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24.01.2013

21:01 Uhr

Der Werber-Rat

Die Werbebranche muss wieder sexy werden

VonStefan Kolle

Agenturen haben sich zu sehr auf ihre Strahlkraft verlassen. Kreative Turnschuhträger arbeiten heute aber bei Google, Facebook oder Zalando. Wieder die Besten zu gewinnen, ist eine der größten Herausforderungen.

Model im Schnee: Die Werbebranche muss wieder sexy werden. AFP

Model im Schnee: Die Werbebranche muss wieder sexy werden.

Lange Jahre lebte die Werbebranche von ihrem Mythos: großes Geld, Fotoshootings unter Palmen und dazu Champagner. Werbung war Rock 'n' Roll, ein Sammelbecken für und von Menschen, die frei von den üblichen Konventionen in kreativer Atmosphäre arbeiten wollten. Ein Gegenentwurf zu einer durchgeplanten Industriekarriere im grauen Anzug mit vielen Konventionen und weniger Freiheiten.

Noch vor zehn Jahren hatten die Personalabteilungen der Agenturen leichtes Spiel, die Bewerber standen scharenweise vor der Tür. Heute ist das anders. Kreative Turnschuh- und Kapuzenpulli-Träger sind die neuen Helden der Weltwirtschaft. Aber nicht etwa in Agenturen, sondern bei Google, Facebook oder Zalando. In bunten Büros gibt es jede Menge Freiheit, viele Chancen, die Welt zu verändern, und Aktienoptionen, die junge Mitarbeiter zum Millionär werden lassen.

Stefan Kolle ist Geschäftsführer der Agentur Kolle Rebbe.

Stefan Kolle ist Geschäftsführer der Agentur Kolle Rebbe.

Agenturen haben sich bis heute zu sehr auf ihre Strahlkraft verlassen und dabei übersehen, dass die Idole der jungen Kreativen Mark Zuckerberg und Sergey Brin heißen. Zugleich suchen viele Agenturen noch immer ihren Platz in der Onlinewelt.

Wie entscheidet sich jemand, der die Wahl hat, entweder in einer Agentur die Klickraten für einen Müsliriegel hochzutreiben oder von einem Business-Angel sein Start-up finanziert zu bekommen? Warum sollte eine 23-Jährige als Strategie-Praktikantin in einer Werbeagentur anfangen, wenn sie bei McKinsey das Vielfache verdient und obendrein einen Karriereplan angeboten bekommt?

Außerdem hat sich der Wertekosmos der Nachwuchskräfte gewandelt. Hartes Arbeiten ist für sie kein Problem, aber auch kein Selbstzweck. Freizeit, Ausgleich und Transparenz sind ihnen wichtig, Flexibilität ein Muss. Was die Agenturen bieten, passt da nicht mehr richtig hinein. Arbeitszeiten von bis zu 70 Stunden sind in der Branche nichts Besonderes, die Einstiegsgehälter vergleichsweise gering.

Zwar sind Gehaltssprünge von 2000 Euro auf 6000 Euro innerhalb von drei Jahren möglich, doch offensichtlich reicht das nicht. Es wird eine der größten Herausforderungen, der sich die Werbebranche zu stellen hat: Sie muss wieder sexy werden, um die Besten einer anspruchsvollen, selbstbewussten und vernetzten Generation zu begeistern.

Der Autor:

Stefan Kolle ist Geschäftsführer Kreation der Agentur Kolle Rebbe in Hamburg. Er ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

24.01.2013, 21:47 Uhr

Wer in einer Werbeagentur arbeitet schließt doch schon bei Antritt mit jeglicher Karriere ab. Was macht man dann mit 35? Mit 40? Man kann nichts und ist für die Agenturwelt zu alt...also dann doch Industrie. Aber da kommen auf 1 werbeaffinen Job 75 Kandidaten...dumm gelaufen

anmacher

25.01.2013, 06:50 Uhr

vun den studierten 23 jährigen können 3% bei den meckies anfangen 90 % bei den werbern.

das unser fachmann die damenwelt als zeuginnen aufruft,um sein sexy in bezug auf attraktivität der arbeitsplatzausgestaltung unterzubringen ,könnte auch ein grund sein,sich anderswo anmachen zu lassen

das is mir mal ein kolle oswald wiedergänger

Account gelöscht!

25.01.2013, 09:51 Uhr

Dieses seltsame Streben nach "sexy"-Sein scheint gerade richtig in Mode zu kommen bei allen, die in Sachen barer Münze nichts zu bieten haben. Oberflächlicher geht es wohl kaum, denn das "sexy" repräsentiert doch eigentlich nur den "schönen Schein". Aber immerhin ist das ehrlich.
Interessant auch, dass eine Praktikantin in der Werbung mit einer Einsteigerin im Management-Consulting verglichen wird. Dann weiss frau wenigstens, auf welchem Level sie ins Werberleben einsteigen kann...

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