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03.09.2014

11:01 Uhr

Der Werber-Rat

Das Geld anderer Leute

VonArmin Jochum

Die viel gepriesene „Ice Bucket Challenge“ und die nicht minder raffinierte Aktion „Hidden Cash“ haben eines gemeinsam: Wohltäter verwandeln einen karitativen Akt in ein öffentliches Ereignis.

Vom Normalo bis zum internationalen Superstar hat sich die „Ice Bucket Challenge“ einen Namen gemacht. Hier lässt sich der Essener Pfarrer Gereon Alter gerade für den guten Zweck mit Eiswasser überschütten. Doch die „Ice Bucket Challenge“ ist nicht die einzige Plattform für Wohltäter. dpa

Vom Normalo bis zum internationalen Superstar hat sich die „Ice Bucket Challenge“ einen Namen gemacht. Hier lässt sich der Essener Pfarrer Gereon Alter gerade für den guten Zweck mit Eiswasser überschütten. Doch die „Ice Bucket Challenge“ ist nicht die einzige Plattform für Wohltäter.

„Na, auch nominiert?“, so schallt es frühmorgendlich durch das S-Bahn-Abteil.

Die Rede ist hier natürlich von der auch an dieser Stelle schon völlig zu Recht bejubelten „Ice Bucket Challenge“, der kreative Wirbelsturm dieses Bilderbuchsommers. Sie nutzt Mechanik und Wirkung des Kettenbriefs und springt auf einen Social-Media-Trend des Frühjahrs: Ich mache etwas – und nominiere drei Freunde, die das Gleiche tun sollen. Aber statt große Bierhumpen zu exen, ging es es hier um einen Kübel Eiswasser, den man sich über den Kopf gießt, um auf die schlimme Krankheit ALS aufmerksam zu machen und ordentlich Spendengelder einzusammeln. Es gab allerdings noch ein zweites Ding diesen Sommer. Und es ist mir ein Herzensbedürfnis, über dieses andere mediale Sommermärchen zu schreiben: „Hidden Cash“, die grünen Umschläge.

Armin Jochum ist Vorstand Kreation und Co-Gründer der Agentur Thjnk.

Armin Jochum ist Vorstand Kreation und Co-Gründer der Agentur Thjnk.

Zuerst entdeckte ich eine kleine Randnotiz in einer überregionalen Tageszeitung. Innerhalb von 24 Stunden schaffte es die Meldung in die Abendnachrichten. Die Sache ist schnell erzählt: Jason Buzi ist kein irrer Milliardär, hat aber ein irre großes Herz und will sein Geld unter die Leute bringen. Und zwar so: Er steckt Geldscheine in grüne Kuverts und versteckt sie. Auf Twitter gibt er dann Hinweise, wo das Schätzchen versteckt ist – und ganze Städte machen sich schnurstracks auf die Socken. Irgendwann war also Berlin dran. Und schwuppdiwupp sah man in vielen Abendnachrichten grundfröhliche Menschen medienwirksam mit grünen Umschlägen wedeln.

Das Besondere: Hier hat nicht ein Wohltäter einfach im Verborgenen Gutes getan – er hat den karitativen Akt zu einem öffentlichen Ereignis gemacht. Ähnlich wie die Eiskübel-Geschichte findet diese Idee inzwischen viele Nachahmer. Auch Unternehmen können sich etwas abschauen: Tue Gutes, aber tue es interessant.

Zweifler mögen nun schimpfen: Nicht jeder Gönner sucht die große Bühne. In Zeiten, in denen aber beinahe jede Company Gutes im Schilde führt, ist es durchaus von Vorteil, der zu sein, der eine andere Nähe zum Anliegen herstellt.

Apropos: Ich sollte schleunigst meinen Sohn zum Rasenmähen nominieren. Man würde auch grüne Umschläge leichter finden.

Der Autor:

Armin Jochum ist Vorstand Kreation und Co-Gründer der Agentur Thjnk. Er ist einer von sechs Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

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