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09.09.2014

22:13 Uhr

Der Werber-Rat

Der Feind in meiner App

VonArmin Jochum

Gute Ideen lassen sich nicht aufhalten. Von niemandem. Die Leute teilen heute ganz selbstverständlich Wohnungen, Autos, Kleider. Es war nur eine Frage der Zeit, bis sich jemand die Uber-App ausdenkt.

s war einfach nur eine Frage der Zeit, bis sich jemand auch das Beförderungswesen 2.0 ausdenkt. dpa

s war einfach nur eine Frage der Zeit, bis sich jemand auch das Beförderungswesen 2.0 ausdenkt.

Als stiergeborener, berufsbedingt Vielreisender freue ich mich nicht nur über die an Detox-Tagen von Stefan Kolle, Mitinhaber der Agentur Kolle Rebbe, servierten Spinat-Cannelloni, sondern auch über unaufgeregtes Zurücklegen notwendiger Entfernungen.

Als ich vor sechs Jahren nach Hamburg, in die große Stadt, kam, war ich erst einmal orientierungslos. Jenseits des vertrauten Stuttgarter Talkessels stieß ich schnell an die Grenzen meines Orientierungssinns. Dann nahmen mich Taxifahrer eines kleinen Taxenbetriebes aus meiner Nachbarschaft bei der Hand. Holten mich zu jeder Tag und Nachtzeit gut gelaunt ab, zeigten mir, welcher Weg auch wirklich zum Flughafen führt, und sammelten mich mitten in der Nacht am verabredeten Treffpunkt wieder ein.

Armin Jochum ist Vorstand Kreation und Co-Gründer der Agentur Thjnk.

Armin Jochum ist Vorstand Kreation und Co-Gründer der Agentur Thjnk.

Nun bekommen meine Lieblingstaxifahrer Konkurrenz. Uber, eine amerikanische Geschäftsidee, drängt mit aller Macht auf den Markt und schon ist wieder ordentlich was los: Die Taxigewerkschaft geht zu Fuß, um zu protestieren. Gerichte werden bemüht, erste Handgreiflichkeiten liegen in der Luft. Warum? Uber ist eine Online-Plattform, die Fahrgäste an private Fahrer vermittelt. Die Vermittlung erfolgt über eine Taxi-App oder über die Website. Uber übernimmt die Zahlung zwischen Gast und Fahrer und finanziert sich über 20 Prozent des Fahrpreises.

Hört man auf die Chauffeure alter Schule und mit gültiger Taxi-Lizenz, droht uns der Untergang: „Die kennen sich nicht aus!“ „Die wollen nur reich werden!“ „Bei Unfall bist du nicht versichert!“ „Die Autos haben keinen Tüv!“

Eine gute Idee klopft nicht an, sie steht im Raum. Egal, ob Walkman, Big-Mac oder Billy-Regal: Gute Ideen lassen sich nicht aufhalten. Von keinem Gericht dieser Welt. Die Leute teilen heute ganz selbstverständlich Wohnungen, Autos, Kleider. Es war einfach nur eine Frage der Zeit, bis sich jemand auch das Beförderungswesen 2.0 ausdenkt.

Was wird passieren? Der Störenfried wird dem ganzen Gewerk einen gehörigen Service- und Innovationsschub verpassen. Eine gute Gelegenheit, den ganzen Berufsstand aufzurüsten. Den Fahrgästen ein gutes Gefühl geben, zuvorkommend sein, Kindersitze an Bord haben. Apropos: Mein Taxi wartet, ich muss los.

Der Autor:

Armin Jochum ist Vorstand Kreation und Co-Gründer der Agentur Thjnk. Er ist einer von sechs Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

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