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30.04.2013

06:49 Uhr

Der Werber-Rat

Drossel-Verträge drangsalieren die Kunden

VonInes Imdahl

Mit der angekündigten Drosselung der Internetanschlüsse beschädigt die Deutsche Telekom ihr Image. Denn ihrem Netzanbieter wollen die Kunden blind vertrauen. Dieses Vertrauen ist erschüttert.

Ein Netzwerkstecker: Die neuen DSL-Verträge der Telekom sind ein Streitfall. dpa

Ein Netzwerkstecker: Die neuen DSL-Verträge der Telekom sind ein Streitfall.

Die Telekom will nun neben den Mobilfunkverträgen auch die Festnetzverträge ändern. Bei den Mobilfunkverträgen ist es dem Unternehmen schon gelungen, eine Drosselung der Surfgeschwindigkeiten nach Überschreitung einer bestimmten Datenmenge zu installieren. Dies will sie nun auch im Festnetz tun. Schon ab 2. Mai sollen die neuen Verträge entsprechend geändert werden. Dabei nutzt die Telekom ihre Macht. Prinzipiell ist nichts dagegen einzuwenden, dass Unternehmen auch Geld verdienen möchten: Diese Art mit Kunden umzugehen ist jedoch verwerflich.

Ines Imdahl ist Psychologin und Inhaberin der Marktforschungsagentur Rheingold Salon.

Ines Imdahl ist Psychologin und Inhaberin der Marktforschungsagentur Rheingold Salon.

Zum einen werden die Änderungen kaum deutlich kommuniziert. Die willkürliche Umstellung dürfte dem Image der Marke eher schaden als nützen. Die Telekom agiert quasi diktatorisch. Und folgt damit gängigen Praxen von Facebook und Apple - die ständig ihre Vertrags- und Nutzungsbedingen ändern. Meist zulasten der Nutzer. Das ist aus ethischer Perspektive nicht besser. Aber die Telekom vergisst, dass die Menschen Apple als Kult ansehen und Facebook als Gemeinschaftsmedium. Einem Netzanbieter wie der Telekom hingegen stehen sie distanzierter gegenüber.

Tatsächlich haben die Menschen an die Telekom andere Erwartungen. Gerade weil der Netzanbieter nur im Hintergrund des menschlichen Alltags agiert, wollen sich die Menschen blind auf ihn verlassen können. Vergleichbar ist das mit den Erwartungen an Versicherer. Netzanbieter sichern Verbindungen zu den Lieben und zu wichtigen Geschäftspartnern ab. Mit dieser Absicherung wollen Menschen sich nicht ständig neu auseinandersetzen. Sie möchten diese Verbindungen auch nicht plötzlich gedrosselt sehen - denn damit geht die Sorge einher, dass die wichtigen Verbindungen abgewürgt werden.

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Schon vorher ist es der Telekom nicht gelungen, ihre Verträge und Tarife übersichtlicher zu gestalten als ihre Wettbewerber. Eine vergebene Chance. Sie hätte sich als vorbildlich und verbindlich positionieren können. Denn wenn es um Netzverbindungen und Telefonanschlüsse geht, ist Verbindlichkeit ein zentraler und nachhaltiger Mehrwert. Neben dem Tarifdschungel gibt es nun noch die Drosselverträge, die auch eine Drangsalierung der Kunden bedeuten.

Die Autorin:

Ines Imdahl ist Psychologin und Inhaberin der Marktforschungsagentur Rheingold Salon. Sie ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Kommentare (25)

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Account gelöscht!

30.04.2013, 07:17 Uhr

Wieso jetzt das Heucheln?
Als der Lobbyverband der Telekommunikationsunternehmen VATM Funk_DSL als gleichwertig zu DSL erklären ließ war das noch in Ordnung.
Dort wird für 35€/Monat bei 10GB gedrosselt. Und man hat meist keine Möglichkeit den Anbieter zu wechseln! Die Claim sind da aufgeteilt.
Die Kartellbehörden fanden da keine Probleme.

Als die Linke Internet wie Wasser und Strom zum Grundrecht machen wollte, war der Aufschrei groß!

Mit der Privatisierung des Telefonnetzes wurde doch die heutige Misere vorbereitet - zum Wohle von Telekom &Co.

Also bitte kein Geheuchel, die Problemesind seit Jahren bekannt.

www.geteilt.de

Sternchen

30.04.2013, 08:03 Uhr

Ich benötige das Internet beruflich und habe entsprechend hohe Downloadmengen. Was macht man denn in so einem Fall? Was machen denn die ganzen Firmen? Stellen die den Internetverkehr ein?

Account gelöscht!

30.04.2013, 08:17 Uhr

Auch wenn ich jetzt vielleicht im Forum hingerichtet werde. Ich bin Internetnutzer der ersten Stunde und kann die Telekom verstehen. Sie muss sich einfach gegen die Endlosdownloader schuetzen. Ich als Normalnutzer habe keine Lust fuer die mitzubezaehlen. Aber so wie es jetzt ist muss ich auch die Kosten fuer die tragen. Ich kenne beispielsweise Leute, die laden tausende Filme herunter. Alleine rechnerisch haben sie nicht die Zeit all diese anzusehen. Eine Art Messi-Verhalten auf Kosten der anderen Internetnutzer.

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