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13.08.2012

08:21 Uhr

Der Werber-Rat

Dabei sein ist doch nicht alles

Die Spitzensportler bei den Olympischen Spielen stoßen mittlerweile an ihr Limit. Da haben manche jahrelang trainiert und landen vielleicht doch nur auf Platz 20. Dann versinken sie im Nichts.

Siebenkämpferin Lilli Schwarzkopf: Quälende Minuten. dpa

Siebenkämpferin Lilli Schwarzkopf: Quälende Minuten.

Die Stiftung Warentest, gewiss eine verdienstvolle, verbraucherfreundliche Erfindung, ist die Nummer eins der deutschen Werbebranche. Wie das? Ihr Testlabor und Punktesystem bringt Produkte ganz nach vorn oder macht sie zum Ladenhüter. Gegen ihre Zensur ist kein PR-Kraut gewachsen. Schon ein Befriedigend macht jahrelange Entwicklungsarbeit zunichte.

Anders bei den Olympischen Spielen - sollte man meinen. Denn: "Dabei sein ist alles." Als aber die deutschen Athleten statt des geschuldeten Medaillenregens in den ersten Tagen der Spiele fast nur Nulllösungen präsentierten, welkte dieses Sommermärchen dahin. Die Fähnchen standen auf Halbmast oder wurden eingerollt.

Da haben junge Sportler jahrelang geträumt und trainiert. Da haben sie harte Vorrunden absolviert. Da haben sie sich bis zur Erschöpfung abgerackert, und nun dies: Sie landen auf Platz 20 oder zehn oder vier. Egal. Zwei Hundertstelsekunden zu langsam, und alles war vergeblich.

Autor Bodo Hombach ist Jurymitglied für die Verleihung des Deutschen Wirtschaftsbuchpreises und Präsident der Bonner Akademie für Forschung und Lehre praktischer Politik.

Autor Bodo Hombach ist Jurymitglied für die Verleihung des Deutschen Wirtschaftsbuchpreises und Präsident der Bonner Akademie für Forschung und Lehre praktischer Politik.

Stolz waren sie doch einmarschiert zum großen Fest der Völker. In einer rauschenden Inszenierung waren sie doch die Stars. Im Widerschein der olympischen Flamme tropften die Begrüßungsreden der Funktionäre des Olympischen Komitees von Amphetaminen wie "Fairness", "Teamgeist", "Friedenswillen".

Aber dann kamen die Tatsachen: Wenn du nicht bei den drei Besten bist, gehörst du zu den namenlosen Schlechten. Nach dem verlorenen Kampf wirst du nicht interviewt, sondern "zur Rede gestellt". Woran lag es? Wer ist verantwortlich? Der Trainer, die Tagesform, die mangelhafte Talentrekrutierung? Du stammelst - noch atemlos. Es nutzt dir nichts. Du bist angeklagt.

Aber auch dieses System hatte seinen Augenblick der Wahrheit: Siebenkämpferin Lilli Schwarzkopf müsste bei den Gewinnern sein, aber die Anzeige verzögert sich. Quälende Minuten vergehen. Dann sickert durch: Sie ist disqualifiziert. Punktrichter reden auf sie ein. Sie blickt hilflos um sich, schüttelt den Kopf. Sie ist jetzt der einsamste Mensch auf dem Platz - im Angesicht der Welt. Ein ganzes Sportlerleben, vernichtet im Moment seines erträumten Höhepunkts.

Absurd: Aus der Tragödie wird eine Posse. Die allmächtigen Richter haben sich verguckt. Man hat sie mit einer Rivalin verwechselt. Jene hat mit ihrem Fuß die weiße Linie touchiert. Schwarzkopf bekommt ihre Silbermedaille. Die andere versinkt im Nichts. Nicht nur die Sportler, auch die Spiele sind am Limit. Dabei sein ist viel, aber doch nicht alles.

Der Autor:

Bodo Hombach ist Hochschullehrer und ehemaliger WAZ-Chef. Er ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

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Kommentare (2)

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jerecoba

13.08.2012, 09:26 Uhr

Sorry, aber der Beitrag ist ziemlich inhaltsleer. Warum sollen die Spiele am Limit sein und was ist das Limit? Aus dem Thema hätte sicherlich mehr werden können ...

Account gelöscht!

13.08.2012, 12:21 Uhr

Bodo Hombach war Leiter der Wahlkampf-Kampagne von Gehard Schröder, und im allgemeinen halte ich von Herrn Hombach genauso wenig wie von Gerhard Schröder.

Man muss aber auch anerkennen, dass Andere in gewissen Punkten recht haben können. Diesen Artikel von Herrn Hombach würde ich so unverändert unterschreiben.

Die Bestandsaufnahme trifft also den Punkt. Lösungesvorschläge hat Herr Hombach jedoch nicht geliefert. Bessere Sportförderung? Modell Sportsoldat/in? Staatliche Zuschüsse für Arbeitgeber, die Sportler in Teilzeit beschäftigen? Sportgymnasien, Sportberufsschulen und Sportuniversitäten? Vorschläge wären erwünscht gewesen!

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