Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

22.03.2013

21:34 Uhr

Der Werber-Rat

Der hybride Kunde

VonUli Mayer-Johanssen

Kritische Verbrauchersendungen stehen hoch im Kurs. Auch wenn Kunden bei ihren Käufen noch inkonsequent sind, wird es für das Image immer wichtiger, auf welche Weise Firmen Geschäfte machen.

Der Kunde reflektiert seine Kaufentscheidung stärker. dapd

Der Kunde reflektiert seine Kaufentscheidung stärker.

Von Einschaltquoten über 18 Prozent träumen viele Fernsehmacher. Die ARD erreicht mit ihren serviceorientierten Markencheck-Sendungen regelmäßig ein Millionenpublikum. Die Redaktionen nahmen dabei bislang Unternehmen wie Apple, Lidl oder Tui unter die Lupe. Auch das ZDF konnte mit seiner Ratgeberreihe "ZDFzeit" punkten, bei der es um die Qualität von Lebensmitteln geht.

Sendungen über das Verhalten von Marken und Unternehmen, also eine Art Realitätscheck von Versprechen und Wirklichkeit, kommen bei kritischen Verbrauchern gut an. Die Redaktionen prangern stellvertretend für sie vermeintliche und reale Missstände an, die dann mit Social-Media-Debatten von Konsumenten fortgeführt werden.

Uli Mayer-Johanssen ist Gründerin und Chefin der Markenagentur Meta-Design in Berlin.

Uli Mayer-Johanssen ist Gründerin und Chefin der Markenagentur Meta-Design in Berlin.

So mussten einige Firmen "Shitstorms" überstehen, die zu Krisen-PR und zum Handeln zwangen. So verschärfte Apple die Kontrollen bei seinem chinesischen Dienstleister Foxconn, der für miserable Arbeitsbedingungen ins Kreuzfeuer geraten war.

Bislang verlagert sich die "Empörung von der Tastatur ins Portemonnaie" eher selten, wie das Branchenblatt "W&V" kürzlich feststellte. Gefangen zwischen dem Eigenanspruch an einen werteorientierten Konsum und dem Wunsch, günstig zu konsumieren, zeigt der Verbraucher noch immer ein indifferentes Verhalten beim Einkaufen. Apple erlebte nicht wirklich einen Absatzeinbruch, als die Kritik an ihren Lieferanten am größten war.

Blligtextilhändler wie H&M und Primark wachsen kräftig weiter, auch wenn die Ware in Dritte-Welt-Ländern unter äußerst kritischen Produktionsbedingungen hergestellt wird. Günstige Fertiglebensmittel werden auch nacih dem Pferdefleischskandal weiter gekauft werden, obwohl sich jeder denken kann, dass für Niedrigstpreise keine gute Qualität produziert werden kann. All das wissen Konsumenten inzwischen nur zu gut.

Also einfach weitermachen wie bisher und auf die Trägheit der Gewohnheit setzen? Kurzfristig mag diese Rechnung aufgehen. Langfristig aber wird sozial und ökologisch korrektes Verhalten künftig genauso wichtig werden wie das Produkterlebnis. Wenn Versprechen und gelebte Realität deckungsgleich sind, muss sich auch künftig keine Marke vor Verbraucherkritik fürchten.

Die Autorin:

Uli Mayer-Johanssen ist Gründerin und Chefin der Markenagentur Meta-Design in Berlin. Sie ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Hartmut

22.03.2013, 22:29 Uhr

Wir leben in einer kranken, dekadenten, verlogenen und absolut abartigen Zeit.
Aber es wird sogar noch schlimmer kommen !
Und warum ?
Schaut euch in den Spiegel ......
Armselig ......
Ich schau mich auch in den Spiegel ihr Mitmenschen.
Mir ist durchaus bewußt was ich sehe - euch leider noch nicht.
Hoch lebe das Ego ......

Account gelöscht!

24.03.2013, 12:40 Uhr

Man sieht erst die Spitze des Eisbergs, aber eines kann stark
vermutet werden,die Lebensmittelindustrie vergiftet regelrecht die Bevölkerung. Man könnte sicherlich 1/3 der
Krankheitskosten sparen, wenn es massive Warnhinweise in den Medien geben würde. Alleine die Reklame über das Abnehmen treiben einen die Tränen in die Augen. Über Zucker,Collesterin wird bei Fettabbau überhaupt nicht geredet. In jedem Lebensmittel ist Jod -Salz enthalten aber man verkauft es weiter, selbst im Norden wo es genug Jod gibt. Gammelfleischhersteller werden durch den Staat geschützt und dürfen nicht an den Pranger. Schuldner schon
das sind Verbrecher. Menschen mit Absicht zu vergiften ist
Lebensmittelrecht und steht unter dem Schutz des Staates.
Warum wird sich der eine oder andere Fragen? Weil die Lücken nicht so schnell geschlossen werden können. Lieber
vergiften statt Lebensmittelknappheit denken die Politiker.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×