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24.10.2014

16:58 Uhr

Der Werber-Rat

Ein Herz für Curler

Die Randsportart Curling erhält in Deutschland keine Förderung mehr. Das ist kurzsichtig und ein Verrat am Sport und der Gesellschaft. Die Folgen sind fatal: Denn beim Sport geht es um mehr als um das Gewinnen.

Eine Sportart, die vom Aussterben bedroht ist: Curling erhält in Deutschland keine Förderung mehr. dpa

Eine Sportart, die vom Aussterben bedroht ist: Curling erhält in Deutschland keine Förderung mehr.

Am Mittwoch ist die Bombe geplatzt: Der deutsche Curling-Verband (DCV) wird als erster olympischer Fachverband keine Förderung durch das Bundesinnenministerium erhalten. Die Folgen sind fatal. Ein ganzer Sportverband geht kaputt. Der Leistungssport ist nicht mehr möglich, der Breitensport wird Mitglieder und seine Ambitionen verlieren. Eventuell verschwindet die Sportart komplett. Ein Scheideweg: Entweder einer stirbt für alle, oder alle sterben ein bisschen für einen.

Das Bundesministerium wollte einer Forderung nach mehr Fördermitteln nicht nachkommen, da die Erfolgschancen dieser Sportart bei internationalen Wettbewerben überschaubar war. Hart formuliert: Wer keine realistische Chance auf eine Medaille hat, hat auch kein Anrecht auf Unterstützung vom Staat. Eine ganze Sportart war dem Ministerium keine 400.000 Euro wert.

Raphael Brinkert ist Mitinhaber der Agentur Jung von Matt/Sports.

Raphael Brinkert ist Mitinhaber der Agentur Jung von Matt/Sports.

Es geht hier nicht um Nächstenliebe, sondern um einen gesellschaftlichen Auftrag. Die Werte des Sports sind für eine Gesellschaft unabdingbar. Jede Sportart transportiert soziale als auch gesamtwirtschaftliche Werte für eine ganze Nation. Sport bringt Menschen zusammen, er vermittelt wichtige Werte wie Disziplin, Toleranz, Teamgeist oder Leistungsbereitschaft. Werte, die gleichermaßen im Privat- wie auch im Arbeitsleben entscheidend sind. Speziell Spitzensportler bringen viele Eigenschaften mit, die in unserer heutigen Leistungsgesellschaft gefragt und für unsere Volkswirtschaft wichtig sind.

Noch schlimmer: Der Staat schneidet sich auch politisch ins eigene Fleisch! Der Beitrag zur Gesundheit der Bürger, die Festigung der Demokratie, die Förderung von Identifikation und Integration sowie das Leben des Leistungsprinzips - in diesen politisch relevanten Bereichen ist Sport eine elementare Säule. Schließlich trägt der Sport 100 Milliarden Euro zum Sozialprodukt bei. Zwar ist bislang nur eine Sportart betroffen, jedoch ist ein Grundprinzip akut in Gefahr. Wir sollten nicht zulassen, dass die Kurzsichtigkeit der Politik Sportarten und die gesamte Gesellschaft gefährdet. Hier geht es um weit mehr als die reine Verteilung von Fördermitteln. Deutschland verdient eine gewürdigte und vielfältige Sportlandschaft.

Der Autor:

Raphael Brinkert ist Mitinhaber der Agentur Jung von Matt/Sports. Er ist einer von sechs Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Kommentare (1)

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Herr Thomas Schmidt

24.10.2014, 17:23 Uhr

Wenn man dieses ergreifende Plädoyer für die Curling-Subventionierung liest, dann könnte man glauben, es handelt sich um eine Sportart, für die sich Millionen Deutsche begeistern. Wenn nicht im Hochleistungsbereich, dann wenigstens als Amateursport/Freizeitsport. Ist aber leider nicht so. Gerade alle 4 Jahre mal, bei Olympischen Winterspielen, bekommt man was von Curling mit. Und wenn eine Sportart dann nicht schon unserem Land durch Medaillen Ruhm und Ehre beschert, wieso sollte der Bund dafür 400.000 Euro ausgeben. Das Geld wird jetzt ja nicht eingespart (selbst das wäre aber o.k.), sondern kommt wahrscheinlich anderen Sportarten zugute. Generell sollten doch sowieso mehr diejenigen populären Breitensportarten gefördert werden, die die Menschen interessieren und die zudem vielleicht sogar noch einen signifikant positiven gesundheitlichen Aspekt haben, also wegen mir Laufen, Hockey, Volleyball, Skilanglauf. Anstatt 400.000 Euro auszugeben für eine Sportart, die in Deutschland nur von ein paar Handvoll Leuten ambitioniert betrieben wird und wo die Akteuere die meiste Zeit rumstehen....:-)

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