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15.08.2014

12:29 Uhr

Der Werber-Rat

Der Sommer der Abschiede

VonChristoph Metzelder

Gleich drei Spieler der deutschen Fußball-Nationalmannschaft haben kürzlich ihren Rücktritt bekanntgegeben. Das Ungewöhnliche daran sind nicht die Aktionen selbst, sondern ihre Zeitpunkte.

Miroslav Klose und Philipp Lahm haben sich mit dem WM-Titel aus der Nationalmannschaft verabschiedet. dpa

Miroslav Klose und Philipp Lahm haben sich mit dem WM-Titel aus der Nationalmannschaft verabschiedet.

Miro Klose hat es vor ein paar Tagen getan, Sebastian Kehl vor zwei Wochen. Und Philipp Lahm vor fast einem Monat - sie alle sind zurückgetreten. Zwei verdiente Nationalspieler kehren nach mehr als zehn Jahren der Nationalmannschaft den Rücken, während Kehl im vergangenen Jahr seiner Profikarriere die Kapitänsbinde weitergibt. Daran ist an sich nichts Ungewöhnliches, weil jeder Zyklus ein natürliches Ende hat. Vor allem im Sport.

Interessant ist, dass alle drei diesen Schritt proaktiv gegangen sind - und das in einer medial euphorisierten Flitterwochenphase. Öffentliche Kritik oder Druck? Fehlanzeige. Keiner hat gewartet, bis ihn das unausweichliche Schicksal trifft. Sie selbst haben den Moment und das Umfeld bestimmt, um diesen Entschluss zu treffen. Und sie selbst haben das Medium bestimmt, um diese Entscheidung zu veröffentlichen.

Noch nie haben sich Nachrichten so schnell verbreitet wie im digitalen Zeitalter. Der Konsument hat sich nicht nur an diesen Informationskonsum gewöhnt, sondern er verlangt ihn auch. Für Journalisten bleibt oft nicht viel Zeit für tiefgehende Recherche. Google, RSS Feeds, Links und soziale Netzwerke gehören zum Repertoire der ersten Wahl. Jeder bezieht sich auf jeden, vereinzelt in kritischer Form, manchmal in anreichender, aber meistens in zitierender. Wer als Erstes postet, wird aufgeführt. Und wer die Referenzpunkte schafft, gewinnt.

Das ist nicht neu, denn bei der Eigen-PR war die Deutungshoheit schon immer sehr wichtig.

Mit dem proaktiven Rücktritt haben Lahm, Kehl und Klose genau diese Referenzpunkte geschaffen. Im Fachwerk auch strategisches „Framing“ genannt. Einfacher formuliert: Alle drei Spieler haben einen bestimmten Zeitpunkt der Geschichte mit ihrer Sicht- und Darstellungsweise geprägt und dem Ende ihrer Laufbahn eine positive Konnotation gegeben.

Natürlich bedarf dies nicht nur Weitsicht, sondern auch der Größe, sich selbst einzugestehen, dass die Zeit als Sportler langsam zu Ende geht und die Nachfolger schon in den Startlöchern stehen. Und so reiht sich auch diese Kolumne ein in eine Folge von positiven Konnotationen. Chapeau und danke, Jungs!

Der Autor:
Christoph Metzelder ist Mitinhaber der Agentur Jung von Matt/Sports. Der Ex-Fußballprofi ist einer von sechs Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

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