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03.07.2012

18:10 Uhr

Der Werber-Rat

Die intimen Einblicke der Heidi Klum

VonInes Imdahl

Wie damals Sharon Stone in „Basic Instinct“ gewährte Heidi Klum in einer US-Show schlüpfrige Einblicke. Ein Zufall ist die Inszenierung beileibe nicht. Schwächen der Stars sind gefragt. Doch das Topmodel hat übertrieben.

Zu unzüchtig posierte Model Heidi Klum in der US-Fernsehshow „Project Runway“. Reuters

Zu unzüchtig posierte Model Heidi Klum in der US-Fernsehshow „Project Runway“.

Derzeit erlebt eine der bekanntesten Filmszenen der 90er-Jahre ein Revival. Heidi Klum posierte in der US-Fernsehshow "Project Runway" wie einst Sharon Stone in "Basic Instinct" ungewohnt schlüpfrig oder besser "Schlüpfer los". So meldeten es zumindest die Boulevardblätter am folgenden Tag.

Die Inszenierung ist kein Zufall, denn das Model plant jeden Auftritt. Gerade weil die Marke Heidi Klum in letzter Zeit nicht mehr vom Glück verfolgt ist: die Ehe mit Seal gescheitert, die Einschaltquoten von "Germany's Next Topmodel" im Sinkflug. Ob der Versuch, Aufmerksamkeit durch tiefste Einblicke zu erzielen, jedoch der beste Weg ist, darf bezweifelt werden.

Ines Imdahl ist Psychologin und Inhaberin der Marktforschungsagentur Rheingold Salon.

Ines Imdahl ist Psychologin und Inhaberin der Marktforschungsagentur Rheingold Salon.

Dennoch verspürt Heidi Klum etwas Richtiges. Promis, die heute in der Öffentlichkeit Sympathien erwecken, sind keine perfekten, emotionslosen Überwesen mehr. Sie zeigen etwas Persönliches von sich. Eheprobleme, Cellulite oder auch modische Fehler werden von der Öffentlichkeit geradezu aufgesaugt.

Dies geschieht auch, aber nicht nur, aus Schadenfreude. Unperfektes und Skandalöses verschafft uns Nähe zu den Idolen. Weil sie sich mit denselben Problemen herumschlagen wie wir, sind sie uns irgendwie ähnlich. Gerade das macht sie sympathisch und auch werbetauglicher.

Das war nicht immer so. Jahrzehntelang wähnte man Stars gar nicht aus Fleisch und Blut. Greta Garbo, Marlene Dietrich und Fred Astaire waren unerreichbare Wesen, ausschließlich am Sternenhimmel zu bestaunen. Sie sollten zum Träumen anregen, während die Menschen schufteten.

Relevanten Einfluss auf das alltägliche Tun oder die Lebensentwürfe hatten Stars nicht. Es wurde nicht einmal darüber nachgedacht, ob man sich ebenfalls wie ein Star fühlt. Heute hingegen will man sich mit Prominenten vergleichen, ihnen ähnlich sein. Fast 25 Prozent der unter 40-Jährigen möchten inzwischen sogar selbst berühmt werden.

Ohne Einblick in die Privatsphäre sind Promis für emotionalisierende Werbung wenig geeignet. Sie wirken kalt und seelenlos. Heidi Klum wird unbewusst mitbekommen haben, dass ihre übertriebene Professionalität in ihrer Lebenskrise keine wirklich gute Figur mehr macht. Ihre spektakulären "Einblicke" lassen sie aber kaum menschlicher wirken, sondern nur in die "Rolle" einer kalten, berechnenden Stone-Kopie schlüpfen. Menschliches, Trauer, kleine Emotionalitäten ständen ihr viel besser zu Gesicht - und würden Einblicke in andere Intimbereiche überflüssig machen.

Die Autorin:

Ines Imdahl ist Psychologin und Inhaberin der Marktforschungsagentur Rheingold Salon. Sie ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Kommentare (2)

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Krumm

03.07.2012, 18:39 Uhr

Heidi, Heida wann ist sie endlich nicht mehr da?

Hochschuehler

03.07.2012, 20:21 Uhr

Jetzt habe ich den Beitrag angeklickt, wo ist das Youtube-Video? Selbst das Fachmagazin mit den vier Buchstaben berichtet nicht darüber.... Wie soll sich da der interessierte HB-Leser denn informieren????

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