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21.03.2013

21:23 Uhr

Der Werber-Rat

Deutschland braucht mehr Glamour-Unternehmer

VonStefan Kolle

Richard Branson, Marc Zuckerberg, Dietrich Mateschitz – im Ausland gibt es Unternehmer mit Pop-Star-Status. Hierzulande kaum. Das ist verrückt, ist doch Deutschland das Land der Unternehmer.

Schillernde Persönlichkeit: Richard Branson ist selbst Maskottchen seiner Marke Virgin. Reuters

Schillernde Persönlichkeit: Richard Branson ist selbst Maskottchen seiner Marke Virgin.

Prognosen sagen, dass in Deutschland bis 2050 rund zwanzig Prozent weniger Unternehmen gegründet werden. Gründe dafür gibt es viele. Einer davon dürfte sein, dass es zu wenige junge leuchtende Beispiele gibt. Als junger Unternehmer braucht man eine Stimmung, die sagt: "Trau dich was, es lohnt sich."

Man braucht eine gute Idee, Bereitschaft zum Risiko und man braucht charismatische Vorbilder. Von denen gibt es einige: Sir Richard Branson, Steve Jobs, Sergej Brin, Larry Page, Marc Zuckerberg, Jef Bezos, Dietrich Mateschitz oder Niklas Zennström.

Stefan Kolle ist Geschäftsführer der Agentur Kolle Rebbe.

Stefan Kolle ist Geschäftsführer der Agentur Kolle Rebbe.

Sucht man aber nach deutschen Pendants, wird's schwierig. Natürlich sind da Persönlichkeiten wie Alfred Theodor Ritter, Erich Sixt, Werner Bahlsen, Claus Hipp, August Oetker, Werner Otto, Dietmar Hopp, Hasso Plattner und die geheimnisvollen Aldi-Brüder, um nur einige zu nennen. Es gibt sogar ein paar, die einen gewissen Pop-Star-Faktor haben, wie zum Beispiel Uli Hoeneß oder Götz Werner.

Doch sucht man nach dem Typen des Selfmade-Unternehmers, der sein Unternehmen in den vergangenen 20 Jahren aufgebaut hat und damit als Vorbild für die junge Generation gelten kann, landet man eher bei Beispielen aus dem Ausland. Das ist verrückt, denn Deutschland ist das Land des Mittelstands und der Unternehmer. Wieso sind darunter so wenige kultige Stars?

Selbst unsere Internet-Start-up-Helden wie Lars Hinrichs (Xing) oder die Samwer-Brüder (Zalando) entwickeln keine großartige Strahlkraft. Wenn es in Talkshows um Unternehmer geht, kommt Trigema-Chef Wolfgang Grupp.

Wahrscheinlich liegt es daran, dass wir Deutschen - und damit auch unsere Unternehmer - zurückhaltender und weniger auf Außendarstellung erpicht sind. Personenkult ist uns suspekt. Stiller Fleiß zählt mehr als medienwirksamer Glamour. Hinzu kommt, dass Reichtum in Deutschland der Ruch des Unanständigen anhaftet. Erfolgreiche Unternehmer ziehen oft nicht den "Toll, was der geschafft hat"-Applaus auf sich, sondern eher die "Ob das mal gerecht ist, dass der so viel verdient"-Debatte.

Es ist paradox: Der deutsche Mittelstand ist der Motor unseres Landes, doch in der Presse wird nur über Manager und deren Gehälter berichtet. Umso dringender braucht es Vertreter, die willens und in der Lage sind, junge Menschen zu inspirieren, ihnen Mut zu machen, ein Risiko einzugehen, um etwas Eigenes aufzubauen. Letztlich geht es darum, einen der spannendsten Berufe der Welt wieder attraktiver zu machen. In Deutschland verkauft er sich zurzeit definitiv unter Wert.

Der Autor:

Stefan Kolle ist Geschäftsführer Kreation der Agentur Kolle Rebbe in Hamburg. Er ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Kommentare (14)

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Account gelöscht!

21.03.2013, 21:51 Uhr

Guter Artikel, der genau meine Meinung widergibt !

Das Problem ist, dass Deutschland momentan dabei ist, bzw. seit etwa 4 Jahren dabei ist, Leistung systematisch negativ zu beäugen, vorzuverurteilen und zu bestrafen.
Diese Aussage wird sich in den Kommentaren, die noch folgen werden, mit aller Wahrscheinlichkeit bestätigen.

Die Deutschen "Helden" sind heute nicht mehr Unternehmer, Erfolgreiche, Innovatoren oder Vordenker, sondern resignierte, frustrierte, verbitterte, anderen die Schuld gebende Hartz 4 Empfänger und Frührentner respektive Frühpansionäre.

Das ist sehr schade und äußerst traurig.
Bestes Beispiel sind Diskussionen zu Banker-Boni, Managergehältern usw.

Manchmal, so scheint es, ist es modern, zu meckern, anderen die Schuld dafür zu geben, dass man erfolglos ist und Ausreden dafür zu finden, sich bloß nicht selbst aufzuraffen.

Dann wird sich verschiedenster Verschwörungstheorien bedient, um sich selbst besser zu fühlen.

Man muss sich ja fast schämen, erfolgreich zu sein, viel zu verdienen und gute Abschlüsse zu haben.

Hinter allem steckt ein böser Wille, man beutet andere automatisch systematisch aus, solbald man Geld verdient usw.


Vielleicht müssen "die Reichen" alle einfach mal auswandern, für 10 Jahre zum Beispiel.

Dann wird die Bevölkerung merken, ob es ihnen besser geht oder nicht und dann kann man ja ganz einfach feststellen, wie das doch ist mit der Steuerlast, die laut einiger Linker von den Unterschicht getragen wird.

kit_fisto

21.03.2013, 22:36 Uhr

Deutsche Macher kommen über Low-Profile, Fachkompetenz, Berechenbarkeit und Gentleman-like Bescheidenheit, bestes Beispiel ist Winfried Engelbrecht-Bresges vom Jockey Club Hong Kong. ENGLAND sollte sich schämen für die Oligarchen, Ex-Diktatoren, Wallstreet-Betrüger und Ölscheichs die die Premier-League aufkaufen, SAP-Genie Dietmar Hopp ist leider selbst schuld, wenn er diesen Irrsinn nachahmt und niederträchtigen Gram anderer Fussball-Fans auf sich zieht...

Wir wollen keine ZUCKERBERGS, BILL GATES' oder DONALD TRUMPS - Ideen-Diebe und "Style over substance"-Fressen, ich hoffe dass die USA schnellstmöglich für ihre Fassaden-Ökonomie, Kriegstreibertum und ihre weltweiten Ausbeutungen/Verrat/Manipulationen bezahlen - Nicht weil ich die Amerikaner nicht liebe, im Gegenteil, aber ihr System ist zum Kotzen und eine Folter für die Völker der Welt.

Der Feind heißt WALLSTREET und CITY of LONDON - ich hoffe jemand führt Liste.

Account gelöscht!

21.03.2013, 23:06 Uhr

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