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14.04.2016

20:45 Uhr

Der Werber Rat

Der Tod lauert in der Dusche

Sich die Hände zu waschen kann im Hotel wirklich schwierig werden, glaubt man Britta Poetzsch. Schuld daran sind Designer. Vom herumhampeln vor inexistenten Sensoren und eiskalten Nassstrahlen am frühen Morgen.

Designerduschen sind der Erzfeind aller Geschäftsdrerisenden. dpa

Voller Tücke

Designerduschen sind der Erzfeind aller Geschäftsdrerisenden.

Die Situation kennt jeder, der berufsbedingt des Öfteren in Hotels übernachten muss. Schlaftrunken wankt man ins Bad. Die Nachtbekleidung wird abgelegt. Irgendwie findet sich der Weg in die Dusche. Dann hat man die Wahl, entweder den Verbrühungstod zu sterben oder von einem eiskalten Nassstrahl getroffen zu werden.

Der Herztod in der Designerdusche sollte mal empirisch untersucht werden. Denn die Armatur von heute ist nicht mehr selbsterklärend. Sie gibt einfache Hilfestellungen wie „Blau heißt kalt“ oder „Rot heißt heiß“ nicht mehr. Sie ist schön. Sie ist sogar manchmal sehr schön. Designer haben sich die schönen Köpfe zerbrochen, um sie noch schöner zu machen. Innenarchitekten haben sie mit Liebe ausgesucht, um aus einem schnöden Übernachtungsort einen Designtempel zu machen.

Da steht man dann und weiß nicht, wie das gehen soll mit dem warmen Wasser von oben. Ganz schlimm ist es, wenn es auch noch seitliche Düsen gibt. Da weiß man dann gar nicht, aus welcher Richtung man zuerst getroffen wird. In diesem Fall schaue ich mich verstohlen nach dem guten, alten Waschlappen um.

Britta Poetzsch ist Global Creative Director der Agentur Ogilvy.

Britta Poetzsch ist Global Creative Director der Agentur Ogilvy.

Letzte Woche war ich in Mailand in einem dieser Tempel und wollte mir bloß mal die Hände waschen. Verzweifelt suchte ich den Sensor, um den Wasserstrahl auszulösen, und wedelte mit den Händen unter dem Wasserhahn rum. Ohne Erfolg. Endlich entdeckte ich mit seifigen Händen ein winziges Hebelchen. Unsichtbar angebracht. Das Hebelchen wollte auch nicht freiwillig damit rausrücken, ob man es drehen, drücken oder ziehen muss. Am Ende fand ich es heraus und wurde mit einem viel zu starken Strahl belohnt.

Liebe Designer, akzeptiert einfach, dass manche Dinge auch für Menschen gemacht sein müssen. Liebe Designhotels: Lasst das! Nasse Klamotten sind einfach schlechte Werbung für euch.

Die Autorin: Britta Poetzsch ist Global Creative Director der Agentur Ogilvy. Sie ist eine von sechs Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

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