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27.05.2014

21:53 Uhr

Der Werber-Rat

Der Jugendstil in der Werbung

VonArmin Jochum

Generationswechsel in der Werbebranche: Plötzlich stehen Jugendliche mit Bart auf der Bühne, wenn Preise verliehen werden. Sie haben die Ideen, hinter denen alle her sind – aber wenig Erfahrung mit Konventionen.

Die Preisverleihung des Art Directors Clubs hat gezeigt: Das angebliche Nachwuchsproblem in der Werbung ist ein Mythos. Getty Images

Die Preisverleihung des Art Directors Clubs hat gezeigt: Das angebliche Nachwuchsproblem in der Werbung ist ein Mythos.

BerlinNeulich wurde ich gefragt, ob ich denn nur noch vom Rasenmähen und über die Zubereitung ungarischer Nationalgerichte in Eisenbahnabteilen schreiben würde. Natürlich. Am allerliebsten!

Aber leider spielt sich mein Leben zu wenig auf vertikutierten Rasenflächen oder in rollenden Speiseabteilen ab.

Gestern wollte eine aufmerksame Person wissen, ob ich bei der diesjährigen Preisverleihung des Art Directors Clubs (das ist der größte Kreativwettbewerb im deutschsprachigen Raum, der jedes Jahr richtungsweisende Werbung auszeichnet) gewesen sei, und warum da jetzt neuerdings nur spätpubertäre Jugendliche mit Bärten auf die Bühne gingen. Und nicht mehr die Chefs. Ich fand das sehr gut. Nicht selten wird nämlich beklagt, dass es ein Nachwuchsproblem in der Werbung gebe.

Meine Vermutung: Viele suchen die falschen Talente an der falschen Stelle. Die wirklich respektlosen neuen Ideen, hinter denen alle her sind, kommen heute nämlich immer öfter von den Leuten, denen wir noch vor zwei Wochen in den Konfirmationsanzug geholfen haben. Leute, die sich niemals mit den Dingen rumschlagen mussten, die für meine Generation noch ein großer Teil des Geschäfts waren. Dinge wie: „Hierarchie.“ „Feste Arbeitszeiten.“ „Respekt vor dem Amt.“ „Firmenwagenparkplätze.“ Und so weiter.

Armin Jochum ist Vorstand Kreation und Co-Gründer der Agentur Thjnk.

Armin Jochum ist Vorstand Kreation und Co-Gründer der Agentur Thjnk.

Leute, denen vor allem ziemlich egal ist, was bisher nicht ging. Leute, die nur eines interessiert: die schlaue Idee über die Ziellinie zu bringen. Das sind die Leute, die viel von sich selbst fordern. Und bei denen wir gut beraten sind, sie deshalb zu fördern. Ich liebe diese neue Generation von Kreativen. Sie werden nicht nur unseren Beruf verändern. Einige von ihnen haben das Zeug, unsere Zunft in einem völlig anderen Licht zu zeigen.

Zum Beispiel damit: Ein Spendenplakat am Flughafen, bei dem ich meine Kreditkarte durchziehen und gleich sehen kann, was mit meinem Geld passiert. Das klingt eigentlich simpel, ist es aber nicht.

Vor allem ist es aber eine Idee, die Menschen berührt, weil sie eine Beziehung zwischen dem Bezahlvorgang (Birne) und dem emotionalen Erlebnis (Bauch) herstellt. Wer solche Ideen hat, kann gern später anfangen. Und selbstverständlich mit langem Bart auf die Bühne gehen.

Der Autor:

Armin Jochum ist Vorstand Kreation und Co-Gründer der Agentur Thjnk. Er ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

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