Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

23.08.2012

07:26 Uhr

Der Werber-Rat

Finger weg vom Smartphone

VonStefan Kolle

Während einer Präsentation schauen viele Zuhörer regelmäßig auf ihr Smartphone. Das beleidigt nicht nur den Vortragenden, sondern ist auch kontraproduktiv. Denn nicht jeder ist so multitasking wie er denkt.

Research in Motion CEO Thorsten Heins bei einer Präsentation. Viele Zuhörer lassen sich durch ihre Smartphones bei Präsentationen ablenken. Reuters

Research in Motion CEO Thorsten Heins bei einer Präsentation. Viele Zuhörer lassen sich durch ihre Smartphones bei Präsentationen ablenken.

Liebe Zuhörer bei Präsentationen, liebe Teilnehmer in Meetings, es ist ein komisches Gefühl, vor Leuten zu präsentieren, die ständig auf ihre Smartphones schauen. Freundlich formuliert ist es extrem unhöflich gegenüber dem Vortragenden.

Vor ein paar Jahren - also in der heute unvorstellbaren Zeit vor Blackberry und iPhone - dachte ich mir: Guck an, der legt sein Handy auf den Tisch, das ist wie bei Barack Obama im Weißen Haus, quasi wie dessen Rotes Telefon. Wenn es ganz wichtig wird, ist dieser wichtige Mann immer erreichbar. Hat es geklingelt, war klar, jetzt geht es um etwas Entscheidendes.

Inzwischen komme ich zu Präsentationen, da liegen vor manchen Leuten gleich zwei oder drei Smartphones. Wird es in der Präsentation auch nur eine Sekunde langweilig, gehen die Hände und der Blick sofort ans Gerät.

Wird in einer Präsentation getuschelt, sage ich: Vielleicht ist das für alle interessant, sprechen Sie doch mal laut. Schauen alle gelangweilt, mache ich einen Witz. Schauen drei Leute gleichzeitig auf ihre Smartphones, sage ich: gar nichts. Denn ich traue mich nicht zu formulieren, was ich in diesem Moment denke: Macht das Ding sofort aus, es beleidigt mich.

Stefan Kolle ist Geschäftsführer der Agentur Kolle Rebbe.

Stefan Kolle ist Geschäftsführer der Agentur Kolle Rebbe.

Als Präsentator glaubt man dann, der Inhalt interessiert keinen. Der Smartphone-User hingegen denkt: "Machen Sie ruhig weiter, ich kann Multitasking." Ich verstehe zwar, wer jeden Tag acht Stunden in Meetings sitzt, muss zwischendurch auch mal kommunizieren. Dafür gibt es aber Pausen.

Kann man eine Entscheidung über eine millionenschwere Investition treffen, während man eine Mail vom Vertriebsleiter Nord liest? Schwierig! Kann man über eine Kampagne reden, die man gar nicht richtig gesehen hat? Ich glaube kaum.

Ich glaube inzwischen noch etwas anderes: Wer während einer Präsentation zehnmal auf seinen Blackberry schaut, der schaut auch sonst ständig auf sein Gerät. Beim Sonntagsfrühstück mit der Familie, im Gespräch mit Freunden, im Urlaub, sogar an Weihnachten in der Kirche. Das ist ungesund.

Deshalb haben wir in der Agentur jetzt ein Smartphone-Verbot in allen Meetings eingeführt. Und bei der nächsten Präsentation werde ich das tun, was mir ein Kollege von einer Präsentation bei einem DAX-Unternehmen erzählte: Die Marketingleiterin ging vor der Präsentation zu allen Teilnehmer mit einer Tüte, jeder musste sein Smartphone hineinwerfen. Die Tüte stand dann blinkend, summend und leuchtend in der Ecke. Die Präsentation war fantastisch.

Der Autor:
Stefan Kolle ist Geschäftsführer Kreation der Agentur Kolle Rebbe in Hamburg. Er ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Kommentare (6)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

brockendown

23.08.2012, 08:04 Uhr

Richtig! Diese moderne Verdummungsmaschine (Idiotenphone) ist eine so bedauerliche Schwemme geworden, dass dies die Dummheit einer großen Masse zeigt, [...]. Wenn ich im ICE längere Strecken fahre, ist das besonders auffallend. Die Leute schauen nur noch gesenkt in ein Idiotenphone mit Kleinstbuchstaben, zerstören dadurch ihre Sehkraft und vorallem, ihre Konzentration auf eine Sache. Sie hecheln panisch bei Verspätungen des Zuges durch diesen und telefonieren weitere Termine hinaus.
Kopfhörer schalten die Dummies der Moderne dann komplett vom Geschehen ihrer Umwelt aus; Asoziale in ICEs lassen den Rest des offiziellen Ruhewagens an ihren höchst uninteressanten weil unterdurchschnittlichen Happenings partizipieren dass es widerlich anwidert. Wie wäre es, wenn die Menschen sich wieder einmal höflich, nett und herzlich: anlächeln statt sich so von einem bedenklichen weil verdummenden Trend mitreißen zu lassen... +++ Beitrag von der Redaktion editiert +++

Bitte achten Sie auf unsere Netiquette:

„Nicht persönlich werden“

Ihre Kommentare sollten sich auf den jeweiligen Artikel oder das diskutierte Thema und niemals auf den dahinter stehenden Autor beziehen. Persönliche Angriffe gegen andere Nutzer oder soziale Gruppen, Beleidigungen und Diskriminierungen zum Beispiel aufgrund von Religion, Nationalität, sexueller Orientierung, Alter oder Geschlecht sind ausdrücklich nicht gestattet. Gleiches gilt für Verleumdungen sowie geschäfts- und rufschädigende Äußerungen sowie für die Veröffentlichung persönlicher und personenbezogener Daten Dritter. Bitte überlegen Sie zudem gut, welche Ihrer eigenen Daten Sie frei zugänglich ins Internet stellen.“
(http://www.handelsblatt.com/impressum/netiquette/)

SabineM

23.08.2012, 08:15 Uhr

Das eigentliche Problem ist doch, dass es heutzutage viel zu viele Präsentationen gibt. Das ist zu 99% langweilige Zeitverschwendung, sowohl für den Vortragenden als auch für die Zuschauer. Zu jedem Mist wird referiert, mit Powerpoint. Gähn -> abschaffen!

Account gelöscht!

23.08.2012, 09:30 Uhr

Tja, SabineM, desinterresierte Personen wie sie werden bei uns gar nicht mehr zu Präsentationen eingeladen.
Das hat Wunder gewirkt und die Spreu vom Weizen getrennt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×