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10.12.2014

18:09 Uhr

Der Werber-Rat

Eine ernsthafte Beziehung

Früher nannte man Programme, die durch allmähliche Fehlerbehebungen erst beim Kunden reiften, Banana-Software. Heute sind solche Reife-Erlebnisse bei vielen Produkten gang und gäbe – und erscheint uns völlig normal.

Die Vorstellung des iPhone 6: Mit jedem Betriebssystem-Update beherrschen Smartphones heute ganz neue Kunststücke. Reuters

Die Vorstellung des iPhone 6: Mit jedem Betriebssystem-Update beherrschen Smartphones heute ganz neue Kunststücke.

„Battery low!“, blökte mich eine Frauenstimme sehr laut an. Sie ertönte beim ersten Einschalten unseres neuen kleinen Bluetooth-Lautsprechers. Und sie erwischte mich damit völlig unvorbereitet, stand doch in der Produktbeschreibung nichts von dessen Sprachbegabung.

War dieses Talent womöglich gar nicht von Anfang an vorgesehen gewesen, sondern erst später aufgrund von Kundenreaktionen hinzugefügt worden? Immerhin erweitert es seine sonst auf eine blinkende Leuchtdiode begrenzte Ausdrucksfähigkeit erheblich.

Früher nannte man Programme, die durch allmähliche Fehlerbehebungen erst beim Kunden reiften, Banana-Software. Jetzt stehen uns solche Reife-Erlebnisse in ganz anderen Produktkategorien bevor – und wir könnten uns darüber auch noch freuen. Dass unsere iPhones und Galaxys mit jedem Betriebssystem-Update ganz neue Kunststücke beherrschen, erscheint heute normal. Aber hätte vor 20 Jahren jemand angekündigt, dass eine Spiegelreflexkamera ohne Nachkauf von Zubehör auch Videos, Zeitrafferserien oder Panorama-Aufnahmen erzeugen könne, hätten wir wohl nicht nur skeptisch geguckt.

Torben Bo Hansen ist Mitinhaber der Agentur Philipp und Keuntje.

Der Autor

Torben Bo Hansen ist Mitinhaber der Agentur Philipp und Keuntje.

Weil Produkte aber immer häufiger nicht nur über eingebaute Chips verfügen, sondern auch gleich mit einer Verbindungsmöglichkeit zu Mobilfunk- oder WLAN-Netzen versehen werden, kann ihr Funktionsumfang auch nachträglich noch zunehmen. Für das Marketing besteht damit auch die Chance, mehr über echte – und nicht nur erinnerte – Nutzungsmuster zu erfahren. Damit kann der Austausch für beide Seiten nützlicher gestaltet und so aus bislang oberflächlicher Kommunikation eine „ernsthafte Beziehung“ werden. Und Produktlebenszyklen könnten ressourcenschonender gestaltet werden – für den, der damit anfängt, ein erheblicher Wettbewerbsvorteil.

Damit wächst aber auch die Verantwortung des Marketing, mit dem erworbenen Wissen transparent und respektvoll umzugehen. Wenn mich jemand fragte: Die ungebetene Sprachfähigkeit unseres Lautsprechers würde ich nicht vermissen, erzöge man sie ihm wieder ab – auch wenn er sich beim Ausschalten mit einem artigen „Goodbye“ abmeldet. Die Lautstärke seines eigenen Geblöks lässt sich nämlich – noch – nicht regeln!

Der Autor: Torben Bo Hansen ist Mitinhaber der Agentur Philipp und Keuntje. Er ist einer von sechs Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

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