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18.11.2014

08:23 Uhr

Der Werber-Rat

Chapeau, Choupette!

VonArmin Jochum

Modezar Karl Lagerfeld hat eine neue Marke erschaffen: seine Katze Choupette. Das Tier ist Guest-Editor eines Magazins und Werbeträger einer Kosmetikmarke. So geht Markenführung im digitalen Zeitalter.

Karl Lagerfeld und seine Choupette shooten gemeinsam für den neuen Opel-Corsa-Kalender. obs

Karl Lagerfeld und seine Choupette shooten gemeinsam für den neuen Opel-Corsa-Kalender.

Schrecklich, schlimm, nicht aufzuhalten: Der Dezember hat schon wieder den Fuß in der Tür. Die Zeit der Jahresgaben, Weihnachtskarten und Kalender-Großaufträge ist exakt: jetzt.

Jahreskampagnen und Produktneueinführungen sind ein müheloser Spaziergang im Vergleich zu der Herkulesaufgabe „Weihnachtskarte“. Was wird da alles mit heißer Nadel gebastelt. Vorstände von Automobilkonzernen werden auch heuer wieder Vorschläge, in denen von ganz schnellen Schlitten die Rede ist, vom Marmortischlein fegen.

Etwas ganz Neues, nie Dagewesenes muss her, Heiligs Blechle!

Just in dieser Phase vorweihnachtlicher Verzweiflung naht Rettung. Der brillante Karl Lagerfeld hat wieder einmal gezeigt, wie es geht. Wie man etwas vermeintlich Unmögliches eben doch möglich machen kann. Er hat eine neue Markenikone erschaffen. Und zwar seine Katze Choupette.

Sie ist nicht nur Namensgeberin einer neuen Lagerfeld-Kollektion, sie ist auch Guest-Editor des bei Prêt-à-porter-Schauen präsentierten Magazins „The Karl Daily“. Der kleine Star wird zweimal täglich von ausgebildetem Personal gebürstet, und Choupettes Facebook-Fans wissen exakt, was sie am liebsten isst, dass sie Karl um Punkt sieben Uhr weckt und unglücklicherweise Parfum hasst.

Armin Jochum ist Vorstand Kreation und Co-Gründer der Agentur Thjnk.

Armin Jochum ist Vorstand Kreation und Co-Gründer der Agentur Thjnk.

Macht aber nix. Choupette ist der Beweis, wie hervorragende Markenführung im digitalen Zeitalter funktioniert. Natürlich macht die Katze auch Werbung für Kosmetik. Shu Uemura Eyeliner und Eyelashcurler der Kosmetikmarke hören jetzt auf den Namen „Shupette“, permanent befeuert und beklatscht von fast 30.000 Facebook-Fans.

Viele Prominente haben Haustiere, die von rührigen Zofen getragen werden. Aber keiner kam bisher auf die Idee, sein Haustier zu einer echten Marke aufzubauen. Hello Kitty? Für Kinder. Choupette hat das Zeug zur Powerbrand.

Der ultimative Beweis für die von Lagerfeld ersonnene Markenmacht im Schnurri-Kostüm ist die Tatsache, dass jene privilegierte Katze nun das Schicksal der Automarke Opel wenden soll. – Ja, da haben Sie richtig gelesen: Choupette parkt um. Sogar die Kategorie „Katzenkalender“ scheint nun, zumindest beim Autohändler, wieder en vogue. Weihnachten kann kommen.

Der Autor:

Armin Jochum ist Vorstand Kreation und Co-Gründer der Agentur Thjnk. Er ist einer von sechs Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

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