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12.08.2015

21:30 Uhr

Der Werber-Rat

Der Donald-Moment

VonTorben Bo Hansen

Niemand ist vor den emotionalen Verbalattacken des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump sicher. Deutsche Politiker können sich einiges von ihm abschauen, meint unser Kolumnist Torben Bo Hansen.

Der Präsidentschaftskandidat der Republikaner ist schwer von sich überzeugt. Reuters

Donald Trump

Der Präsidentschaftskandidat der Republikaner ist schwer von sich überzeugt.

Manchmal ist es nicht ein Ereignis selbst, sondern sein Zeitpunkt, das von Bedeutung ist. Als Roger Stone, der Wahlkampfberater Donald Trumps, vor ein paar Tagen zurücktrat, war ein solcher Moment. Stone hätte schon früher reichlich Grund zum Rücktritt gehabt, wenn er mit den Entgleisungen des republikanischen Präsidentschaftskandidaten über Kreuz gelegen hätte.

Immerhin war von mexikanischen Einwanderern bis zur nicht ganz kleinen Randgruppe „Frauen“ niemand vor dessen erregt vorgetragenen Verbalattacken sicher. Nach eigenem Bekunden traf Stone die Entscheidung allerdings erst, als der Rummel die Hauptbotschaften des Wahlkampfs zu überlagern drohte. Als die Journalistin Megyn Kelly den Politiker von seinem Macho-Sockel stieß.

Moralisch kann man Stones Wahl des Zeitpunkts fragwürdig finden, aus Sicht des Kommunikationsprofis, der er ist, war sie reflektiert und machte Sinn. Trump hatte bis dahin mit jedem Angriff nicht nur sein eigenes Profil geschärft. Er ließ auch seine Gegenkandidaten damit immer blasser wirken und mehrte den eigenen Vorsprung und die Chance auf das eigentliche Finale.

Torben Bo Hansen ist Mitinhaber der Agentur Philipp und Keuntje.

Der Autor

Torben Bo Hansen ist Mitinhaber der Agentur Philipp und Keuntje.

Wie jeder, der nicht 100 Prozent Zustimmung anstrebt, genoss Trump die Freiheit, nicht auf alles und jeden Rücksicht nehmen, keine Selbstzensur üben zu müssen. In diesem Sinne dürfen Marken - oder gar deutsche Politiker - von ihm lernen. Zum magischen Wirkungsrepertoire von Marken gehören auch innere Stärke und Führungsanspruch auf dem eigenen Kompetenzfeld. Die strahlt vor allem aus, wer nicht ständig den Schoßhund mimt.

Das andere Extrem, das Modell Kettenhund à la Donald, ist allerdings nur Marken anzuraten, für die Rummel und Krawall auch wirklich Markenkern oder die Nische das Ziel ist. Oder SPD-Politikern, denen der Weg zur Kanzlerkandidatur zu lang und gefährlich erscheint.

Der Autor: Torben Bo Hansen ist Mitinhaber der Agentur Philipp und Keuntje. Er ist einer von sechs Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

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