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25.09.2014

20:20 Uhr

Der Werber-Rat

Ein Prosit der Gemütlichkeit!

VonBritta Poetzsch

Auch Städte sind Marken. Ihr Image muss stets gepflegt werden. Denn sie stehen im weltweiten Konkurrenzkampf. Und gerade jetzt kann man von München lernen, wie perfektes Stadtmarketing geht.

Das Oktoberfest in München: Kaum etwas ist draußen in der Welt wohl so bekannt und beliebt wie die Wiesn. dpa

Das Oktoberfest in München: Kaum etwas ist draußen in der Welt wohl so bekannt und beliebt wie die Wiesn.

Städte sind heute Marken. Sie stehen im weltweiten Konkurrenzkampf. Wer zieht die Touristen an? Und fast noch wichtiger: Wer begeistert Investoren? Und Fachkräfte?

Ein Freund von mir, der sich mit Stadtbranding und -entwicklung auskennt, hat mir mal erklärt, dass zwei Dinge besonders gut funktionieren. Erstens: Engagiere einen weltberühmten Architekten – etwa Norman Foster, Frank O. Gehry oder Zaha Hadid – und lasse ihn beziehungsweise sie wahlweise ein spektakuläres Museum oder Opernhaus bauen. Zweitens: Veranstalte eine Parade. Die Loveparade hat um die Jahrtausendwende mehr für Berlin getan als alle Marketingkampagnen zusammen.

Wie perfektes Stadtbranding geht, macht in diesen Tagen München vor. Kaum etwas ist draußen in der Welt wohl so bekannt und beliebt wie das Oktoberfest. Nicht zuletzt deshalb wird deutsche Kultur weltweit mit der bayerischen nahezu gleichgesetzt. Australier, Italiener, Japaner, Amerikaner – sie alle werfen sich freiwillig (und zum Entsetzen der Ureinwohner) in die Lederhosen beziehungsweise Dirndl, trinken mehr vom bayerischen Grundnahrungsmittel Bier, als ihnen guttut, und singen schlimme Lieder, bis der Kopf irgendwann ermattet auf den Holztisch sinkt. Oder Schlimmeres!

Das Konzept ist so erfolgreich, dass es ein echter Exportschlager ist. In Peking kann man genauso Oktoberfest feiern wie in New York. Selbst im erzpreußischen Berlin greift die „Oktoberfesteritis“ immer weiter um sich. Oans, zwoa, gsuffa!

Britta Poetzsch ist Global Creative Director der Agentur Ogilvy.

Britta Poetzsch ist Global Creative Director der Agentur Ogilvy.

Aber nicht nur das zahlt auf die Marke München ein. Ein weltweit bekannter Fußballverein und die Luxusautos von BMW runden das Image ab. Eine erfolgsverwöhnte Stadt, die ihre Traditionen pflegt und deren glückliche Bewohner alle dicke Autos fahren.

Genau das ist das einzige Imageproblem, das München hat: Es ist eine Stadt für Leute mit Geld. Bezahlbaren Wohnraum gibt es nicht. Der ist aber eine Grundvoraussetzung, um Menschen anzuziehen, die eine Stadt "von unten" immer wieder erfrischen. Die neben der heiß geliebten Tradition auch mal Neues wagen.

Trotzdem: München ist eine sehr gut gepflegte Marke, mit einer tollen Markenstory, die weltweit funktioniert. Ein Prosit der Gemütlichkeit!

Die Autorin:

Britta Poetzsch ist Head of Lifestyle der Agenturgruppe Serviceplan. Sie ist eine von sechs Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

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