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09.05.2014

16:16 Uhr

Der Werber-Rat

Entscheidend ist auf dem Platz

VonChristoph Metzelder

Es gibt keinen Artenschutz für Profivereine: Während Traditionsklubs wie der HSV und der 1. FC Nürnberg ums Überleben kämpfen, trumpfen Fußballprojekte wie Wolfsburg und Hoffenheim auf.

Findet sich der Kern des Fußballs noch auf dem Platz? Während etablierte Vereine wie der HSV ums Bestehen kämpfen, sind sogenannte Fußballprojekte wie Hoffenheim auf Erfolgskurs. Die Fans der Traditionsvereine fürchten sich vor dem Schreckensbild des Kommerzes. dpa

Findet sich der Kern des Fußballs noch auf dem Platz? Während etablierte Vereine wie der HSV ums Bestehen kämpfen, sind sogenannte Fußballprojekte wie Hoffenheim auf Erfolgskurs. Die Fans der Traditionsvereine fürchten sich vor dem Schreckensbild des Kommerzes.

„Entscheidend ist auf dem Platz“ - dieser Satz der BVB-Legende Adi Preißler gehört zu den meistbenutzten Fußball-Floskeln. Er wird vor allen Dingen dazu verwendet, das Drumherum des Fußballgeschäfts zu relativieren. Sponsoring, TV, Merchandising, „falsche Neun“, „abkippende Sechs“, „Doppelpass“ oder „Sky 90“: All das sind, wenn man Traditionalisten Glauben schenken darf, nur Nebengeräusche. Der Kern des Fußballs ist immer noch das, was laut Uefa und Fifa auf rund 68 x 105 Meter grünem Rasen stattzufinden hat.

Aber gelten diese Floskeln auch noch in der 51. Bundesliga-Saison? Oder haben sich die Rahmenbedingungen für professionellen Fußball grundlegend geändert? Der Saisonabschluss ist ein guter Zeitpunkt, ein erstes Fazit zu ziehen: Während Traditionsvereine wie der HSV und der 1. FC Nürnberg um das Überleben kämpfen, spielen sogenannte Fußballprojekte wie Wolfsburg und Hoffenheim, fernab von Abstiegsängsten, befreit auf.

Und mit RB Leipzig gibt es, durch den Aufstieg in die Zweite Liga, ab der neuen Saison ein neues Projekt im Profifußball. Auferstanden aus den Ruinen des ostdeutschen Fußballs. RB Leipzig ist zwar ein eingetragener Verein, dessen Struktur aber durch eine überschaubare Anzahl an Mitgliedern und extrem hohe Mitglieder-Jahresbeiträge ad absurdum geführt wird.

Fußballdeutschland ist entsetzt. Anhänger der etablierten Vereine fürchten den Niedergang von Tradition und Fankultur. Das Schreckensbild des Kommerzes wandert unaufhaltsam von der Imtech-Arena im Norden über den Signal-Iduna-Park bis zum Grundig-Stadion im Süden. Aber genauso wenig, wie es für Unternehmen Artenschutz gibt, existiert dieser für Profivereine, deren strukturelle Schwäche den Weg frei macht für Investoren.

Zerbrechen wir uns also nicht den Kopf der Fußballfans in Leipzig, die, getrieben durch ihre Sehnsucht nach attraktivem Fußball, in einer Anzahl von über 80 000 die beiden letzten Heimspiele der Roten Bullen in der Dritten Liga besucht haben. Lassen Sie uns den Leipzigern genauso wie den Kölnern zu ihren Aufstiegen gratulieren. Entscheidend dafür war die Leistung auf dem Platz. Für die Fehler Dritter sollten sie nicht den Kopf hinhalten.

Der Autor:
Christoph Metzelder ist Mitinhaber der Agentur Jung von Matt/Sports. Der Ex-Fußballprofi ist einer von sechs Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

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