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25.09.2015

20:15 Uhr

Der Werber-Rat

Die Trennung ist nicht überstürzt

VonChristoph Metzelder

Der Rücktritt von Trainer Lucien Favre hat Borussia Mönchengladbach erschüttert. Die Entscheidung jedoch war nicht überstürzt. Wie im Leben kommt auch im Fußball der Tag, an dem eine Beziehung beendet werden muss.

Vier Jahre galten sie als untrennbar: Lucien Favre und Borussia Mönchengladbach. dpa

Lucien Favre

Vier Jahre galten sie als untrennbar: Lucien Favre und Borussia Mönchengladbach.

Die Beziehung zwischen Trainer und Verein ist ein wenig wie die zwischen Mann und Frau. Man lernt sich kennen, es ist toll, aber meist entstehen keine nachhaltigen Gefühle füreinander und man trennt sich gewöhnlich nach 1,2 Jahren – dies ist nämlich die durchschnittliche Verweildauer eines Bundesliga-Trainers im Verein. In ganz seltenen Fällen entsteht aber die große Liebe und man verbringt sein Leben miteinander. Wie Alex Ferguson und Manchester United, die 27 Jahre zusammen blieben.

2011 kam der charmante Franko-Schweizer Lucien Favre, hielt um die Hand des damals Tabellenletzten Borussia Mönchengladbach an und schrieb über fast fünf Jahre ein modernes Fußballmärchen. Und jetzt soll Schluss sein?

Favre ist als akribischer Fachmann bekannt, dessen stetigen Zweifel durch seinen sanften französischen Akzent oft nicht richtig vernommen wurden. Er schmiss bei Hertha BSC 2009 hin, jetzt trat er bei Mönchengladbach gegen das Votum des Vereins zurück. Er mag nicht mehr. Viele Kritiker aber werfen ihm vor, diese Scheidung sei überstürzt gewesen.

Im letzten Jahr mit Jürgen Klopp und dem BVB haben wir jedoch hautnah miterlebt, was für ein Kraftakt entstehen kann, wenn man weitermacht, obwohl die Symbiose zwischen Trainer und Team vielleicht nicht mehr passt. Wer kann diese Entscheidung also besser treffen, als derjenige, der jeden Tag mit den Spielern arbeitet?

Der verlassene Sportdirektor Max Eberl ist zwar „sautraurig“, behält jedoch die Ruhe in dieser Krise. Er hat es stets geschafft, Abgänge vorausschauend zu ersetzen. Favres Entscheidung kommt überraschend, aber Gladbach scheint nicht in Aktionismus zu verfallen. Per Definition bedeutet Aktionismus übrigens „blindes Handeln“. Blind wäre es jedoch auch, aus lauter Romantik an einer Konstellation festzuhalten, die nicht mehr funktioniert!

Der Autor: Christoph Metzelder ist Mitinhaber der Agentur Jung von Matt/Sports.

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