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31.03.2016

15:54 Uhr

Der Werber-Rat

Das Ende der Silberrücken

VonBritta Poetzsch

Britta Poetzsch freut sich: Die Zeit der Büromachos, der dummen Sprüche und offenen Belästigungen, scheint zu Ende zu gehen. Insbesondere ein Fall aus den USA gibt da Hoffnung. Über das Ende der „Mad Men“.

Die Zeit der Büromachos läuft ab. AFP; Files; Francois Guillot

Silberrücken sei wachsam!

Die Zeit der Büromachos läuft ab.

In den USA ist ein hochrangiger Agenturchef von einer Mitarbeiterin wegen frauenfeindlichen, rassistischen Äußerungen und diskriminierenden Handlungen angezeigt worden. Die Klage läuft. Der Mann ist, nachdem er vehement alles abstritt, von seinem Posten zurückgetreten.

Die großen Agenturführer beschwichtigen und sagen das sei ein Einzelfall. Dass so etwas zur Anzeige kommt, ist sicherlich ein Einzelfall. Die meisten Frauen haben immer geschwiegen. Aber die große Zeit der Silberrücken, die qua ihres Status oder ihrer Macht glaubten, sich alles gegenüber Mitarbeiterinnen herausnehmen zu dürfen, ist vorbei.

Aber ich habe sie noch erlebt. Die Nackenkneter, die plötzlich hinter dem Bürostuhl auftauchen. Die schlüpfrigen Sprücheklopfer, die auf ihren schmierigen Kommentaren fast selbst ausrutschen. Die Kollegen, die hinter einer scheinbar humorvollen Bemerkung ganz unverblümte Angebote machen. Und das nicht sturzbetrunken auf der Weihnachtsfeier, sondern knallnüchtern am Flughafen. Das Bild von Frau und Kindern im Portemonnaie.

Nun bin ich das Gegenteil von einem verschüchterten Hascherl und meistens nicht um eine Antwort verlegen. Immer gut anwendbar: „Machen wir im nächsten Leben, wenn wir Katzen sind!“. Ich habe auch nichts gegen einen unverkrampften, flirtigen Umgangston zwischen Leuten auf Augenhöhe.

Britta Poetzsch ist Global Creative Director der Agentur Ogilvy.

Britta Poetzsch ist Global Creative Director der Agentur Ogilvy.

Ist das Machogehabe typisch für die Agenturbranche? Es ist typisch für hierarchische Strukturen und die werden in den Agenturen immer flacher. Die Frauen sind selbstbewusster. Agenturen kämpfen um gute Talente. Keiner kann es sich leisten gute Bewerberinnen zu verprellen, weil einer denkt er sei Don Draper. Oder Sex-Appeal hätte was mit zunehmendem Bauchumfang und Haarausfall zu tun. Bei Kundinnen kommt das auch nicht gut an. Der Silberrücken ist ein Auslaufmodell. Ich vermisse ihn nicht.

Die Autorin: Britta Poetzsch ist Global Creative Director der Agentur Ogilvy. Sie ist eine von sechs Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

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