro und bezieht ein Gehalt von 8000 Dollar im Monat. Warren Buffett, der drittreichste Mensch der Welt. Vergangene Woche hat er Apple vom Thron gestoßen. Sein Unternehmen Berkshire Hathaway nötigt US-Managern mit Abstand den höchsten Respekt ab, sagt das amerikanische Finanzmagazin Barron's.

Die Finanzkrise quält die Weltmärkte bis aufs Blut und ein Großinvestor genießt 98 Prozent Respekt? Solche Werte erreicht sonst nur Mahatma Gandhi. Können, Charakter und Anstand zahlen sich auch bei Investoren aus.

Frank Dopheide ist Inhaber der Agentur Deutsche Markenarbeit.

Frank Dopheide ist Inhaber der Agentur Deutsche Markenarbeit.

Können ist der Anfang von allem. Mit einem Jahresgewinn von 15,31 Milliarden Dollar im letzten Jahr hat er wieder mal bewiesen, er kann mit Geld umgehen. Er liefert über 20 Prozent Ergebnis, seit der Unternehmensgründung 1969. Als erklärter Gegner der Effizienzmarkthypothese und moderner Portfoliotheorie streut Buffett sein Geld in alle Winde. Er engagiert sich bei Ketchup, Cola, Eisenbahnen, Versicherungen oder neuerdings Zeitungen. Und wenn es eng wird, greift er Goldman Sachs schon mal mit fünf Milliarden Dollar unter die Arme.

Buffett zelebriert seinen provinziellen Lebensstil mit Vorliebe für Pizza und Eistee. Er sagt: „Ich trage teure Anzüge. Aber an mir sehen sie billig aus“ – und kämpft dafür, dass Reiche mehr Steuern zahlen. Derivate nennt er „Massenvernichtungswaffen“ und Schulden ein Gräuel. Er versuche „vorsichtig zu sein, wo andere gierig sind“, sagt er. So hat er ein Vermögen von 54 Milliarden Dollar aufgebaut, das er zu 99 Prozent an Stiftungen für wohltätige Zwecke vermachen wird.

Wenn Buffett in ein Unternehmen investiert, steigen Nachrichtenwert, Mitarbeiterstolz und Börsenkurs in Sekundenschnelle. Die Hauptversammlung gleicht einem Gottesdienst. 40.000 Gläubige aus aller Welt pilgern nach Nebraska, um seinen Geboten zu lauschen und auf seinen Segen zu hoffen. Alternativ können sie 3,5 Millionen Dollar für Obdachlose spenden und Buffett zum Mittagessen treffen.

Mit steigendem Alter wird er wertvoller. Er drückt es so aus: „Ich habe mich widerstrebend davon verabschiedet, mein Portfolio nach meinem Tod weiter zu managen.“ Respekt.

Der Autor:

Frank Dopheide ist Inhaber der Agentur Deutsche Markenarbeit. Er ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

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