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05.06.2013

09:39 Uhr

Der Werber-Rat

Der Chef als Chief Cultural Officer

VonFrank Dopheide

Unternehmenskultur braucht eine Idee, die die Menschen in ihrer Identität berührt. Nicht der Mythos Motivation, sondern die Kunst der Beteiligung ist der neue Weg. Der Chef wird zum „Kulturminister“.

"Kulturminister" eines Stahlriesens: ThyssenKrupp AG Vorstandsschef Heinrich Hiesinger. dpa

"Kulturminister" eines Stahlriesens: ThyssenKrupp AG Vorstandsschef Heinrich Hiesinger.

Ein Blick in die Chefetagen der deutschen Wirtschaft zeigt: Die CEOs sind auch nicht mehr das, was sie mal waren. Ausgestattet mit dem Blick des Profit-Maximierers mutierte der oberste Chef zum „Chief Destruction Officer“, der beim Outsourcing das Vertrauen und die Bindung zum Unternehmen gleich mit abbaute. Seither sind die Konzerne damit beschäftigt, die Trümmerschäden der vergangenen Jahre wegzuräumen.

Für die Zukunft ist nun echte Aufbauarbeit angesagt. Verglichen mit der Aufgabe bei Thyssen-Krupp, Eon, Deutsche Bank und Co hatte Sisyphos einen Halbtagsjob. Für den Mann an der Spitze gilt: je größer der Kulturwandel, desto schwerer der Felsbrocken, den er zu schultern hat.

Frank Dopheide ist Inhaber der Agentur Deutsche Markenarbeit.

Frank Dopheide ist Inhaber der Agentur Deutsche Markenarbeit.

Veränderung verlangt Zuversicht und eine neue Jobbeschreibung. Management-Berater Tom Peters sagt: „90 per cent of what we call management consists of making it difficult for people to get things done.“

Jetzt ist das Gegenteil gefragt: Führung ist das Schaffen eines Geistes, in dem die Mitarbeiter produktiv sind. Die neue Unternehmenskultur braucht eine Idee und ein Bild, das die Menschen in ihrer eigenen Identität berührt.

Nicht der Mythos Motivation, sondern die Kunst des Involvements ist der neue Weg. Der CEO wird zum „Kulturminister“. Er muss die Werte des Unternehmens nicht nur predigen, sondern sie personifizieren. Sie vorleben und einfordern.

Denn ihre Unternehmenskultur ist die Summe aller unausgesprochenen Selbstverständlichkeiten. Von der Top-Etage bis in die Tiefgarage. So wie bei Porsche. Dorthin hatte mich ein Marketingklub eingeladen. Auf der Bühne wurde noch am Licht gewerkelt, ich wartete an einem kippeligen Bistrotisch und bat den vorbeieilenden Hausmeister um einen „stabilisierenden“ Bierdeckel. Wortlos ging er davon, kam mit einer Werkzeugkiste zurück und schraubte die Beine kraftvoll fest, um mir dann zu sagen: „Bei Porsche arbeiten wir nicht mit Bierdeckeln.“

Matthias Müller, der Vorstandschef, dürfte seine helle Freude an dem Mann haben. Das ist Unternehmenskultur. Und die zahlt sich aus. Jeder der 13.500 Porsche-Mitarbeiter erhält dieses Jahr eine Erfolgsprämie von 8.111 Euro. Innere Wertschöpfung als Investmentstrategie der Zukunft.

Der Autor:

Frank Dopheide ist Inhaber der Agentur Deutsche Markenarbeit. Er ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

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