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06.11.2013

20:18 Uhr

Der Werber-Rat

Die große Sinnsuche

VonStefan Kolle

Unsere Welt ist voller Überfluss und Übersättigung. Eine große Chance, die noch nicht viele Unternehmen erkannt haben: Wer Produkte mit Sinn anbietet, betritt einen der größten Märkte der Zukunft.

Wer seine Lebensmittel im Bio-Supermarkt kauft, tut dies in Wahrheit nur ein bisschen wegen der Qualität. dpa

Wer seine Lebensmittel im Bio-Supermarkt kauft, tut dies in Wahrheit nur ein bisschen wegen der Qualität.

Neulich fragte ein Journalist: „Was glauben Sie, wie lange hält das noch an, der Trend zu Bio und Nachhaltigkeit?” Eine gute Frage, der allerdings eine falsche Annahme zugrunde liegt. Im Kern geht es gar nicht um einen Bio- oder Nachhaltigkeitstrend, sondern um etwas viel Größeres: um die Suche nach Sinn.

Wer seine Lebensmittel im Bio-Supermarkt kauft, tut dies in Wahrheit nur ein bisschen wegen der Qualität, viel mehr aber, um eine Haltung zu zeigen und seinem Tun einen Sinn zu geben. Zum Beispiel, um einen Beitrag gegen Massentierhaltung und genmanipulierte Erzeugnisse zu leisten. Doch auch jenseits von Bio und Nachhaltigkeit gibt es Produkte, die Sinn liefern. Das US-Unternehmen Tom Shoes spendet für jedes gekaufte Paar Schuhe ein weiteres Paar an Menschen in der dritten Welt. Die holländische Stiftung Fairphone bringt das erste transparent und fair produzierte Smartphone auf den Markt.

Stefan Kolle ist Geschäftsführer der Agentur Kolle Rebbe.

Stefan Kolle ist Geschäftsführer der Agentur Kolle Rebbe.

Das Geschäft mit Sinn boomt. Ein Blick in die Bahnhofsbuchhandlung zeigt einen Überfluss an sinnstiftenden Magazinen, von „Happinez” über „Bewusster Leben” bis „Sinn”. Kein Wunder in einer Zeit, in der die Familie keine wesentliche Rolle mehr spielt, Religion immer weniger Leuten Halt gibt, Freundschaften übers Netz gesucht und gepflegt werden und die Arbeit nur einen kleinen Teil der Menschen erfüllt.

Unternehmen können diese Lücke füllen. Zurzeit schaffen das aber nur wenige. Aus einem ganz einfachen Grund: Die meisten Firmen sind in einer Epoche entstanden, in der der zentrale Sinn in Konsum, Wachstum und Profitmaximierung bestand. Heute ist es sogar noch extremer: Die Helden der Wirtschaft sind aktuell Leute, die mit einer einzigen Idee im Raketentempo Milliardär werden.

Einer reinen Geldvermehrungsmaschine haftet jedoch nur wenig Sinnstiftendes an. Die Chance auf nachhaltigen Erfolg haben jetzt genau die Gründer, die nicht nur auf finanzielle, sondern auch auf gesellschaftliche Gewinnmaximierung achten.

Das gelingt, wenn man den Sinn des Handelns von Beginn an einer Geschäftsidee einpflanzt. Noch strebt die Hälfte der Welt wie in Russland und China nach Status, großen Autos und goldenen Uhren - langfristig setzt sich die Suche nach dem Sinn durch. Weil sie schon immer alle Menschen antreibt.

Der Autor:

Stefan Kolle ist Geschäftsführer Kreation der Agentur Kolle Rebbe in Hamburg. Er ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

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