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24.09.2013

15:01 Uhr

Der Werber-Rat

Der Fall Rösler

VonFrank Dopheide

Während Philipp Rösler noch betäubt von der Wahlniederlage Halt sucht, sind Wolfgang Kubicki und Christian Lindner bereits mit der Gütertrennung beschäftigt. Kommunikativ ein spannender Moment.

Ein verfremdetes Straßenschild karikiert das Verhältnis von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP). dpa

Ein verfremdetes Straßenschild karikiert das Verhältnis von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP).

Vize-Kanzler, Bundeswirtschaftsminister, Parteivorsitzender — nie hatte ein FDP-Politiker größere Machtfülle als der 40-jährige Militärarzt mit Migrationshintergrund.

Nie zuvor hat ein FDP-Chef auf offener Bühne eine derart schallende Ohrfeige kassiert. Der Jubel über die Demütigung der Freien Liberalen übertraf allerorts sogar die Freude über das eigene Ergebnis. Der Wähler, das unbekannte Wesen, hat zurückgeschlagen.

Dreimillionenfach hat er sich von der Regierungspartei abgewandt und ist anderen Parteien in die Arme gelaufen. Nun kommt es zu Massenentlassungen. Für fünf Minister, 93 Abgeordnete und Hunderte von Referenten und Parteifreunden heißt es ab heute, Kisten packen und zurück in den Wahlkreis, um in längst verlernten Berufen Fuß zu fassen.

Während Philipp Rösler noch betäubt von der Wucht der kleinen Zahl Halt sucht, sind seine Parteifreunde Wolfgang Kubicki und Christian Lindner bereits mit der Gütertrennung beschäftigt. Kommunikativ ein spannender Moment. Gibt Rösler dem parteiinternen Druck nach und zieht sich ins medizinische Hinterzimmer zurück, betoniert die Partei für ewige Zeiten sein Bild als Ikarus der FDP. Die Methode zu Karl-Theodor zu Guttenberg.

Frank Dopheide ist Inhaber der Agentur Deutsche Markenarbeit.

Frank Dopheide ist Inhaber der Agentur Deutsche Markenarbeit.

Nur wenn Rösler in Sichtweite der Öffentlichkeit bleibt, gibt es eine Chance, dies Bild zu drehen — das Modell Uli Hoeneß.

Was hilft der FDP? Die Partei wird mit Schrecken feststellen, dass sie niemand vermisst. Der Mitgliederschwund von einst 180 000 auf magere 62 000 Mitglieder wird zunehmen. Mit diesem Blutverlust nimmt die Fähigkeit, neue Talente zu rekrutieren, ab. Die FDP fällt aus der Bundesliga in die Regionalliga und hat keine Vorstellung, was das bedeutet. Sie beschwört ihre große Tradition und plant den direkten Aufstieg — nur auf den Nebenplätzen gibt es kaum Zuschauer und Fans. Wie will man die Stimme der Wirtschaft werden, wenn diese weder Namen noch Gesicht kennt?

Die Partei sollte sorgsam mit jungen Kräften umgehen. Röslers Bekanntheit bleibt für die Partei auf lange Sicht von Wert. Das Rückenmark der FDP ist verletzt, der Markenkern muss stabilisiert werden. Wie Partei und Freunde in der Krise miteinander umgehen, ist der erste Schritt zur Markengenesung. Gute Besserung.

Der Autor:

Frank Dopheide ist Inhaber der Agentur Deutsche Markenarbeit. Er ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Kommentare (5)

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Brasil

24.09.2013, 15:30 Uhr

Da kann man mal wieder sehen, wie falsch man doch mit Blick auf die Werbung liegen kann, wohl nichts gelernt im Leben?
Nicht die partei ist es, die sich entbehrlich macht, sondern seine Gestalter! Alles steht und faellt mit den Personen! Aber Personen alleine reichen nicht, allenfalls quantitativ um als Steigbuegelhalter zu dienen, damit den Personen auf ihre viel zu grossen Pferde geholfen wird; sondern es braucht Persoenlichkeiten und da war bei der FDP seit vieln Jahren absolut nichts, aber auch gar nichts zu sehen!
Personen mit einer Praesenz eines Glas Wassers, mehr nicht! [...]
Was fuer eine super Reputation und wer soll sowas waehlen? Da sind knapp fuenf Prozent noch 4,9% zu viel!
[...]

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

naja

24.09.2013, 16:03 Uhr

Lindner heute in der PK: ein Aal ist nix dagegen.
Geschwurbel, durchgekaute Pralines aus der Klamottenkiste der neoliberalen Mottenablage.
Unglaublich, was der sich da abgerungen hatte, um umstandslos zur Sache zu kommen: er wolle Vorsitzender der FDP werden, bei der es nicht um Persönlichkeiten ginge, sonden um Sachinhalte, die durch entsprechende Persönlichkeiten vertreten werden sollten.

Herr Lindner scheint das politische Geschäft seiner Partei munter weiterzutreiben - vollkommen unbeeindruckt vom Wahlergebnis vom 22.09.2013.

Mit so einem Entree wirken die Weichen bereits ins politische Norwana der FDP gestellt.

Wielange wird sich die FDP noch von eloquentem Dünnsinn den Kurs "mitgestalten" lassen?

Account gelöscht!

24.09.2013, 16:12 Uhr

@ naja
Zitat : Herr Lindner scheint das politische Geschäft seiner Partei munter weiterzutreiben

- der fahnenflüchtige Boy aus der Boygroup wird diesem Gelben Haufen den Todesstoß versetzen !

In 4 Jahren spricht dann keiner mehr von dieser Partei !

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