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14.01.2014

22:12 Uhr

Der Werber-Rat

Die Welt braucht Ja-Sager

VonFrank Dopheide

Es gibt zu wenig Menschen, die sich etwas trauen. Im Alltag treffen Vordenker oft auf die Gemeinschaft der Kopfschüttler. Mit einem „Nein“ ist man schließlich immer auf der sicheren Seite. Oder?

Zu diesem Sprung musste auch erst einmal jemand „Ja“ sagen. dapd

Zu diesem Sprung musste auch erst einmal jemand „Ja“ sagen.

Felix Baumgartner sitzt im Büro von Dietrich Mateschitz und präsentiert seine Idee: Er will aus dem Weltraum auf die Erde springen, während die ganze Welt „live“ zuschaut. Der ultimative Beweis des Markenversprechens „Red Bull verleiht Flügel“. Die Werbeaktion kostet geschätzte 50 Millionen Euro. Eine Garantie für ihr Gelingen oder sein Überleben gibt es nicht. Der Red Bull Chef sagt: „Ja“ und gewinnt weltweite Aufmerksamkeit im Gegenwert von einer Milliarde Euro für seine Marke.

Doch diese Antwort ist selten geworden. Im grauen Alltag treffen Freigeister und Vordenker auf die Gemeinschaft der Kopfschüttler: die süffisanten Anwälte, die kopfschmerzgeplagten Bedenkenträger und die Shooting Stars aus dem Controlling. Sie alle eint die Gabe, auf tausend Arten „Nein“ zu sagen. Die risikoreiche Zustimmung liegt außerhalb ihres Zuständigkeitsbereichs.

Frank Dopheide ist Inhaber der Agentur Deutsche Markenarbeit.

Frank Dopheide ist Inhaber der Agentur Deutsche Markenarbeit.

Mit der Größe und der Neuheit einer Idee wachsen auch die Abwehrreflexe. „Zu schön für unsere Ohren und gewaltig viel Noten, lieber Mozart“, kommentierte einst Kaiser Joseph. Neues ist aufwühlend und unkalkulierbar. Mit einem „Nein“ sind wir immer auf der sicheren Seite. Das „Nein“ macht es uns leicht, aber es frisst Energie, Fantasie und Zukunft.

Ohne das „Ja“ wäre unsere Erde ein trauriges Plätzchen. Es sind die beiden Buchstaben, die den Entscheider vom Moderator trennen. Es ist das Vorwort für jede Erfolgsgeschichte: von Benz bis Tesla, von Gutenberg bis Apple. Das kürzeste Wort unserer Sprache auszusprechen, erfordert das längste Nachdenken und die höchste Anstrengung.

Es zeigt Courage und Ihren Willen dem Beunruhigenden standzuhalten sowie vor dem Sturm der Schwierigkeiten nicht zurückzuweichen. Mit „Yes, we can“ können Sie sogar Präsident werden. Die entschlossene Zustimmung ist der größte Energieschub, den Sie Ihren Mitmenschen geben können — sie ist vor dem Traualtar ebenso wirkungsvoll wie im Besprechungsraum.

Falls Sie diese Fähigkeit haben, sollten Sie sie trainieren. Das „Ja“ ist die Eintrittskarte für Wachstum und Erfolg, für ein erfülltes Leben und vielleicht sogar für die Unsterblichkeit.

Wer hat schon je von dem Mann gelesen, der kopfschüttelnd zum Mond geflogen ist?

Der Autor:

Frank Dopheide ist Inhaber der Agentur Deutsche Markenarbeit. Er ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

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