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07.05.2015

20:20 Uhr

Der Werber-Rat

Die Königskinder

VonBritta Poetzsch

Die Windsors sind eine der berühmtesten Marken der Welt und das nicht zuletzt wegen perfekter Markenführung. Das hat sie durch Krisen geführt und macht sie bis heute interessant.

Der kleine Prinz George mit seinen Eltern, Prinz William (rechts) und Herzogin Kate (links). Töchterchen Charlotte Elizabeth Diana ist der jüngste Spross der Familie – und noch nicht auf dem Foto: AFP

Der kleine Prinz George mit seinen Eltern, Prinz William (rechts) und Herzogin Kate (links). Töchterchen Charlotte Elizabeth Diana ist der jüngste Spross der Familie – und noch nicht auf dem Foto:

Vor wenigen Tagen wurde die kleine Charlotte Elizabeth Diana geboren. Jüngster Spross der Windsors. „Ist mir doch egal“, werden die Gefühllosen unter Ihnen sagen. Der Rest seufzt „Ach, wie süß!“ und schwelgt in den perfekten Bildern. Dann heißt das zuckrige Ding auch noch mit Drittnamen Diana. Wer sich da nicht sofort ergriffen ans Herz greift, der hat wirklich keins im Leib. Auch ich kann mich vor lauter Beseeltheit kaum berappeln und würde mich am liebsten mit einem Piccolöchen und einem Berg Klatschmagazinen aufs Sofa werfen. Plus Dauerschleife der Bilder im TV.

Aber zurück zum Auftrag dieser Kolumne. Was uns die Royals seit der Erfindung der Massenmedien da vorführen, ist bestes Storytelling, wie es im Marketingdeutsch so schön heißt. Die verstehen was von Markenführung. Allein die Queen ist eine so unverwechselbare Marke. Ihre pastelligen Kleider, ihre tortenähnlichen Hüte, ihre hässlichen Hunde und ihr leicht durchgeknallter Gatte. Das gibt es so kein zweites Mal. Dazu die ganzen Rituale, die auf der Insel eisern gepflegt werden. Von der steifbeinigen Palastwachablösung mit Bärchenhut bis hin zu den Zeremonien, wenn ein Königskind geboren wird.

Britta Poetzsch ist Global Creative Director der Agentur Ogilvy.

Britta Poetzsch ist Global Creative Director der Agentur Ogilvy.

Natürlich gibt es auch Krisen. Schlimme sogar. Ungeratene Söhne verwickelt in Skandale. Eine unvergessene, bulimische, zutiefst unglückliche Schwiegertochter, die fast allen die Show gestohlen hat und damit auch noch die Herzen der Massen erreichte. Ein Enkel, der Naziunformen angemessen findet und ein bisschen wie der Reitlehrer aussieht, der damals Diana tröstete.

Aber mit eiserner Konsequenz und kerzengradem Rückgrat hat die Queen die Marke „Windsor“ durch alle Krisen geführt. Sie alle liefern Geschichten, die die Marke interessant halten. Immer wieder Anreiz liefern, sich mit ihr zu beschäftigen. Im Kern bleibt die Marke fest.

Aber sie wird nie langweilig. Jetzt hat die alte Dame auch noch eine perfekte Schwiegerenkelin, die nicht nur tolle Beine hat, sondern auch psychisch gefestigt wirkt. Deren Glanz strahlt auf den etwas langweiligen, künftigen König ab. Für viele neue Geschichten ist schon gesorgt: George und Charlotte – wir zählen auf euch. Wenn es diese Marke nicht geben würde, man würde sie glatt vermissen.

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