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28.05.2013

09:30 Uhr

Der Werber-Rat

Der Kardinal und die K-Frage

VonInes Imdahl

Der Kölner Kardinal Meisner fordert, dass Frauen zu Hause bleiben und drei bis vier Kinder zur Welt bringen, damit wir nicht aussterben. Gegenvorschlag: Wie wär’s, wenn Priester künftig drei bis vier Kinder zeugen?

Ines Imdahl ist Psychologin und Inhaberin der Marktforschungsagentur Rheingold Salon.

Ines Imdahl ist Psychologin und Inhaberin der Marktforschungsagentur Rheingold Salon.

Der Kölner Kardinal Joachim Meisner möchte, dass Frauen ermutigt werden, drei, vier Kinder auf die Welt zu bringen und zu Hause zu bleiben. Im Nebensatz lässt er fallen, dass den Frauen der ehemaligen DDR eingeredet wurde, sie seien „dement“, wenn sie nicht arbeiten gingen. Kardinal Meisner ist 79. Immerhin könnte auch er etwas vergessen haben. Dass Frauen in der ehemaligen DDR im Schnitt nämlich mehr Kinder bekamen, als sie es hier und heute tun. Und wenn es vielleicht auch sonst nicht viel Gutes gab, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf war dort eher zu realisieren als im goldenen Westen.

Abermals gelingt es jedoch Kardinal Meisner‚ Aufmerksamkeit für die katholische Kirche zu schaffen. Immerhin eine wichtige Werbewirkungskomponente. Provokation ist manchmal eine zweite. Die kollektive Empörung zeigt dies deutlich. Ihr steht allerdings eine fast ebenso große Zustimmung gegenüber. Knapp die Hälfte der „Bild“-Leser stimmt dem Kardinal zu. Zwar sind weder "Bild"-Leser noch Bild-Online-Befragungen repräsentativ für die Gesamtbevölkerung, aber das Ergebnis zeigt doch, wie weit Deutschland noch von einem in unseren Nachbarländern bereits selbstverständlichen Frauen- und Mutterbild entfernt ist. Immer noch sind Frauen Rabenmütter, wenn sie trotz Kindern frühzeitig wieder arbeiten. Sie haben ein schlechtes Gewissen, wenn sie beides wollen. Kinder und Karriere. Ein Gewissen aber wird psychologisch betrachtet immer durch die Normen einer Gesellschaft entwickelt und geprägt. Die Gewissensbildung verläuft von Kindesbeinen an unbewusst. Letztlich fühlt es sich an wie ein Teil von uns selbst und wird zum „eigenen Gewissen“.

Um der Gewissensfrage und ständigen Rechtfertigungsnöten vor sich und anderen zu entgehen, bekommen dann viele lieber gar keine Kinder mehr.

Ich hätte da allerdings einen Vorschlag, wie man dem Problem der rückläufigen Geburten entgegenwirken könnte: Wenn alle Kirchenmänner so drei bis vier Kinder zeugen würden, könnte das schon einen erheblichen Unterschied machen. Und auch für den Kirchennachwuchs wäre gesorgt. Liebe Kirchenanhänger, bevor ihr mir wieder schreibt: Ich habe bereits vier Kinder.

Die Autorin:

Ines Imdahl ist Psychologin und Inhaberin der Marktforschungsagentur Rheingold Salon. Sie ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Kommentare (9)

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Account gelöscht!

28.05.2013, 10:18 Uhr

Fr. Imdahl, da müsste sich die kath. Kirche nicht grundsätzlich ändern: Bisher ist es wohl so, dass für max. 2 Kinder eine Priesters von der Kirche Alimente gezahlt werden.

Sie ist also auf dem richtigen Weg!

Bingo

28.05.2013, 11:05 Uhr

Da macht ein katholischer Priester einmal auf die eigentlich offensichtliche Wahrheit aufmerksam, dass dass feministische Weltbild grade auch im Hinblick auf die niedrige Geburtenrate nicht nachhaltig ist, schon wird dieser lächerlich gemacht. Womit ist ja dann auch egal und wie selbstverständlich werden die Verhältnisse in Deutschland mit der totalitären DDR verglichen und als Vorbild hingestellt!
Wir brauch die Paare, die sich noch trauen die Liebe auch für drei oder vier zu haben, sonst ist die Alternative die Einwanderung aus Ländern mit Geburtenüberschuss -und dass sind vor allem muslimische Länder.
Bei ein oder zwei Kindern kann man vielleicht noch eine Kind und Kariere-Diskussion aufmachen, wo feministische Vorstellungen aber auch schon nichts mehr mit der Wirklichkeit zu tun haben. Bei drei oder vier Kindern ist diese Diskussion absurd, denn diese Eltern stellen ihre Kinder und nicht die Kariere in den Mittelpunkt ihres Lebens. Ja, diesen Frauen ist es wirklich wichtiger ihre Kinder glücklich zu sehen, anstatt vom Chef gelobt zu werden.
Nur die sind in der Öffentlichkeit praktisch nicht vorhanden. Stattdessen prägen die paar nicht selten lesbischen Karrierefrauen die öffentliche Meinung mit ihren geistigen Tiefflügen.
Der Skandal der katholischen Kirche ist doch in Wirklichkeit, dass diese nicht Frauen, Sex, Geld oder Frau Imdahl anbeten, sondern Gott!
Und natürlich, dass diese weiterhin zurecht einen Unterschied zwischen Männern und Frauen machen, der nicht anerzogen ist!(Gender Mainstream)

LUPOMXN

28.05.2013, 11:20 Uhr

immer wieder sich über die Kirche lsutig machen aber schön die christlichen Feiertage mitnehmen & abfeiern. Die Partizipation am christlichen Glauben wird als nicht nötig betrachtet. Die Zukunft unserer Kinder der Ungewissheit überlassen und sich anschließend über die fehlende Tugenden innerhalb unserer Gesellschaft wundern.
Beschäftigen Sie sich mit der Substanz der Kirche, dann werden Sie erkennen wie leer Ihre Provokation ist.
Es gibt sicherlich intelligentere Möglichkeiten auf das demographische Problem aufmerksam zu machen.

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