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03.07.2013

07:53 Uhr

Der Werber-Rat

Ein öder Wahlkampf

VonFrank Dopheide

Amtsinhaberin Angela Merkel gegen Herausforderer Peer Steinbrück: Der Kampf scheint vorbei, bevor er richtig ins Laufen kam. Was läuft nur falsch beim ödesten Kampf ums Kanzleramt aller Zeiten?

Nicht spannend: Der Schlagabtausch zwischen Merkel und Steinbrück. dpa

Nicht spannend: Der Schlagabtausch zwischen Merkel und Steinbrück.

Im Kampf ums Kanzleramt fordert Peer "die Peitsche" Steinbrück die mächtigste Frau der Welt heraus: Angela "die Eiche" Merkel. Er qualifizierte sich nicht durch Ausscheidungskämpfe, sondern es fand sich kein Gegner und so wurde er kurzerhand in den Ring gestoßen. Noch ehe der Gong ertönte, holte ihn ein unfairer Rede-Honorarschwinger von den Beinen und Steinbrück kam aus dem Tritt. Dabei ist Steinbrücks verbale Gerade an den Kopf des Gegners eine starke Waffe. Doch ausgerechnet sein Schlachtruf "Das Wir entscheidet" war eine alte Kamelle und führte schon früh zum Punktabzug.

Der Herausforderer findet nicht in den Kampf. In der eigenen Ringecke ist das Schattenkabinett ein wirksames Mittel für Überraschungsangriffe, Befreiungsschläge und Punktsiege. Doch statt Entsetzen treibt die Ernennung seiner Mitstreiter Freudentränen in die Augen der Gegner. Gewogen und für zu leicht befunden sagen die Kampfrichter. Anstatt alles mit Gewicht und Namen in den Ring zu werfen, spaziert der Kandidat mit zwei Gesichtslosen zum Gespräch mit Präsident Barack Obama und vor die Kameras.

Frank Dopheide ist Inhaber der Agentur Deutsche Markenarbeit.

Frank Dopheide ist Inhaber der Agentur Deutsche Markenarbeit.

Seit der ersten Runde läuft jeder engagiert vorgetragene Angriff ins Leere — das macht müde und eine unglückliche Figur. Der Kampf scheint vorbei, bevor die Titelverteidigerin ins Schwitzen gekommen ist. Was tun? In ähnlich aussichtsloser Situation biss einst Mike Tyson seinem Gegner das Ohrläppchen ab. Doch wie soll Steinbrück jemanden besiegen, der nicht in den Infight geht?

Amerikanische Wahlkämpfer punkten durch drei Dinge: Erstens, gewinnende Sicherheit und mentale wie physische Stabilität. Zweitens, durch Variabilität sichtbare Wirkungstreffer setzen: Zu der trockenen Geraden müssen auch Haken und Schwinger kommen. Drittens, den eigenen Anhängern das Gefühl vermitteln Teil von etwas Großem zu sein. Fragen Sie Obama

Liebe SPD, fragt nicht, was der Kandidat für euch tun kann, fragt, was ihr für euren Kandidaten tun könnt — die lautstarke Unterstützung der eigenen Truppen verleiht Flügel. In der höchsten Gewichtsklasse genügt ein "Lucky Punch", um den Kampf zu entscheiden. Vielleicht wiegen Punktevorsprung und Sommerpause die Titelverteidigerin in betäubender Siegessicherheit. Ring frei.

Der Autor:

Frank Dopheide ist Inhaber der Agentur Deutsche Markenarbeit. Er ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Kommentare (22)

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Numismatiker

19.06.2013, 11:22 Uhr

Das Problem bei Wikipedia (die ich auch gerne nutze) ist:

Da jeder daran herumschreiben kann, sind Artikel dort nur ein Hinweis, daß es so sein KÖNNTE, wie es dort steht.

Account gelöscht!

20.06.2013, 12:12 Uhr

Falsch. Die Wikipedia hat bei mehreren Vergleichen zwischen den Enzyklopädien bewiesen, dass sie weniger Fehler enthält, als die Konkurrenz. Zweitens hat die Wikipedia schon seit Jahren die gesichteten Versionen eingeführt, welche dem normalen Benutzer auch standardgemäß angezeigt wird. Dass "jeder" reinpfuschen kann, ist schlichtweg falsch.

DausHH

27.06.2013, 10:58 Uhr

und ? was soll uns das sagen? projektplanung - seriöse kalkulation - brauchen wir nich - egal was es kostet - der bürger zahlt und die nachwelt wird uns recht geben.

ob die 798 mio die letzte zahl für die elbphilharmonie sind, wollen wir erstmal abwarten - von den betriebskosten ganz zu schweigen.
für jedes teil, das trotz überzogener baukosten 'gern gesehen' wird, gibt es doch wohl mehrere, die sang- und klanglos in der versenkung verschwunden sind.

der für 70mrd ins meer gekippte sand wird dazugehören...
wollen wir wetten ???

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