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02.07.2013

06:42 Uhr

Der Werber-Rat

Die Radioaktivität der Daten

VonInes Imdahl

Trotz Datenskandalen und Überwachung wird unvermindert gechattet und gepostet. Warum führen die Enthüllungen über die Praktiken der Geheimdienste nicht zu einer Verhaltensänderung?

Berlin von der ehemaligen Abhörstation der NSA aus: Die Enthüllungen über die Praktiken des Geheimdienst haben bisher nicht dazu geführt, dass Nutzer weniger im Internet preisgeben. Reuters

Berlin von der ehemaligen Abhörstation der NSA aus: Die Enthüllungen über die Praktiken des Geheimdienst haben bisher nicht dazu geführt, dass Nutzer weniger im Internet preisgeben.

Erstens: Menschen handeln in den seltensten Fällen rein rational. Aufklärung hat daher in der Geschichte kaum je zu einer Verhaltensänderung geführt. Die allermeisten Menschen wissen, dass Rauchen schädlich ist und sind sich über die Folgen voll und ganz bewusst. Ähnliches gilt für zu viel Alkohol oder Fast Food und zu schnelles Autofahren. Entscheidend ändern tun sie ihr Verhalten deswegen nicht.
Zweitens: Mit dem Datenskandal ist es wie mit der Radioaktivität. Die Folgen sind für den einzelnen derzeit weder direkt sichtbar noch spürbar. Ohne Ereignisse wie Fukushima fällt es den Menschen auch schwer, sich die Gefährlichkeit der Radioaktivität klarzumachen.

Die Folgen der Datenspionage sind so abstrakt wie unsichtbar. Anders als in Orwells 1984 führt die totale Überwachung derzeit eben noch nicht zu Meinungs- und Handlungseinschränkungen für den Einzelnen. Wir sind dagegen, aber wehren uns nicht wirklich.

Ines Imdahl ist Psychologin und Inhaberin der Marktforschungsagentur Rheingold Salon.

Ines Imdahl ist Psychologin und Inhaberin der Marktforschungsagentur Rheingold Salon.

Denn drittens sind Menschen bequem. Gewohnheiten ändern sie nicht so leicht. Und Menschen tun sich schwer damit, etwas, das ihnen Spaß oder Entlastung verschafft, freiwillig wieder herzugeben. Das ist beim Alkohol nicht anders als bei den sozialen Netzwerken, Online-Einkäufen oder einfacher digitaler Kommunikation.

Wir spüren die Nachteile nicht deutlich und sollen auf Spaß prophylaktisch verzichten. Und das, obwohl wir uns darüber hinaus kaum vorstellen können, dass sich Datenspione nun ausgerechnet für unsere privaten Nachrichten interessieren könnten.

Viertens: Wir leben in einer Zeit, in der die junge Generation einen ganz anderen Umgang mit ihren persönlichen Daten pflegt und gelernt hat. Die virtuelle Welt ist Teil der Selbsterfahrung geworden. Während frühere Generationen eine Big-Brother-Überwachung als bedrohlich empfanden und ihr Privates zu schützen suchten, ist heute das Agieren und Sich-Darstellen in dieser virtuellen Welt fast so etwas wie ein Persönlichkeitsbestandteil.
Emotionales statt rationales Handeln, kaum spürbare Konsequenzen, Gewöhnung an die Annehmlichkeiten des Netzes sowie der Wunsch nach virtueller Persönlichkeit sind Gründe, die eine Verhaltensänderung bezogen auf den Umgang mit persönlichen Daten unwahrscheinlich machen.

Die Autorin:

Ines Imdahl ist Psychologin und Inhaberin der Marktforschungsagentur Rheingold Salon. Sie ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Kommentare (9)

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pool

02.07.2013, 07:22 Uhr

Der Mensch leidet an einer Verhaltensstörung.

Die Jugend äfft die Alten nach, der Tunnelblick ist anerzogen. Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.

Der Artikel strotzt vor Naivität und Unkenntnis.

pool

02.07.2013, 07:27 Uhr

Was Psychologen nicht in ihr gewaschenes Hirn kriegen, dass eine politisch korrekte Welt die Ausfahrt blockiert wie eine Brandmauer. Da gibt es keine Heilung, nur Krankheit und Verfall.

HofmannM

02.07.2013, 07:31 Uhr

Falsche und ideologische Ansichten haben Sie, Frau Ines Imdahl!
Warum ziehen Sie schon wieder, wie in den deutschen Medien üblich, die Radiaktivität so in den Dreck?!
Mit ihren Artikel versuchen Sie schon wieder das Thema "Atomkraft" mit einen schmutzigen Wirtschafts-Thema "Datenspionage" in Verbindung zu bringen.
Auch das Wort "Kernschmelze" oder "Supergau" wird ja gerne von euch links-grün ausgerichteten Autor/inen verwendet.
Wie tief sitzt euer technisch und wirtschaftlich verblendeter Hass gegen die Kernkraft denn noch...?!
Gegen Angst und Hass helfen keine Hetzartikel oder Progandaschriften sondern nur die fachliche und sachliche Aufklärung. Also fangt bitte mal damit bei euch und im deutschen Blätterwald damit an. Danke!

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