Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

20.09.2012

09:40 Uhr

Der Werber-Rat

Frau Wulff und das PR-Gewitter

VonStefan Kolle

Mit „Jenseits des Protokolls“ wollte Bettina Wulff ihrem Image einen Sympathieschub verpassen. Doch die PR-Strategin hat sich von den falschen PR-Strategen beraten lassen. Dabei hätte alles so einfach sein können.

Das Buch von Bettina Wulff „Jenseits des Protokolls“. dpa

Das Buch von Bettina Wulff „Jenseits des Protokolls“.

Der Schuster hat immer die schlechtesten Schuhe, sagt der Volksmund. Insofern ist es kein Wunder, was Bettina Wulff, Chefin der gleichnamigen PR-Beratung, gerade widerfährt. Vermutlich wird kein Unternehmen dort in absehbarer Zeit eine seriöse PR-Strategie in Auftrag geben. Dabei ging alles so schön los.

Dachte man zuerst, nur ihr Ehemann sei ein Hasardeur im Umgang mit den Medien, zeigt sich nun: Die ehemalige First Lady steht ihrem Gatten in nichts nach. Sie reichte zwei publikumswirksame Klagen ein, eine gegen Deutschlands TV-Liebling Günther Jauch, die zweite gegen den Weltkonzern Google, gab vier Exklusivinterviews, bekam drei Bild-Titel und Berichte hoch und runter in allen Medien. Ein PR-Feuerwerk der Extraklasse und bis hierhin ein klarer Anwärter auf den Deutschen PR-Preis 2012.

Stefan Kolle ist Geschäftsführer der Agentur Kolle Rebbe.

Stefan Kolle ist Geschäftsführer der Agentur Kolle Rebbe.

Selten zuvor hat ein Buch inklusive seiner Autorin so viel Aufmerksamkeit bekommen. Allerdings: Selten zuvor hat ein Buch vorab so vernichtende Kritiken bekommen und selten war durch zu viele Zitate daraus so schnell klar, dass da gerade ein ganz dünnes Süppchen erhitzt wird. Frau Wulff hat das PR-Gewitter zwar nicht erdacht, aber sie hat mitgemacht, was der umtriebige Riva-Verlag geplant hat. Dem Buch hat es geholfen (es liegt in den Media-Control-Charts auf Platz eins), Frau Wulff eher nicht. Statt des erhofften Image-Sonnenscheins zog ein Gewitter über ihr auf. Der erhoffte Sympathieschub fiel gegenteilig aus, statt Verständnis schlagen ihr Ablehnung und Häme entgegen.

Und hatten vorher nur wenige Deutsche von ihrer angeblichen Rotlichtvergangenheit gehört, so dürften jetzt alle davon wissen. Dem Verlag kann's egal sein. Das Buch wird sich verkaufen, weil die Menschen - ganz gleich ob positive oder negative Presse - neugierig sind und gierig nach Tratsch.

Dass die Autorin jetzt TV-Auftritte und Lesungen absagt, sorgt für Gesprächsstoff und wird dem Absatz nicht schaden. Frau Wulff hingegen schon. Denn die alte Regel "Negative Presse ist auch Presse" mag für die Vermarktung eines Buches gelten. Zur Verbesserung des eigenen Images taugt diese Strategie nicht. Dabei hätte alles so einfach sein können. Alle Großunternehmen haben soziale Engagements und suchen immer nach gut bezahlten Prominenten, um die guten Taten ins Licht der Öffentlichkeit zu bringen. Ein Job wie gemacht für die Gattin eines ehemaligen Bundespräsidenten. Genau das hätte ihr jeder anständige PR-Berater als Betätigungsfeld empfohlen.

Der Autor:

Stefan Kolle ist Geschäftsführer Kreation der Agentur Kolle Rebbe in Hamburg. Er ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Kommentare (12)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

gratiswerber

20.09.2012, 10:28 Uhr

Es stellt sich die Frage: ist das wirklich wichtig? Oder Hauptsache das Buch noch mal abbilden und in der Presse halten? Schreiben Sie, liebes HB, doch mal einen Kommentar zu einem wichtigen Sachbuch, oder intellektuell zu anstrengend? Dann stellen Sie sich doch Mitarbeiter ein, die das können, so teuer ist es doch nicht. Oder schauts ganz anders aus: Erhalten Sie Provision für das indirekte bewerben des Buches von Frau W.? Gefühlt gerhört so ein Artikel auf die Werbebannerleiste rechts im Browser.

Lasst-sie-in-Ruhe

20.09.2012, 10:39 Uhr

<Dabei hätte alles so einfach sein können. Alle Großunternehmen haben soziale Engagements und suchen immer nach gut bezahlten Prominenten, um die guten Taten ins Licht der Öffentlichkeit zu bringen. Ein Job wie gemacht für die Gattin eines ehemaligen Bundespräsidenten. Genau das hätte ihr jeder anständige PR-Berater als Betätigungsfeld empfohlen.>

Da macht sich der Geschäftsführer einer PR-Agentur auf, um der neuen PR-Agentur von Bettina Wulff, bzw. ihr persönlich Ratschläge zu geben. Warum wohl? Die Öffentlichkeit hätte doch jede Werbung und vor allem jede Bezahlung eines Unternehmens für genau diese vorgeschlagene Öffentlichkeitswerbung wieder ganz groß negativ ausgeschlachtet.

Hört endlich mal mit dieser Hetzkampagne auf. Die Frau hat alles Recht, sich zu wehren. Und sie kann einen Beruf ergreifen, der nichts mit ihrem Status als EX-Präsidentengattin zu tun hat.

Jeder kann ein Buch schreiben, auch Bettina Wulff. Wen es nicht interessiert, der braucht es ja nicht zu kaufen.

Jeder kann eine PR-Agentur eröffnen, der die entsprechenden Voraussetzungen mitbringt, auch Bettina Wulff.

Laßt sie einfach in Ruhe, sie wird sich wenn sie auf Dauer Erfolg haben will denselben harten Marktbedingungen unterwerfen müssen, wie andere PR-Agenturen.

Für eine Wirtschaftszeitung gibt es zudem weitaus wichtigere Themen.

Account gelöscht!

20.09.2012, 10:55 Uhr

Bettina Wullf wehrt sich gegen die Schmutzkampagne.
Damit hat sie recht.
Ihr Mann war gegen den ESM und wurde deshalb schändlichst von der Regierung und den speichelleckenden Journalisten aus dem Amt gedrängt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×