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30.06.2014

16:59 Uhr

Der Werber-Rat

Die Quotenlüge

VonMarianne Heiß

Man braucht keinen Gesetzgeber, der die Handlungsfreiheit der Unternehmen mit Quoten einschränkt. Positive Botschaften sind motivierender als Zwang und gesetzliche Regelungen.

Frauen in Führungspositionen sind keine Neuheit mehr – wir wundern uns dennoch immer wieder darüber. dpa

Frauen in Führungspositionen sind keine Neuheit mehr – wir wundern uns dennoch immer wieder darüber.

Warum ist eine Frau Finanzchefin bei Deutschlands größter Werbeagentur, werde ich immer gefragt? Wir leben in einem Land, das seit fast zehn Jahren von einer Frau regiert wird, einer Frau, die in der schlimmsten Finanz- und Wirtschaftskrise seit der Großen Depression in den dreißiger Jahren den Kurs gehalten hat. Und trotzdem ist man immer noch über Frauen in Führungspositionen verwundert.

Es ist an der Zeit, die stereotypen Vorbehalte abzulegen; sie bringen uns kein Stück weiter und schaden Frauen und Männern gleichermaßen. Dass gemischte Management-Teams ein Garant für nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg sind, ist durch Studien belegt und hat sich, viel entscheidender, im Geschäftsalltag längst bewiesen. Gesetzliche Vorgaben braucht es dafür aber nicht.

Marianne Heiß ist Finanzchefin der Agentur BBDO Germany.

Marianne Heiß ist Finanzchefin der Agentur BBDO Germany.

Und doch liegt nun ein Gesetzesvorschlag auf dem Tisch, der nicht nur börsennotierte Unternehmen dazu verpflichtet, bis 2015 30 Prozent der Aufsichtsratspositionen mit Frauen zu besetzen. In dem Entwurf steht auch, dass dem deutschen Mittelstand, bei dem 60 Prozent der Erwerbstätigen arbeiten, eine Frauenquote aufoktroyiert werden soll. Zwang statt Freiwilligkeit - und das auf breitem Terrain.

Nun soll dieses Gesetz also auch den deutschen Mittelstand treffen. Ein falsches Vorhaben, ein fatales Signal: Der Entwurf ist ein klarer Eingriff in den Gestaltungs- und Handlungsspielraum des unternehmerischen Mittelstandes und greift in einen Sektor der sozialen Marktwirtschaft ein, der uns in den vergangenen 50 Jahren den Wohlstand in Deutschland gebracht hat.

Zukunftsorientierte Unternehmen haben längst die Weichen für Diversität im Management gestellt. Sie haben erkannt, dass der demografische Wandel eine Konstante ist und dass Frauen in gemischten Management-Teams ein Wettbewerbsvorteil sind.

Ich habe meine gesamte berufliche Laufbahn in Finanzpositionen verbracht und gelernt, dass die Zahlen für sich selbst sprechen und die Kraft der Logik ausreicht, um eine Veränderung einzuleiten. Da braucht es keines Gesetzgebers, der die Handlungsfreiheit derart einschränkt. Positive Botschaften sind motivierender als Zwang und gesetzliche Regelungen.

Die Autorin:
Marianne Heiß ist Finanzchefin der Agentur BBDO Germany. Sie ist eine von sechs Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

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