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09.05.2016

22:02 Uhr

Der Werber-Rat

Die Story hinter dem Wunder

VonRaphael Brinkert

Dass Leicester City die englische Premier League gewonnen hat, gilt als Wunder in der Fußballwelt. Doch bei näherer Betrachtung ist die Sensation nur eine „Good Story“ – nicht mehr und nicht weniger.

Leicester City hat die englische Premier League gewonnen. Die Quote dafür lag bei 5000:1. Reuters

Ein Wunder

Leicester City hat die englische Premier League gewonnen. Die Quote dafür lag bei 5000:1.

Die Aussage war eindeutig: 5.000:1. Oder in Worten: quasi ausgeschlossen. Diese Quote legten britische Buchmacher für den Gewinn der Meisterschaft von Leicester City in der englischen Premiere League fest. Eine Quote, die die Wettbüros durch den Titelgewinn teuer zu stehen kommt. Spätestens seit Montag gilt Leicester City als die größte Sensation im Fußball überhaupt.

Als brutaler Underdog nährt die Mannschaft das Verlangen von Fußballromantikern nach Chancengleichheit und Überraschungen im Sport. Vor zwei Jahren noch zweitklassig, in der letzten Saison ein Abstiegskandidat. Jamie Vardy, Deutschland-Schreck und prägende Figur der gesamten Liga, spielte vor wenigen Jahren noch in der 5. Spielklasse.

Wetten: „Elvis lebt“ war wahrscheinlicher als das Wunder von Leicester City

Die Quote lag bei 5000:1

Leicester City hat seine Sensationssaison im englischen Fußball mit seinem ersten Meistertitel gekrönt - gegen jede Wahrscheinlichkeit. Wer vor der Saison darauf wettete, ist nun ein reicher Mann: Die Quote der englischen Buchmacher lag damals bei 5000:1.

Quelle: sid

Alles andere war wahrscheinlicher

...der Yeti oder das Monster von Loch Ness gefunden werden

Wette 2

...der heißeste Tag des Jahres auf Weihnachten fällt

Wette 3

...eine Frau den Trainerposten eines Premier-Lague-Teams übernimmt

Wahrscheinlicher war, dass...

Wahrscheinlicher war, dass der Papst für die Glasgow Rangers spielt, traditionell ein Verein für Protestanten (4000:1)

Wette 5

...Elvis lebt (2000:1)

Wette 6

...Queen Elizabeth an Weihnachten die englischen Single-Charts anführt (1000:1)

Wette 7

...der englische Tennis-Star Andy Murray sein erstes Kind nach seinem ärgsten Rivalen Novak (Djokovic) benennt (500:1)

Wette 8

...Barack Obama die Verschwörungstheorie bestätigt, dass die Mondlandung nie stattgefunden hat (500:1)

Keine Frage: Der Verein hat sich komplett den Mechanismen im Markt entzogen: Ein brutaler Teamgeist mit vielen No-Names statt großen Stars. Taktik nach der alten Schule mit erbittertem Verteidigen und Kick and Rush statt Ballbesitz-Fußball mit falscher Neun oder abkippenden Sechsern.

Erfolgscoach Ranieri hat erkannt, dass es unorthodoxe Mittel braucht, wenn man sonst chancenlos ist. Sportlich ist Leicester City eine Sensation, die zu Zeiten von Akkumulation von monetärem wie humanem Kapital undenkbar schien.

Raphael Brinkert ist Mitinhaber der Agentur Jung von Matt/Sports.

Raphael Brinkert ist Mitinhaber der Agentur Jung von Matt/Sports.

Aber: Es ist eine „Good Story“ – nicht mehr und nicht weniger. Ein tieferer Blick zeigt, dass Leicester nicht nur für Fußballromantik steht. Auch hinter dem englischen Underdog steht mit einem thailändischen Milliardär ein Investor. Und mit dem Jahresumsatz von 137 Millionen Euro würde Leicester in der Bundesliga immerhin auf Platz fünf rangieren.

Ich bin gespannt, wann es in Deutschland wieder ein echtes Wunder gibt wie 1998, als der 1. FC Kaiserslautern nach dem Aufstieg in die 1. Bundesliga gleich Deutscher Meister wurde.

Raphael Brinkert ist Mitinhaber der Agentur Jung von Matt/Sports. Der Autor ist einer von sechs Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

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