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15.01.2013

08:13 Uhr

Der Werber-Rat

Deutsche Stromrevolution in armen Ländern

VonBodo Hombach

Deutsche Technologie und chinesische Preisgestaltung bewirken in den armen Ländern der Welt Wunder - mit Strom aus Sonnenkraft. Photovoltaik ist effektive Entwicklungshilfe.

Riesige Flächen in Asien, Lateinamerika und Afrika ermöglichen den Ausbau von Photovoltaik-Anlagen. dpa

Riesige Flächen in Asien, Lateinamerika und Afrika ermöglichen den Ausbau von Photovoltaik-Anlagen.

Preisverfall bei Solarmodulen. Insolvenz deutscher Firmen. Dumpingpreise der Chinesen. Strompreistreibende Subventionen im sonnenarmen Deutschland. - Das sind hässliche Schlagzeilen.

Aber der Globus hat eine Sonnenseite. Das sind riesige Flächen in Asien, Lateinamerika und Afrika, wo elektrische Energie noch immer exklusive Boutiquenware ist. 1,3 Milliarden Menschen brauchen Tagesreisen bis zur nächsten Steckdose, 2,6 Milliarden kochen mit Holz oder Kuhdung, was die Kohlendioxid-Bilanz verschlechtert und das Land ver"wüstet".

Autor Bodo Hombach ist Jurymitglied für die Verleihung des Deutschen Wirtschaftsbuchpreises und Präsident der Bonner Akademie für Forschung und Lehre praktischer Politik.

Autor Bodo Hombach ist Jurymitglied für die Verleihung des Deutschen Wirtschaftsbuchpreises und Präsident der Bonner Akademie für Forschung und Lehre praktischer Politik.

Hier verkürzt der Preisverfall bei Photovoltaik den Abstand zur technischen Zivilisation. Antike Dieselpumpen und Öllampen werden verabschiedet. Plötzlich können sich Dörfer in Botswana, Ghana oder Sambia eine lokale Energieversorgung leisten. Die Sonne geht - sehr viel häufiger als bei uns - überall auf. Sie bringt ihr Angebot direkt zum Verbraucher, ohne Stromtrassen und Umspannwerke. Eine Rechnung schickt sie auch nicht.

Wer hätte das im vergangenen Jahrhundert gedacht. Die deutsche Vorreiterschaft bei der weltweiten Verbreitung erneuerbarer Energie bewirkt - auf dem Umweg über chinesische Preisgestaltung - das vermutlich erfolgreichste Entwicklungshilfeprogramm aller Zeiten in diesem Bereich.

Das ist nicht alles. Wer Strom hat, kann damit auch ein Transistorradio oder einen kleinen Fernseher betreiben. Er kann sich Informationen beschaffen, Weiterbildung, Kommunikation. Kurz: Er kann sich plötzlich Freiheiten herausnehmen, die ihm bisher aus physikalischen Gründen verwehrt waren.

Das bedeutet Emanzipation in kleinen Schritten, die aber aufeinander aufbauen und nicht mehr umkehrbar sind. Politische Freiheit war immer das Ergebnis ökonomischer Spielräume. Der ewige Traum aller Diktatoren, Untertanen so dumm wie möglich zu halten, ist eines Tages ausgeträumt. Sie haben noch andere Mittel, aber ihr Beruf wird schwerer und gefährlicher.

Die großen Revolutionen kamen immer leise. Sie hießen "Zähmung des Feuers" oder "Erfindung der Schrift". Sie hießen auch "Waschmaschine" und "Pille". Sie standen nicht auf dem Papier der Welterklärer, sondern im Skizzenbuch eines Tüftlers. Sie konnten geduldig verkraften, dass zunächst jede Menge Bedenkenträger das Wort führten.

Warum sollten nicht auch mal die Deutschen eine Revolution bewirken, auf dem Umweg über China, aber wohltuend für weite Teile der einen Welt?

Der Autor:

Bodo Hombach ist Hochschullehrer und ehemaliger WAZ-Chef. Er ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Kommentare (9)

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vandale

15.01.2013, 09:21 Uhr

Der Artikel ist ein Schlag ins Gesicht der Interessen armer Menschen.

Der Strom aus Solarzellen dürfte abhängig vom Dieselpreis aktuell fast preisgleich mit dem Strom aus kleinen Dieselgeneratoren sein. Ueblicherweise steht Solarstrom nur wenige Stunden entsprechend dem Sonnenstand und den Launen des Wetters zur Verfügung. Das bedeuted, dass Solarstrom nur für wenige Anwendungen genutzt werden kann.

Dort wo keine Subventionen, oder Entwicklungshilfe fliesst werden demzufolge meist Dieselgeneratoren bevorzugt.

Wenn man mit Deutscher Entwicklungshilfe chinesische Solaranlagen kauft, dann kann man entweder argumentieren, dass der Deutsche Steuerzahler um sein Geld gebracht wurde, oder dass die Menschen in den Ländern um bessere Hilfe gebacht wurden.

Vandale

matze

15.01.2013, 10:02 Uhr

@ herr Hombach: dat is mal eine ansage!!! kompliment!!! vollkommen richig, jetzt haben wir die fertigkeiten und kapazitäten und um sie richtig einzusetzen bedarft es "neudefinition des marktes". allllle märkte sind zumindest teilweise politisch REGULIERT. noch zu erwähnen sind auch die kapazitäten in den staaten.

@ vandale: die leut die ich kenn und sich in afrika aufhalten, sagen mir alle, dass die menschen in afrika bevorzugt generatoren mit ner dualen solareinheit kaufen. warum? jo, weilet mit der verteilung/distribution von diesel in den länder au nich immer zum besten gestellt ist!!!

BE_Frank

15.01.2013, 10:44 Uhr

Ein kleiner Dieselgenerator braucht mindestens 35L Diesel für die Erzeugung von 100kWh Strom. Aufgrund der Entfernungen kostet Diesel ohne Subvention ca. 1,1 EUR.
D.h. die Produktion von Dieselstrom kostet mindestens 0,38 EUR / KWh.
Solarstrom in Kombination mit einem Energiespeicher kann bereits für 0,35 EUR / KW produziert werden, inklusive Abschreibung der Investition.
Das wird in Zukunft ein absolut gute Markt werden.

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