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17.12.2012

09:43 Uhr

Der Werber-Rat

Das „Produkt“ Europa

VonBodo Hombach

Europa ist mehr als ein Produkt. Es wird sogar die Parteien und Gruppen überdauern, die es jetzt an den Meistbietenden versteigern wollen. Doch eines ist nötig: Europa braucht eine neue Erzählung.

Europa ist mehr als ein Produkt. Es ist weit mehr als eine Euro-Zone. dapd

Europa ist mehr als ein Produkt. Es ist weit mehr als eine Euro-Zone.

Wie wirbt man für ein Produkt wie Europa, das täglich teurer wird, ohne sich sichtlich zu verbessern? Während ein paar Cleverles seine Schwächen profitabel nutzen und sich nur für die Lücken interessieren, sinken seine Marktchancen bei der großen Kundschaft ins Bodenlose. Viele fragen sich, wozu es überhaupt dienen soll.

Das war einmal anders. Bei seiner Markteinführung standen die Interessenten Schlange, um dabei zu sein. Das Produkt versprach großen Nutzen, materiell wie ideell. Es war einfach chic, sich damit zu zeigen. Die ganze Welt warf einem neidische Blicke zu. Nach einer langen glanzlosen Phase war man plötzlich wieder wer. Jetzt aber beklagt man ein desaströses Preis-Leistungs-Verhältnis, und nicht wenige halten das Produkt für einen Ladenhüter.

Autor Bodo Hombach ist Jurymitglied für die Verleihung des Deutschen Wirtschaftsbuchpreises und Präsident der Bonner Akademie für Forschung und Lehre praktischer Politik.

Autor Bodo Hombach ist Jurymitglied für die Verleihung des Deutschen Wirtschaftsbuchpreises und Präsident der Bonner Akademie für Forschung und Lehre praktischer Politik.

Sie irren sich. Europa ist mehr als ein Produkt. Es ist weit mehr als eine Euro-Zone. Es wird sogar die Parteien und Gruppen überdauern, die es jetzt an den Meistbietenden versteigern wollen.

Am Anfang der Europäischen Einigung stand ökonomische und politische Vernunft. Man wollte einander nützlich sein. Gemeinsamer Markt und mehr Austausch erschienen als geeignete Mittel, die alten Ressentiments zu überwinden. So wie immer schon die großen Handelsstraßen die Lebensadern der Völkerverständigung waren, sollte auf diesem Wege zusammenwachsen, was eigentlich schon immer zusammengehörte. Der große und freie Markt ist ein Zweck. Er ist nicht das Ziel.

Das Kalkül ging auf. Drei Generationen wuchsen heran mit einem ganz neuen Lebensgefühl von Freiheit und Sicherheit, inmitten einer Welt, die davon nur träumen konnte.

Schmerzhafte, gar tödliche Ausbrüche der Geschichte verbergen sich in Büchern und Gedenkstätten. Die aktuellen Schmerzen sind hausgemacht. Nicht wegen zu viel Europa, sondern wegen zu wenig. Raubritter gegen Baumeister - ein altes Stück wird aufgeführt. Europa braucht eine neue Erzählung. Gerade die Enttäuschten werden dabei gebraucht. Sie lassen sich durch Illusionen nicht mehr täuschen. Jetzt angesagt: europäische Selbstfindung zu einem höheren Niveau. Die grundlegende Struktur ist unumkehrbar. Europa helfen nur Europäer, aber sie müssen sich zu Wort melden.

Der Autor:

Bodo Hombach ist Hochschullehrer und ehemaliger WAZ-Chef. Er ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

17.12.2012, 10:12 Uhr

Selten so einen europa-romantischen Unsinn gelesen.

Daran kann man erkennen, wie weit sich ehemalige Poltiker und Presseleute von der Realität entfernt haben.

Und jetzt lehrt(?) der Mann an der Uni das Fach:
"Die Euro-Romanze und ihr Untergang".?

gamoschka

17.12.2012, 10:44 Uhr

Danke. Nach den meist kleingeistigen, völlig empathiefreien Beiträgen zu Europa ein schönes knackiges Stück. Es glänzt besonders schön, weil gleich daneben Henkels Kolumne " Holt unser Gold heim" prankt.
Trotzdem: große Idee ja, große Verwaltung lieber nicht. Da wird noch viel Gehirnschmalz gebraucht, Europa auf das nächste Level zu heben

Account gelöscht!

17.12.2012, 13:27 Uhr

Es wird sogar die Parteien und Gruppen überdauern, die es jetzt an den Meistbietenden versteigern wollen.
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Und genau das, Herr Honmbach, glaube ich eben leider nicht. Nichtsnutzige Politiker sind gerade dabei unsere einstmals schöne Europäische Union zu zerstören.
Diese derzeitgen Politiker haben nicht begriffen, dass Europa ein Kontinent mit vielen unterschiedlichen Ländern ist. Unterschiedlichen Lebensweisen, Kulturen etc. Das macht ja auch den Charme von Europa.
Und es war explicit de Gaulle, der damals sagte, ein Zusammenschluss der Länder zur Europ. Union,Handel untereinander betreiben etc. ja, aber jedes Land bleibt eigenständig.
Aber genau das will man jetzt ändern und einen sozialistischen und somit didktatorischen Zentralstaat daraus machen.
Das aber wird schief gehen.
Sowohl diese sozialistische Merkel als auch Ihre Partei, die SPD, sind gerade dabei neuen Unfrieden in Europa zu legen. Die antideutschen Grünen ohnehin

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