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15.10.2013

09:58 Uhr

Der Werber-Rat

Eine Legende verliert ihre Seele

VonFrank Dopheide

Jaguar verkündet das Ende des Land Rover Defender. Der Wagen steht auf verlorenem Posten: ein Alptraum für Großstadt-Cowboys. In keinem anderen Auto fühlten sie sich so sehr als Abenteurer wie in dem Zwei-Tonnen-Koloss.

Abgang einer Legende: Der Land Rover Defender wird nach Jahrzehnten eingestellt. ap

Abgang einer Legende: Der Land Rover Defender wird nach Jahrzehnten eingestellt.

Es geschah in New York. Mitten auf der 5th Avenue kroch ein großer Alligator aus der Kanalisation. Sekunden später herrschte Panik. Einzig ein junger Banker bewahrte Ruhe, warf sich auf den Alligator und zerrte ihn zurück in die Kanalisation. Dann ging der Mann gut gelaunt zu seinem Wagen. Werbung für Land Rover. Der letzte Hort von Freiheit und Abenteuer ist aus Blech und trägt Englischgrün.

Während moderne Autos leichter, runder, glatter werden, zeigt der „Defender“ 65 Jahre lang Größe. Seit dem Tag seiner Erstzulassung 1948 hat er sich kaum verändert. In ihm ritt Ernest Hemingway einst zur Großwildjagd. Bei großen Expeditionen, ob Wüste oder Arktis, ist der Wagen mit von der Partie. Und wenn Lara Croft oder James Bond unsere Welt retten, lässt der „Landy“ sie nicht im Kugelhagel stehen. 2.000 Kilo Unverwüstlichkeit. Von zwei Millionen gebauten Wagen sind 75 Prozent noch in der Weltgeschichte unterwegs.

Doch jetzt steht der Defender auf verlorenem Posten: Der Hersteller verkündete sein Ende. Ob Fahrkomfort oder Kraftstoffverbrauch, der Defender fuhr der Konkurrenz seit Jahrzehnten hinterher. Und doch: ein Auto wie von Manufactum. Ein treuer Gefährte für John Waynes Enkel. Fahrgefühl und -lärm erinnern an halsbrecherische Fahrten auf dem Kutschbock bei der Flucht vor Indianern. In Wageninneren findet selbst ein ausgewachsener Bison Platz, ein Schminkspiegel allerdings nicht. Es gibt keinen vernünftigen Grund, dieses Auto zu kaufen. 23.000 Unbelehrbare tun es dennoch. Das muss Liebe sein.

Frank Dopheide ist Inhaber der Agentur Deutsche Markenarbeit.

Frank Dopheide ist Inhaber der Agentur Deutsche Markenarbeit.

2015 jedoch soll die Produktion eingestellt werden. Ein Fehler. Wann ist es je einem Hersteller gelungen, eine Legende durch eine Legende zu ersetzen? An welchen Abenteuern soll sich auch Defender junior beweisen? Die Besteigung des Mount Everest buchen wir heute im Reisebüro, und durch die Wüste von Dubai führen sechsspurige Autobahnen.

Welcher Cowboy will schon ein Pferd mit Sitzheizung und Einparkhilfe? Land Rover steuert in die Markensackgasse. Die letzte Bastion von Abenteuer ordnet sich der EU-Norm für Fußgängersicherheit unter. Ohne das Original wird der Markenkern hohl. Seine zwei Tonnen Unverwüstlichkeit werden dem Freelander, dem Discovery und dem Range Rover an Glaubwürdigkeit fehlen.

Der Autor:

Frank Dopheide ist Inhaber der Agentur Deutsche Markenarbeit. Er ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Kommentare (7)

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Matthias

15.10.2013, 10:16 Uhr

Das Bild im Artikel des Markenexperten zeigt aber keinen Defender.

Account gelöscht!

15.10.2013, 10:23 Uhr

Jungs, falsches Foto! Ihr habt einen Landrover Discovery abgebildet, nicht einen Defender.

Account gelöscht!

15.10.2013, 10:23 Uhr

Jungs, falsches Foto! Ihr habt einen Landrover Discovery abgebildet, nicht einen Defender.

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